574 / 2022 Trainerdialog nach dem Verfassen eines Coachingbriefes

Sehr geehrte Leserin, sehrgeehrter Leser,

heute fragte eine Trainingsteilnehmerin uns, seit wann es uns gelingt, uns jederzeit auf Gefühle und Bedürfnisse bei uns selbst und bei anderen fokussieren zu können. Sie wollte wissen, ob wir denn überhaupt nicht mehr urteilend und bewertend denken. „Schafft Ihr das wirklich andauernd?“, fragte sie. „Nein, schaffen wir nicht.“, antworteten wir beide wie aus einem Munde.

Gewaltfreie Kommunikation als Haltung verinnerlicht zu haben, bedeutet nicht, keine urteilenden und bewertenden Gedanken mehr zu haben. Es bedeutet vielmehr, wenn solche Gedanken auftauchen, sie als Urteile und Bewertungen wahrzunehmen, sie ggf. in Bedürfnisse zu übersetzen und sie dann wieder ziehen zu lassen.

Es benötigt Achtsamkeit und Bewusstheit, den Fokus trotz solch vorbeiziehender Gedanken weiter auf die Gefühle und Bedürfnisse der beteiligten Personen (inklusive sich selbst) zu richten und Strategien zu suchen, die den Bedürfnissen aller Beteiligten möglichst entsprechen.

Nach dem Schreiben des letzten Coachingbriefes entspann sich ein kurzer Dialog zwischen uns, und wir offenbaren mal, was es in mir (Olaf) manchmal so denkt – oder nach dem alten Muster denken könnte.

(Und die Formulierung, „Was ES in mir so denkt…“ ist bewusst gewählt. Mein Gehirn liefert solche Gedanken – ja. Weil es in unserer Gesellschaft über 40 Jahre dahingehend trainiert wurde, in solchen Strukturen und Verknüpfungen zu denken. Das 15-jährige Training, „gewaltfrei“ zu denken, hat nicht zur Folge, dass urteilende, bewertende Gedanken nicht mehr auftauchen. Es hat jedoch zur Folge, dass ich sie nicht als „die Wahrheit“ ansehe und meine Entscheidungen und Handlungen nicht mehr nur nach ihnen ausrichte, sondern sie auch als „ungewolltes Treibgut“ vorbeischwimmen lassen kann. Mir fällt dazu wieder der Titel einer Buchempfehlung unserer Kollegin Christina Fangrad ein: „Dein Gehirn ist nicht Dein Freund“)

Herzliche Grüße nachträglich zum 2. Advent, heute aus Ellwangen und Jena

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Trainerdialog nach dem Verfassen eines Coachingbriefes

Zitat: „Gehirn: Ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken.“

(Ambrose Bierce)

Beispiel:

Olaf: Der Coachingbrief ist fertig – ich freu mich. Liest Du nochmal und stellst ihn in die Versende-Software ein?

Anja: Wir kann er fertig sein, wenn ich ihn noch gar nicht kenne?

Olaf, die einseitig hochgezogene Augenbraue wahrnehmend, denkt: Was soll denn dieser Blick? und denkt weiter: Ist sie wohl skeptisch oder verwundert?

Olaf (sagt): Ich war gerade so im Schreib-Fluss, dass ich gar nicht großartig nachzudenken oder zu recherchieren brauchte – es floss aus meinen Fingern in die Tastatur…

Anja: Oh, wenn Du sagst, Du hättest beim Schreiben nicht nachgedacht, dann ist mir jetzt noch wichtiger, dass ich ihn lese, bevor er versendet wird.

Olaf (denkt): Jetzt will sie den Inhalt kontrollieren? Meint sie das scherzhaft oder ernst? Ich kann es ja mal in vier Schritten ansprechen. Vielleicht so:

Wenn Du sagst, dass Du den Coachingbrief nochmal lesen möchtest, bevor wir ihn versenden und das damit begründest, dass ich beim Schreiben nicht nachgedacht habe (Beobachtung), dann bin ich irritiert und etwas unsicher (Gefühl). Ich merke, ich brauche Klarheit, Gewissheit, wie das gemeint ist (Bedürfnis). Kannst Du mir sagen, ob Du das als Scherz meinst, oder ob Du tatsächlich Bedenken bezüglich des Inhaltes hast? (Bitte)?

Ich erinnere mich an das KPU-Konzept – (danke, Alexio) – und entscheide mich dafür: Konsequent positive Unterstellungen. Sie hat es wohl als Scherz gemeint und wollte damit beitragen zu unserem Bedürfnis nach Humor, nach Leichtigkeit und Spaß im Alltag. Ich entscheide mich gegen die vier Schritte und dafür, mir ein Bedürfnis nach Leichtigkeit im Miteinander zu erfüllen und sage:

„Ja, gern. Lies mal.“

Das erfüllt ebenfalls mein Bedürfnis nach Vertrauen darin, den Coachingbrief GfK-konform geschrieben zu haben.

Anja, etwas später: „Och nö… Was hast Du denn da geschrieben?“

Olaf (genauer: EIN TEIL in mir denkt entrüstet): Was für eine bescheuerte Frage!

Olaf (die innere GFK-Stimme denkt ergänzend): Sie ist überrascht, verwundert. Braucht vermutlich nicht die Antwort auf die Frage nach dem WAS ich geschrieben habe, sondern eher Klarheit bezüglich der Frage, WESHALB ich das geschrieben habe.

Olaf (sagt trotz dieser Überlegungen, mit einer Betonung zwischen Aussagesatz und Fragesatz): Na, unseren nächsten Coachingbrief!?!?

Anja: Ja, das ist mir klar. Ich meinte eher, weshalb Du das geschrieben hast…

Olaf (denkt): Es ist so schön, wenn Menschen sagen, was sie meinen.

Olaf (die GFK-Stimme): „Schön“ ist eine Bewertung. Es erfüllt mein Bedürfnis nach Leichtigkeit in der Verständigung, wenn Menschen sagen, was sie meinen.

Olaf (sagt): Das habe ich geschrieben, weil wir darüber im Auto nach der Rückfahrt von Bad Berka in einem regen Austausch waren und uns vorgenommen haben, das Thema in einem Coachingbrief festhalten zu wollen. Erinnerst Du Dich?

Anja: Ich erinnere mich an unser Gespräch über den Gottesdienst und die Menschen in Bad Berka – ja. Ich erinnere mich auch, dass wir über die Friedensarbeit von Matt Lamb schreiben wollten. Ich erinnere mich nicht, dass wir daraus ein Führungsthema machen wollten.

Olaf (denkt): Das stimmt.

Olaf (fragt hingegen 😊): Echt?

Anja: Ja, echt. Mir ist das Thema Frieden aktuell wichtiger als Führung. Magst Du das nicht nochmal umschreiben?

Olaf (denkt): Das meint sie doch wohl nicht ernst, oder?

Olaf (sagt): Ein Umschreiben scheint mir nicht so leicht möglich zu sein. Um das Thema Frieden zu bedienen, bräuchten wir komplett andere Inhalte. Daher – bedaure, nein. Das schreibe ich nicht um. Und es gefällt mir auch, so wie es geworden ist. Ich möchte es gern versenden. Was brauchst Du, um zustimmen zu können?

Anja: Dann hätte ich gern einen zweiten Coachingbrief zum Gottesdienst in Bad Berka – mit dem Thema Friedensarbeit.

Olaf (denkt): Das glaube ich. Das hättest Du wohl gern. Als hätte ich in diesen Tagen nach dem Training nicht schon genug Aufgaben, die den Abend füllen.

Olaf (sagt): Ja, das wünscht Du Dir – doch das wird ein Wunsch bleiben. Ich werde in den nächsten Tagen keinen zweiten Coachingbrief schreiben. Wie geht’s Dir damit?

Anja: Hm, enttäuscht. Ich hatte mich schon so gefreut auf das Thema. Es war schon beeindruckend in der Kirche. Aber OK, wir versenden das Führungsthema und ich schreibe was zur Friedensarbeit.

Olaf (denkt): Na also. Da konnte ich mich durchsetzen.

Und so wie der Gedanke auftauchte und bewusst wurde konnte er auch weiterziehen.

Olaf (sagt): Danke. Ich bin erleichtert, dass wir eine gemeinsame Lösung haben.

Aktuelles

Neue Angebote für Paare und mehr

Auszeit im Kloster für Unternehmer-Paare

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09./10. Dezember 2022 – 2 Tage im Kloster Michaelstein bei Wernigerode

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„Partnerschaft neu entdecken“

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Wie Willenskraft trainiert wird

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Mittwoch, 28.12.2022 um 18.00 Uhr
Mittwoch, 04.01.2023 um 18.00 Uhr

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16.12.2022 Vertiefung „Gewaltfreie Kommunikation“ im Kloster Hünfeld (3 Tage) (2 Plätze frei)


Weitere Seminare 2023
09.01.2023  Willenskrafttraining Online (10 Abende für 1 ½ Stunden, Beginn 18 Uhr)
14.02.2023  Trainer(Innen)-Ausbildung Präsenz
21.02.2023  Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte für Einzelteilnehmer und Paare
26.02.2023  Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte nur für Paare (Warteliste)
16.04.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage
06.05.2023  Wandeltage 2023 Jahresgruppe Präsenz –(6 Module à 3 Tage))
22.05.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ in Dießen am Ammersee (5 Tage)
16.06.2023  Auszeit im Kloster für Unternehmer-Paare (2 Tage mit Vorabendanreise und Film)
28.06.2023  Auszeit für Paare im Knaubenhof im Altmühltal (5 Tage)
25.08.2023  Wandeltage-Vertiefung Fortführung des Jahreskurses im Kloster Hünfeld (3 Tage)
26.09.2023  Gruppenentscheidungen treffen mit Systemischen Konsensieren (3 Tage)
06.10.2023  Wandeltage 2023 Jahresgruppe Online –(6 Module à 3 Tage))
15.10.2023  Ein Führungskräftetraining auf Basis GfK auf Baltrum (5 Tage)
23.10.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
09.11.2023  Trainer(Innen)-Ausbildung Online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
08.12.2023  Auszeit im Kloster für Unternehmer-Paare (2 Tage mit Vorabendanreise und Film)
10.12.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ am Jadebusen im Kunze-Hof (5 Tage)

Weiteres finden Sie auf unserer Website:
https://erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Sie sind begeistert davon, welche positiven Veränderungen mit der Gewaltfreien Kommunikation möglich werden und tragen nun die Vision im Herzen, die Methode als TrainerIn an andere weiterzugeben?

Gratis-Info-Webinar mit diesen Themen:

Weshalb sich die TrainerInnen-Ausbildung lohnt?

Welche Voraussetzungen sind nötig?

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Informationen zum Ablauf und zur Organisation.

Mittwoch, 28.12.2022 um 20.00 Uhr

Donnerstag, 29.12.2022 um 10.00 Uhr

Mittwoch, 04.01.2023 um 20.00 Uhr

https://www.edudip.market/w/399282

Podcast mit dem K-Training-Team

Möchten Sie das TrainerInnen-Team akustisch kennenlernen?

Dann klicken Sie sich in unseren Podcast:

Weitere Einblicke erhalten Sie ins TrainerInnen-Dasein bei unserer Podcast-Reihe für angehende TrainerInnen. Diesmal mit dem Impuls:

„Als TrainerIn in die Kraft kommen und dort bleiben – GfK-Trainings geben.“
https://www.youtube.com/watch?v=81rFvypAlY4

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza & Olaf Hartke

2 Gedanken zu “574 / 2022 Trainerdialog nach dem Verfassen eines Coachingbriefes

  1. Pingback: 576 / 2022 Friedensarbeit von Matt Lamb und Marshall Rosenberg – Coachingbriefe "Gewaltfrei leben"

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