Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser
immer wieder entdecken wir neue Dinge, die uns inspirieren und auch in der heutigen Zeit zuversichtlich bleiben lassen. Und immer wieder stoßen wir auch auf Beispiele, die uns bereits seit längerem „gute Gedanken“ geben.
In unserer YouTube-Liste „Was uns inspiriert…“ sind wir gestern auf einen Clip gestoßen, den wir schon oft gemeinsam und jeder von uns auch schon einzeln geschaut haben.
Vielleicht haben Sie auch Freude daran.
Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke
Thema: Was uns inspiriert – und Sie vielleicht auch
Zitat: „Ein Traum, den man allein träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man zusammen träumt, wird Wirklichkeit.” (Yoko Ono)
Beispiel: Der australische Event-Künstler Peter Sharp gründete die Organisation „The Liberators International“ – die Gruppe der „internationalen Befreier“. Er und etwa 25 weitere Menschen beschäftigten sich in den Jahren 2013-2015 damit, in öffentlichen Aktionen die Aufmerksamkeit eines zufällig anwesenden Publikums zu gewinnen und die Menschen zum Mitmachen anzuregen.
Die Projekte wurden dokumentiert, haben allein über den YouTube-Kanal Millionen von Menschen erreicht und die Aufnahmen werden vermutlich auch noch in der Zukunft das Potenzial haben, Menschen zum Lächeln zu bringen und sogar zu berühren.
Wir haben gestern diesen Clip wiederentdeckt und er hat uns belebt und „befröhlicht“:
(Achten Sie auf die Länder-Flaggen oben links.)
https://www.youtube.com/watch?v=Dt3oRA6hySY
Hier finden Sie weitere Clips (den zweiten möchten wir noch empfehlen) und mehr Infos über die Gruppe:
https://www.theliberators.org/social-experiments
Information: Der obige Clip endet mit dem Satz: „True Connection is our pathway to peace.“ (Wahre Verbindung ist unser Weg zum Frieden.)
Mit Menschen in Verbindung zu gehen und Menschen zu befähigen, mit anderen in Verbindung zu kommen, war auch ein großes Anliegen von Marshall Rosenberg. In Verbindung mit anderen zu sein, ist ein wesentliches und wichtiges Bedürfnis der Menschen.
Alfred Adler, der Begründer der Individualpsychologie, erkannte bereits in den 1920er Jahren: „Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht den Kontakt und den Austausch mit anderen Menschen.“
Heute habe ich (Olaf) noch mal in den Büchern von Adler gestöbert, die ich im Rahmen meiner individualpsychologischen Ausbildung damals (2005-2007) „durchgeackert“ habe, um das „Menschsein“ besser zu verstehen. Meins und das der anderen auch. 😊
Alfred Adlers Anliegen war es, die Entwicklung von Menschen zu unterstützen und Ihr Wohlbefinden zu fördern. Er erkannte im sozialen Interesse der Menschen und dem Wunsch nach Zugehörigkeit zentrale Motivatoren menschlichen Handelns. Dieses soziale Interesse äußert sich für ihn „im Streben nach Gemeinschaft, Zusammenarbeit und dem Beitrag zum Gemeinwohl.“
Adler betonte, dass Minderwertigkeitsgefühle (Auch kein Gefühl nach unserem Verständnis, sondern eher der Gedanke, die Annahme, die Bewertung oder die Überzeugung, man „sei minderwertig“.), die jeder Mensch in gewissem Maße erlebt, durch das Gefühl der Zugehörigkeit und die aktive Teilnahme an der Gemeinschaft kompensiert werden.
Indem man sich als Teil einer Gruppe fühlt und einen Beitrag leistet, erfährt man den eigenen Wert und kann Sicherheit erlangen. Adler sah die soziale Eingliederung als eine der drei grundlegenden Lebensaufgaben (neben Beruf und Partnerschaft), die der Mensch zu bewältigen hat.
Adler unterschied sich hierin von anderen Denkern seiner Zeit, die eher den Fokus auf individuelle Triebkräfte und Konflikte legten. Adler sah den Menschen als eingebettet in ein soziales Gefüge und betonte die Bedeutung von Gemeinschaft, Kooperation und gegenseitiger Unterstützung für die persönliche Entwicklung und das psychische Wohlbefinden.
Sie sehen (oder lesen) – Themen und Thesen, die wir nach dem Modell Gewaltfreie Kommunikation ähnlich sehen.
Gefreut habe ich mich beim Sichten über die vielen Haftnotizen und meine Randbemerkungen von vor 20 Jahren; heute sehe ich deutlich: Alfred Adler hat für mich den Weg zu Marshall Rosenberg und der Gewaltfreien Kommunikation bereitet. Ohne seine Gedanken und die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse in der damaligen Ausbildung wäre ich sicherlich nicht offen für die GFK gewesen.
Und natürlich ging diesem Weg auch ein Weg voraus und wenn ich schon mal dabei bin: Dr. Erik Müller-Schoppen, Gründer der „Stiftung für Erziehung, Bildung, Wissenschaft & Kultur“ machte mich in seiner Managementtrainer-Ausbildung auf Adler und dessen Gedanken aufmerksam.
Falls Sie befürchten, ich würde abschweifen: „Was uns inspiriert…“, ist das Thema und ich kann sagen, dass die Genannten (Rosenberg, Adler, Müller-Schoppen und viele andere) mich inspiriert haben und wenn ich an sie denke, erlebe ich auch heute noch Inspiration.
Eines meiner Themen vor 25 Jahren war das „Zugehörigkeitsgefühl“ (nach Alfred Adler); im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation ist es kein Gefühl, sondern „ein Erleben von Zugehörigkeit“, eine Annahme und ein Vertrauen, man gehöre dazu. Ich erlebte das in der Gruppe meiner engen Freunde und in anderen Gruppen hatte ich so meine Schwierigkeiten damit. Häufig dachte ich – und war überzeugt davon – ich würde nicht dazugehören und könne dies auch nicht. Ich hatte auch keine Ahnung was nötig ist, um dies zu ändern.
Dr. Dietmar Friedmann, der Begründer des Modells „Integrierte Lösungsorientierte Psychologie“, (in meiner persönlichen Entwicklung der Neunziger Jahre wiederum der Wegbereiter für Dr. Erik Müller-Schoppen 😊) beschrieb das im Gespräch mit mir einmal so:
„Wenn ich als junger Mann auf Gruppen von fremden Menschen zuging, dann hatte ich immer den Eindruck, ich käme nicht zu ihnen. Das kam mir so vor: Über den anderen steht eine schwere gläserne Glocke und ich stehe außerhalb. Ich stehe vor der dicken Glaswand, höre und sehe zwar alles, doch mich da draußen hört und sieht niemand. Ich presse beide Hände an das harte, kalte Glas, drücke mir die Nase platt und komme nicht hinein. Zu ihnen. Dorthin, wo das Leben stattfindet.“
Ich erkannte mich in seinem Bild nicht nur kognitiv wieder. Das ergriff mich förmlich im Herzen, meine Tränen flossen ungewollt und mir unerklärbar. Vor einer ganzen Gruppe von Kommilitonen, zu denen ich mich damals ebenfalls noch nicht zugehörig erlebte. Danach veränderte sich Vieles.
Was seit damals immer noch lebendig in mir ist: Eine schnelle Berührbarkeit, wenn es um die Gruppenthemen „Zugehörigkeit und Gemeinschaft“ geht. Meine persönlichen Grundmotive. Zwei Werte (in der GFK auch Bedürfnisse), die eine so große Bedeutung für mich haben, dass mein Leben an ihnen orientiert ist und sie mich anspornen, mich für sie einzusetzen.
Und nun schließt sich auch der weite Bogen zurück zu Peter Sharp und den „internationalen Befreiern“. Ihre weltweiten Aktionen sind für mich wunderbare Beispiele und festigen, wie viele andere Beispiele auch, meine Überzeugung, dass Menschen „aufleben“, wenn sie sich zugehörig und in Gemeinschaft erleben. Peter Sharp und seinem Team gelang es, das in ihren Aktionen sichtbar zu machen. Mit recht einfachen Mitteln wie beispielsweise gemeinsames Singen und Augenkontakt über ein gewohntes Zeitmaß hinaus.
Wenn Sie Zeit und Lust haben, dann… (Das wird das „Sofort-Üben“, merke ich gerade.)
Schauen Sie nochmal das Zug-Video an und achten Sie einmal weniger auf die Akteure, sondern mehr auf (1) die Menschen, die sich einladen lassen, auf (2) die Menschen, die sich zögerlich einladen lassen und auch auf (3) die Menschen, die gerade nicht eingeladen werden wollen.
Menschen, die mitmachen (1), zeigen ein Lächeln, wirken erfreut. Menschen (2), die einen Moment gebraucht haben, um mitmachen zu können, zeigen sichtbar Merkmale von Entspannung, wenn sie sich eingelassen haben, beginnen auch zu lächeln, werden „lebendig“.
Und mehr denn je bin ich überzeugt davon – die meisten Menschen weltweit „ticken“ so. Sind „einladbar“, können Verbindung aufnehmen, sich anschließen, mitmachen.
Mich inspirieren immer wieder die Menschen, denen es ganz unbewusst gelingt, einfach durch ihr „Sosein“ andere zum Mitmachen einladen zu können. Oder auch gelernt haben, dies zu tun.
Ich erinnere nochmal an den Satz aus unserer zweiten Clip-Empfehlung:
„True Connection is our pathway to peace.“ (Wahre Verbindung ist unser Weg zum Frieden.)
Wir glauben, die natürliche oder gelernte Fertigkeit, mit anderen in Verbindung zu kommen – auch jenseits von Grenzen und Kultur – ist etwas, das unsere Welt gerade sehr gebrauchen kann.
Denn es gibt noch die Menschen der Gruppe 3 in der Zug-Situation. Und hier spekuliere ich natürlich nur, bilde Annahmen – a) sie haben entweder gerade überhaupt keinen Bock auf Mitmachen oder Verbindung. Weil sie vielleicht eher Ruhe oder ein „Fürsichseinkönnen“ brauchen. Weil sich diese Bedürfnisse für Sie während der Fahrt nicht erfüllen, wirken sie nicht entspannt und nicht erfreut. Verständlich.
Oder b) – und das ist es, was mich in unserer Gesellschaft manchmal traurig stimmt – andere, die nicht entspannt oder freudig wirken, würden „eigentlich“ auch gern, doch sie trauen sich nicht mitzumachen. Sie springen nicht über ihren Schatten; etwas in ihren Gedanken oder Gefühlen hält sie davon ab.
Wir finden es immer wieder spannend herauszufinden, was Menschen brauchen, um sich als zugehörig und „in Gemeinschaft seiend“ zu erleben. Denn die trennende Glasscheibe gibt es ja nicht wirklich. Alte Erfahrungen, abgespeicherte Gefühlserlebnisse und Überzeugungen sind es, die für eine Trennung von unseren Mitmenschen sorgen.
Ein großer Motivator und auch Energiegeber in unserer täglichen Arbeit ist, dass man das im Gespräch herausfinden und verändern kann. Dass man lernen kann, auch vorsichtige Menschen zu Gemeinschaft und Verbindung einzuladen.
Interessiert Sie, wie man das lernen kann?
Wir geben gern Infos und beantworten Fragen.
Zu unserer GFK-Jahresgruppe „Wandeltage“ hier:
Wandeltage 2025 und 2026
(Warteliste für August 2025, neue Gruppe ab August 2026)
Zu unserer bewährten 25-tägigen „TrainerInnen-Ausbildung“ hier:
https://www.ktraining.org/seminar/trainerinnenausbildung/
Und zu unserem neuen 9-tägigen Trainings-Angebot „Verbale Raumpflege“ hier:
https://www.ktraining.org/seminar/verbale-raumpflege/
Und in einem Live-Webinar am 01.09.2025 beantworten wir weiterführende Fragen:
https://www.edudip.market/w/399282
Sofort-Üben: Siehe oben im Text. Im Clip auf die mitmachenden Menschen achten, statt auf die Akteure.
Wochenaufgabe: Prüfen Sie einmal im Alltag:
Wo und unter welchen Bedingungen erleben Sie sich zugehörig?
Was brauchen Sie, um auf andere zugehen zu können?
Was können andere für Sie tun, um Ihnen den Schritt leichter zu machen?
Wenn Sie den Eindruck haben, dass andere sich möglicherweise gerade nicht zugehörig erleben – was könnten diese Menschen brauchen?
Was können Sie anbieten, dass andere zu Ihrer Gruppe leichter Verbindung aufnehmen können?
Aktuelles
Wenn auch Sie Ihre Tage bewusst mit Gewaltfreier Kommunikation füllen wollen, so möchten wir Sie auf zwei ganz besondere Tage aufmerksam machen: Am 06.09.2025 und am 07.09.2025 finden wie jedes Jahr die GFK-Tage in Thüringen statt. Zwei Tage, an denen Sie verschiedenste Trainer*innen kennenlernen können und sich aus zahlreichen Workshopangebote Inspirationen für den Alltag holen können. Wir freuen uns auf diese Tage und sind wieder als Referenten mit dabei. Die Anmeldung ist hier möglich: www.eveeno.com/gfk-erfurt
Falls Sie in den letzten Coaching-Briefen noch nicht darauf aufmerksam geworden sind und auch Freude an dem Gedanken haben, zu einem kleinen Glücksmoment bei Menschen beizutragen, können Sie hier noch unser Geschenk abrufen: www.kleine-glücks-momente.de
Wenn auch Sie mehr wohltuende Töne und Klänge in Ihr Leben holen wollen, so machen wir Sie auf folgende Veranstaltung aufmerksam: Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Klang und Gesang. Die ersten Menschen stehen schon auf der Teilnehmenden-Liste. Zögern Sie nicht – es wird ein ganz besonderes Seminarerlebnis. (Und noch ein Hinweis für alle, die denken, dass Sie dann auch mitsingen müssen – nein. Man kann auch nur zuhören oder innerlich mitsummen. Jeder der will, kann beim Singen dabei sein und es gibt keinerlei „Müssen“.)
https://erfolgsschritte.jimdofree.com/f%C3%BCr-jeder-mensch/miteinander-mit-musik-gfk/
Online-Trainings 2025
08.09.2025 „Verbale Raumpfleger*Innen gesucht“
Beginn der kostenfreien 3-teiligen Onlinereihe
www.verbale-raumpflege.de
06.11.2025 Trainer(Innen)-Ausbildung online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
Präsenz-Seminare 2025
11.07.2025 „Wandeltage unendlich“ – Jahres-Treffen der Vorjahres-Gruppen (3 Tage)
29.08.2025 Start der „Wandeltage 2025“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
06.09.2026 Tage der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) 2025 in Erfurt (2 Tage)
12.09.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Herbst (1 Tag)
23.09.2025 Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Klang und Gesang (5 Tage)
12.10.2025 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
19.10.2025 Führungskräftetraining auf Basis GfK auf Baltrum (5 Tage)
12.12.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Jahresplanung 2026 (2 Tage)
09.01.2026 Start in das neue Jahr 2026 mit Gewaltfreier Kommunikation in Hünfeld (3 Tage)
17.02.2026 Start der Trainer*Innen-Ausbildung (4 Module, 22 Tage, Trainerteam)
24.02.2026 in Planung: „Gewaltfrei leben“ – Schneeschuhwanderung zur Hohganthütte
Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf der Website
https://erfolgsschritte.jimdofree.com/termine/
Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
www.verbale-raumpflege.de
© Copyright Anja Palitza & Olaf Hartke