215/2016 Gewohnheiten entwickeln oder doch lieber diszipliniert sein?

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir wünschen Ihnen ein frohes, neues Jahr; viel Glück, Gesundheit und Erfolg.

Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus dem Bergischen Land

Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Gewohnheiten entwickeln oder doch lieber diszipliniert sein?

Zitat: Heute eine Auswahl für Sie:

„Neujahrsvorsätze sind Startschüsse für Rennen, die sowieso nicht stattfinden.“ (Hansjörg Bahl)

„Gute Vorsätze sind der nutzlose Versuch, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen.“ (Oscar Wilde)

„Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

„Eiserne Disziplinen hinterlassen viel Schrott.“ (Martin Gerhard Reisenberg)

„In der Gewohnheit ruht das einzige Behagen des Menschen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 Beispiel: Brigitte nimmt sich für das kommende Jahr vor, mit sich selbst und anderen Menschen freundlicher umzugehen. Auf keinen Fall will sie mehr dieses ewige Gestreite und die Vorwürfe, die sie sich dann selbst macht. Und in der für sie einsamen Silvesternacht mit sich allein anstoßend beschließt sie, gleich am ersten Arbeitstag freundlicher zu ihren Kollegen zu sein.

Am ersten Tag im Büro: Die Kaffeemaschine ist um acht Uhr noch nicht angelaufen, auf dem Telefon sieht sie drei Anrufe und eine Kollegin erscheint mit einem Ordner in der Hand und sagt: „Kannst Du mich dabei unterstützen? Wir haben noch heute die Auftragsliste aus den letzten Tagen im Jahr aufzuarbeiten.“, da hört sie ihre eigene Stimme, die lauter ist, als sie es selbst für angemessen hält: „Ich bin gerade erst hier eingetroffen, siehst Du das denn nicht? Kannst Du mich nicht einmal in Ruhe ankommen lassen. Müsst ihr mich denn alle gleich mit Arbeit überfallen?“

Die Kollegin verlässt ohne einen Ton zu sagen den Raum. Die Tür fällt hörbar in Schloss. Brigitte sitzt da und denkt: „Ich bin ein Versager. Ich werde es niemals schaffen, freundlicher zu sein.“ Nach einer Weile: „Ich darf einfach nicht mehr so impulsiv sein. Wenn ich disziplinierter wäre, könnte ich einfach nur meine Klappe halten und ich hätte viel weniger Stress mit anderen.“ Müde und resigniert schaut Brigitte auf den dunklen Bildschirm auf ihrem Arbeitsplatz.

Nach einer Woche denkt sie nicht mehr an ihren Vorsatz.

Information: Vielleicht sind Ihnen ähnliche Vorsätze vertraut. Und immer wieder erleben Sie die gleichen oder ähnlichen Reaktionsmuster bei sich. Vielleicht sagen Sie sich auch: „Nun habe ich Gewaltfreie Kommunikation erlernt und noch immer kann ich sie nicht anwenden. Meine alten Gewohnheiten sind einfach zu stark. Immer wieder mache ich die gleichen Fehler.“

Was ist eine hilfreiche Voraussetzung, um etwas zu verändern und um zu lernen?

Sie kennen die vier Stufen des Lernens?

Stufe 1: Die unbewusste Inkompetenz

Auf dieser Stufe sind wir zufrieden. Wir wissen noch nicht, was wir nicht wissen. Wir spüren keinen Mangel.

Stufe 2: Die bewusste Inkompetenz

Wir erfahren, dass es auch anders geht. Wir erlangen Informationen und Kenntnisse darüber und merken gleichzeitig, dass wir dieses Wissen nicht umsetzen können. Wir haben noch keine ausreichenden Fähigkeiten dazu entwickelt. Wir machen „Fehler“, bzw. verhalten uns in der „Gewaltfrei-Übersetzung“ so: Wir zeigen Verhaltensweisen, die noch nicht unserem Zielverhalten entsprechen. Die meisten unserer Seminarteilnehmer beschreiben diese Phase als sehr unangenehm. Es entstehen Gedanken von Versagen und unzureichend sein. Gefühle von Frust, Enttäuschung, Resignation, Ärger oder auch nur Unzufriedenheit werden in diesem Zusammenhang oftmals benannt. Die Einstellung gegenüber „Fehlern“ offenbart sich darüber. Um im Lernprozess zu bleiben, ist es hilfreich diese Stufe zu durchlaufen. Wir haben an dieser Stelle die Wahl. Wollen wir das Neue weiter entwickeln und ausbauen oder belassen wir es in diesem Zustand.  Diese Entscheidung wird uns keiner abnehmen. Jedoch wird es auch kein Zurück zur ersten Stufe mit der „gemütlichen Unbewusstheit“ mehr geben.

Fatal wäre es, wenn wir in dieser zweiten Stufe mit bewertenden Gedanken über uns urteilen und damit permanent „negative“ Gefühle heraufbeschwören. Oder – in der „Gewaltfrei-Übersetzung“: Gefühle, die anzeigen, dass sich gerade bestimmte Bedürfnisse nicht erfüllen [Wachstum, entwicklung, Lernen, Veränderung…].

Auf Dauer entwickeln wir in der Folge dann vielleicht eine unbewusste Antihaltung gegen das Lernen und gegenüber Fehlern. Wenn es so etwas wie Fehler überhaupt gäbe…

Stufe 3: Die bewusste Kompetenz

Wir haben durch Übung, Training und Wiederholung eine Kompetenz erreicht. Wenn wir bewusst darauf achten, gelingt es. Wir brauchen Konzentration und manchmal ist es vielleicht auch anstrengend. Aber wenn wir wollen, dann klappt es auch.

Stufe 4: Die unbewusste Kompetenz

Das Verhalten ist zu einer Gewohnheit geworden. Wir denken kaum noch darüber nach. Das Verhalten braucht nur wenig bis gar keine Aufmerksamkeit mehr. Es geschieht wie von allein, ganz unwillkürlich.

Und was hat es nun mit dem Gedanken an Disziplin auf sich?

Welche Gefühle verbinden Sie mit dem Wort Disziplin? Wenn wir unsere Teilnehmer befragen, dann ist dieses Wort ähnlich wie das Wort Fehler mit unangenehmen Assoziationen und Gefühlen belegt. Fehler will man nicht machen. Fehler macht man eh schon häufig genug. Wenn wir jedoch an Disziplin denken, dann sind wir oft der Meinung, dass wir davon zu wenig haben. Wir empfinden einen Mangel oder haben gar ein schlechtes Gewissen. Oder es erscheint uns schwierig und anstrengend, sie aufzubringen.

Dan Sullivan meint dazu, dass jeder Mensch zu 100% diszipliniert ist. Es geht nicht um Selbstdisziplin. „Was dich weiter bringt sind deine Gewohnheiten.“, sagt er.

Und mit Jörg Weisners Worten, der in diesem Bezug von einer kulturellen Hypnose spricht: „…lösen Sie sich aus Ihrer Hypnose, wachen Sie auf. Stehen Sie zu Ihren Fehlern und lernen Sie daraus, so schnell wie möglich. Bis Sie die Stufe der bewussten Kompetenz erreicht haben. Und vergessen Sie die Disziplin, konzentrieren Sie sich auf Gewohnheiten. Denn in Bezug auf Ihre Gewohnheiten sind Sie bereits ein Meister. Schließlich haben Sie es geschafft, dass die allermeisten Ihnen so ins Fleisch und Blut übergegangen sind, dass Sie sie schon gar nicht mehr wahrnehmen.“

Zum „Sofort-Üben“: Welche Gewohnheiten möchte Brigitte weiter entwickeln und für welche möglichen Bedürfnisse damit sorgen? (Unsere Gedanken dazu finden Sie am Ende.)

Wochenaufgabe: Überprüfen Sie einmal ein paar von Ihren Gewohnheiten. Welche Gewohnheiten haben Sie etabliert und zu welchen Bedürfnissen tragen diese bei? Und auf welche erfolgreichen Gewohnheiten wollen Sie sich im Jahr 2016 weiterhin konzentrieren? Und gibt es Gewohnheiten, die Sie ausbauen oder neu entwickeln wollen? Zu welchen Bedürfnissen, würden diese Gewohnheiten beitragen? Wie würde sich eine Bedürfniserfüllung anfühlen? Lohnt es sich?

Und noch ein Rätsel:

„Wer bin ich? Ich bin Dein ständiger Begleiter. Ich bin Deine größte Hilfe oder Deine schwerste Last. Ich schiebe Dich vorwärts oder ziehe Dich nach unten. Ich unterwerfe mich vollständig Deinem Kommando. Die Hälfte der Dinge, die Du tust, kannst Du gern mir überlassen und ich werde sie schnell und gewissenhaft erledigen. Ich bin einfach zu managen; Du musst mir gegenüber nur sicher auftreten. Zeig mir genau, wie du etwas getan haben möchtest, und nach ein paar Lektionen werde ich es automatisch tun. Ich bin ein Diener aller großen Menschen und gleichzeitig aller Versager. Diejenigen, die hervorragend sind, habe ich hervorragend gemacht. Diejenigen, die Versager sind, habe ich zu Versagern gemacht. Ich bin keine Maschine, obwohl ich mit der Präzision einer Maschine arbeite, plus der Intelligenz eines Menschen. Du kannst mich einsetzen für den Gewinn oder für den Ruin. Das macht für mich keinen Unterschied. Nimm mich, trainiere mich, sei bestimmt mit mir und ich werden mich zu Deinen Füßen legen. Sei nachlässig mit mir und ich werde Dich zerstören. Wer ich bin? Ich bin… (sh. unten)

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: Brigitte würde gern gelassener in Situationen mit verschiedensten an sie gestellten Anforderungen reagieren. Sie möchte gern anerkennen, was Menschen bewegt und sich selber darin einschließen können. Ihre möglichen Bedürfnisse sind der Wunsch nach Verbundenheit, Harmonie, inneren Frieden mit sich aber auch Frieden mit anderen. Entspanntheit, Gelassenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit. Sie möchte vielleicht auch die Schönheit um sich herum erkennen, Freude und Dankbarkeit verspüren.

Des Rätsels Lösung: „Wer ich bin? Ich bin Deine Gewohnheit.“

Ein Gedanke zu “215/2016 Gewohnheiten entwickeln oder doch lieber diszipliniert sein?

  1. Pingback: Nr. 372/2018 Neujahrsvorsätze – Alle Jahre wieder… – Coachingbriefe "Gewaltfrei leben"

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