220/2016 Abhängigkeit von Wertschätzung als Strategie

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

manchmal kommt es ja vor, dass wir es zum Wochenbeginn  nicht schaffen, einen Coachingbrief zu versenden. Unser lieber Freund Gerhard sendet dann inzwischen sehr verlässlich am Mittwoch oder Donnerstag einen Vorschlag, den wir jedes Mal gern nutzen und an Sie weitergeben. Diese Ausgabe ist ebenfalls ein Ergebnis seiner Unterstützung.
Herzliche Grüße aus Karlsruhe, Jena und Hamburg
Dr. Gerhard Lorenz, Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Abhängigkeit von Wertschätzung als Strategie

Zitat: „Drücke Wertschätzung aus, weil Du etwas feiern, und nicht, weil Du manipulieren willst.“ (Marshall B. Rosenberg)

„Konventionelle Komplimente sind häufig Urteile über andere – wenn auch positive. Sie werden manchmal genutzt, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen. Die Gewaltfreie Kommunikation nutzt das Ausdrücken von Wertschätzung ausschließlich zum gemeinsamen Feiern.“ (Marshall B. Rosenberg)

Beispiel: Angela beschwert sich zum wiederholten Male bei ihrer Freundin Silke: „Immer meckert mein Chef, wenn mir mal ein kleiner Fehler durchgerutscht ist. Aber für die vielen Male, bei denen ich Besonderes geleistet habe, wie Zusatzaufgaben und Überstunden, kommt nichts, kein anerkennendes Wort, keine Wertschätzung. Wie ich das hasse!“

Information: In der Gewaltfreien Kommunikation verstehen viele „Wertschätzung“ als Bedürfnis(wort) – und „Wertschätzung“ ist auf vielen Bedürfnis(wort)listen enthalten.

Ob in einer konkreten Situation Wertschätzung als Bedürfnis gemeint ist, kann man daran überprüfen, ob folgende Kriterien (für Bedürfnis-Formulierungen) erfüllt sind:

  • allgemein (also nicht Wertschätzung von bestimmten Personen)
  • abstrakt (also nicht konkrete Inhalte bzw. konkrete Situationen)
  • positiv formuliert

In der oben beschriebenen Gesprächssituation zwischen Angela und Silke ist „Wertschätzung“ nach GFK-Kriterien eine Strategie, weil der Wunsch hier an eine konkrete Person (Chef) gerichtet ist. Zum Bedürfnis, das gerade hungrig ist, (wenn ich mir Wertschätzung wünsche) kann ich kommen, wenn ich mich frage, was sich für mich durch die „Wertschätzung des Chefs“ erfüllen würde. Das könnten beispielsweise sein: Vertrauen, Sicherheit, Respekt (Identität), Geborgenheit, Glück, Harmonie, Gemeinschaft, Friede.

Im Zusammenhang mit Wertschätzung kann leicht folgendes Dilemma entstehen: Wenn ich auf Wertschätzung oder Lob hoffe bzw. es von jemanden bestimmtes erwarte, kann ich leicht enttäuscht werden – durch Frustration, weil die erwartete „Belohnung“ nicht eintritt. Das ist die Kehrseite einer Wertschätzungskultur im Sinne von „sich einander viel Wertschätzung geben“ (als Strategie). Selbst, wenn ich dann „Wertschätzung“ bekomme, kann es nicht verstärkend wirken, wenn es erwartet wurde, es kann dann nur verhindern, dass die Frustration bei Nicht-Belohnung eintritt.

Der in der Gewaltfreien Kommunikation geübte Ausdruck von Wertschätzung (als Strategie) dadurch, dass ich dem anderen mitteile, wie es mir mit dem, was er getan hat, geht und welche meiner Bedürfnisse sich damit erfüllt haben, könnte ein Weg aus diesem Dilemma sein.

Zum „Sofort-Üben“: Überlegen Sie, welche Bedürfnisse im obigen Beispiel bei Angela betroffen sein könnten. (Unser Vorschlag steht am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Achten Sie in den kommenden Tagen bei sich darauf, wenn Sie Wertschätzung, Anerkennung, Lob o. Ä. erhalten haben, wie lang oder kurz anhaltend das damit verbundene (hoffentlich) angenehme Gefühl ist.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Dr. Gerhard Lorenz, Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: Vielleicht geht es Angela darum, sich sicher zu sein, dass ihre Kompetenz und ihr Engagement gesehen wird. Oder sie möchte selber darauf vertrauen können, dass sie den Aufgaben in ihrem Job gewachsen ist. Sie ist sich manchmal selber nicht sicher und sucht nach Bestätigung von außen dafür. Diese Rückmeldungen würden sie darin unterstützen, dass sie innerlich gelassener wird und sich entspannter neuen Herausforderungen stellen kann. Das Bedürfnis könnte dann Vertrauen, Gelassenheit oder Zuversicht sein.

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