184/2015 Unter Bikern

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

hier ist der Coachingbrief für die kommende Woche.

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Unter Bikern

Zitat: „Four wheels move the body. Two wheels move the soul.“
(Vier Räder bewegen den Körper. Zwei Räder bewegen die Seele.)
Ehemalige Werbung für Norton Motorräder

Und neben dem obigen Zitat, dessen Auswahl wohl eher meiner Frühjahres-Begeisterung für das Motorradfahren entspringt, noch ein „themen-näheres“ Zitat:

„Wenn wir die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen hören, dann erkennen wir die Menschlichkeit, die wir gemeinsam haben.“ (Marshall B. Rosenberg)

Beispiel: Einen Besuch des Fischereihafen-Rennens in Bremerhaven habe ich Pfingsten mit dem Besuch eines 3-tägigen Motorradtreffens in Nordenham verbunden. Nachdem ich etwa 20 Jahre lang kein Treffen mehr besucht habe, war ich sehr gespannt, ob sich die Atmosphäre in dieser Zeitspanne spürbar verändert hat. Eine Sache fiel mir nach den Tagen in Nordenham besonders auf: Auf dem Treffen bin ich nicht ein einziges Mal gefragt worden, was ich beruflich mache. Für mich waren das drei Tage, an denen meine beruflichen Themen gedanklich tatsächlich wieder einmal ganz weit weg geparkt blieben. Das bedeutete ganz viel Entspannung und Leichtigkeit. Beides habe ich im beruflichen Kontext auch häufig, doch in den letzten Monaten nicht häufig genug – das ist mir wieder klar geworden.

Und mich erinnert dieses Thema gerade an ein Lied von Peter Alexander aus meinen Kindheitstagen. Hier einige Textauszüge: Die kleine Kneipe in unserer Straße, da, wo das Leben noch lebenswert ist, dort, in der Kneipe in unserer Straße – da fragt Dich keiner, was Du hast oder bist… Das Stimmengewirr, die Musik aus der Jukebox – all das ist ein Stückchen daheim. Du wirfst eine Mark in den Münzautomat… stehst mit dem Pils in der Hand an der Theke, und bist gleich mit jedem per Du… Man redet sich heiß und spricht sich von der Seele, was einem die Laune vergällt… die kleine Kneipe in unserer Straße, da, wo das Leben noch lebenswert ist – da fragt Dich keiner, was Du hast oder bist.

Smalltalk-Gespräche landen häufig bei den Themen Beruf, Finanzen und Wohnort. Je nach der Art, wie gefragt wird, kommt es mir manchmal vor, wie ein „Abklopfen“; wie ein „Klären der sozialen und gesellschaftlichen Hierarchie“. Nach solchen Gesprächen sehe ich mich manchmal in einem Dilemma und frage mich: „Kann das, was ich von mir preisgegeben habe, als arrogant oder überheblich angesehen werden?“; „Denkt er von mir, dass ich denke, ich sei etwas Besseres?“ Oder in die andere Richtung gehend; manchmal mit Wolfsohren innen: „Olaf, da hast Du Dein Licht wieder viel zu viel unter den Scheffel gestellt.“

Information: Menschliche Gleichwertigkeit (im Sinne von „niemand ist als Mensch mehr wert als ein anderer“) und Akzeptanz (unserer Persönlichkeit, Ansichten und Handlungen) sind Bedürfnisse, die aus dem Gleichgewicht geraten können, wenn beispielsweise im Gespräch die „Sozialdaten“ abgefragt werden. Alfred Adler, der Begründer der Individualpsychologie, sah in der „sozialen Gleichwertigkeit“ eine wichtige Komponente für das Erleben des „Gemeinschaftsgefühls“. Der Gehirnwissenschaftler Prof. Gerald Hüther erklärt: „Menschen haben Bedürfnisse, die man auf zwei grundlegende Bedürfnisse reduzieren kann: Geborgen sein und über sich selbst hinauswachsen.“

Insofern erfüllt das „Nichtvorkommen“ der Themen Beruf, Karriere, Einkommen, Wohnort im Gespräch mit Fremden wohl für viele Menschen ein Bedürfnis danach, sich unter anderen Menschen sicher und geborgen zu fühlen.

Zum „Sofort-Üben“: Wie geht es Ihnen; welche Bedürfnisse erfüllen sich für Sie, wenn Sie an einen Ort denken, an dem niemand fragt „was Du hast oder was Du bist“? Eine Lösung zu obigem Dilemma ist für mich, diese Fragen auf der Metaebene zu einem die Beziehung vertiefenden Gesprächsthema zu machen. Wie könnte das gehen?
(Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Versuchen Sie diese Woche einmal, Gespräche über „Dinge und Umstände“ zu verändern in Gespräche über Gefühle und Bedürfnisse.

Aktuelles: Einführungstag in Jena am Samstag, den 04. Juli 2015
http://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m08_einfuehrungstag.php

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unser Vorschlag:

„Wenn in Gesprächen die Themen Beruf, Einkommen oder Karriere angesprochen werden, erlebe ich mich häufig unsicher in Bezug auf die Antworten, die ich geben möchte. Weder möchte ich „besser“ erscheinen als mein Gesprächspartner, noch möchte ich verbergen, was ich tue. Ich bin dann manchmal ratlos und frage mich, welche Auswirkungen es hat, wenn ich dieses oder jenes erzähle. (Beobachtung und gleichzeitig Gefühl)

Mir ist wichtig, dass Menschen nicht an Ihren Ergebnissen und Lebensumständen gemessen und eingeschätzt werden, sondern das gesehen wird, was den Menschen gerade bewegt und was ihm wichtig ist – was in ihm gerade lebendig ist. (Bedürfnis)

Darüber würde ich lieber sprechen. Wie ist das für Sie; interessiert Sie das auch?“ (Bitte)

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