466/2020 Sozialer Wandel findet statt (VIII) Psychiatrie

Liebe Leserin und lieber Leser

wir haben uns erneut mit dem Thema „sozialer Wandel“ auseinandergesetzt. Für diese Ausgabe mit dem Bereich psychiatrischer Erkrankungen und den Umgang damit.

Nach einem intensiven Austausch mit unserer Trainer-Kollegin Lorna Ritchie wollen wir Sie an zwei Beispielen teilhaben lassen – obwohl es viele weitere mehr gibt.

Herzliche Grüße, diese Woche aus Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Sozialer Wandel findet statt (VIII) Psychiatrie

Zitat: „Man kann immer seinen Standpunkt ändern, weil dir niemand verbieten kann, klüger zu werden.“ (Konrad Adenauer)

„Ein Neurotiker ist ein Mensch, der ein Luftschloss baut. Ein Psychotiker ist der Mensch, der darin lebt. Und ein Psychiater ist der, der die Miete kassiert.“ (Autor unbekannt)

Information: Rund eine Milliarde Menschen ist laut WHO von psychischen Beeinträchtigungen mit unterschiedlichsten Symptomen betroffen. Darunter findet sich ein Symptom, das noch relativ unbekannt ist: Das Hören von Stimmen. Laut Studien hören ca. 3-10 Prozent dieser Menschen regelmäßig Stimmen, die andere nicht hören. Ein Symptom, was enorm belastend sein kann, das Leben sehr stark einschränkt und in vielen Fällen auch in soziale Isolation führt.

Lange Zeit wurde dieses Symptom nur medikamentös behandelt. Doch die Erfolge waren gering. Denn Menschen die Stimmen hören, wollen gehört werden. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt Ivan Barry diese Menschen. Als Patientenvertreter war er in Krankenhäusern, Gemeinden und sogar Gefängnissen unterwegs- Er stellte Fragen, gründete Selbsthilfegruppen und recherchierte umfangreich über berühmte historische „Stimmen-Hörer“, die unsere Welt prägten.

Er besucht auch Konferenzen zur psychischen Gesundheit und hält dort Vorträge. In Island hat er dazu beigetragen, dass der medizinische Ansatz durch Gespräche und Zuhören erweitert wurde. Das empathische Gespräch als eine Form der Unterstützung von Stimmenhörenden spielt eine entscheidende Rolle für diese Menschen in ihrem Umgang mit dem Symptom.

Wer mehr dazu wissen will und wie sich Gewaltfreie Kommunikation in der Arbeit von Ivan Barry wiederfindet kann in einem Artikel der Empathischen Zeit nachlesen.

Lorna Ritchie im Gespräch mit Ivan Barry:

Wer mehr zu Ivan und seiner Arbeit erfahren mag, kann auch direkt auf seiner Website schauen:

https://visionsandvoices.weebly.com/research.html

Lorna Richie – inspiriert von dem Kontakt zu Ivan Barry – hat sich näher mit dem Phänomen Stimmen hören beschäftigt und konnte im Oktober 2016 auf dem 8. Weltkongress für Stimmen hören in Paris die Gewaltfreie Kommunikation präsentieren. Sie war begeistert von der dortigen Idee des Wandels des Blickes auf psychische Erkrankungen: Abwenden vom Denken in der Wertigkeit von Krankheit, hinwenden zu einem Denken, dass das Verstehen der betroffenen Menschen in den Vordergrund stellt. Sie schreibt dazu:

„Viele engagierte „Professionelle“ und Klienten streben gemeinsam als Pioniere nach einem neuen Umgang mit psychischer Krankheit: Inspiration, Erkenntnisse, Austausch, Netzwerken – „Making History“, yes, indeed! Eine Ehre war’s.“

Eine psychiatrische Klinik komplett ohne Medikamente. Kann es so etwas geben?

In Norwegen, noch über 500 Kilometer nördlich des arktischen Polarkreises im kleinen Städtchen in Tromsö, befindet sich ein psychiatrisches Krankenhaus, dessen Stationseingang ein Schild mit dieser Aufschrift ziert: „Behandlung ohne Medikamente“.

Der Titel medikamentenfreie Behandlung erfasst jedoch noch nicht genau die Art der stattdessen dort angebotenen Behandlung. Das Krankenhaus dort unterhält eine Station für psychiatrische Patienten, die keine Psychopharmaka einnehmen möchten oder Hilfe bei der Reduzierung solcher Medikamente benötigen. Das maßgebliche Prinzip auf dieser Station ist, dass die Patienten das Recht haben, ihre Behandlung zu wählen und dass die Versorgung der Patienten nach dieser Wahl organisiert wird.

Eine Initiative, die das norwegische Gesundheitsministerium in vier regionalen Gesundheits-zentren angeregt hat. Statt der Wirkung von Psychopharmaka setzt man dort auf die „Dialogarbeit“. Mit der Arbeit in dieser Klinik wird ein grundlegender Perspektivwechsel geschaffen: Die Patienten werden in ihren Wünschen ernst genommen und gehört, indem sie den Behandlungsplan entscheidend mitbestimmen.

Für uns ist dies ein bedeutsamer Weg zu mehr Würde und Selbstbestimmung. Psychisch kranke Menschen bekommen ihre Stimme zurück, stehen im Mittelpunkt der Behandlung und werden unterstützt, die Verantwortung für ihr Leben selbst zu übernehmen. Die Haltung dem Menschen gegenüber entspricht aus unserer Sicht der Haltung, die wir aus der Gewaltfreien Kommunikation kennen.

Ein Mitarbeiter der Station, Stian Omar Kistrand, mit eigener psychiatrischer Geschichte schreibt dazu: „Die Leute, die hierher kommen, wollen keine Medikamente. Dies ist ihr tiefster Wunsch. Wir sagen: „Du kannst zu uns kommen, wir wollen dich so wie du bist, komm zu uns mit deinen Wahnvorstellungen, deiner Krankheit, deinen Gedanken und Gefühlen und deiner Geschichte – alles ist gut.“ Wir können sie so treffen, wie sie sind. Wenn Menschen das erleben, passiert etwas Wesentliches. Es nimmt das Misstrauen und die Angst weg und sagt zu der Person, das ist okay. Und dann kann die Person anfangen zu wachsen. Das ist das Wichtigste.“

Die Zimmer auf der Station sind mit einem Einzelbett und einem Schreibtisch ausgestattet. Die Mahlzeiten werden in einem großen Gemeinschaftsraum serviert, in dem sich die Leute oft unterhalten. Die Fenster rahmen eine beruhigende Landschaft aus Meer und schneebedeckten Bergen im Westen ein. Die therapeutischen Programme sorgen für einen Tag mit reflektierenden Therapiesitzungen, täglichen Spaziergängen und Bewegung in einer Turnhalle. Während diese „Therapie“ stattfindet, schreiben die Patienten ihre eigenen Berichte darüber auf, wie sie verlaufen ist. Diese Berichte werden Teil ihrer Gesundheitsakten.

Dora Schmidt Stendal, eine Psychiaterin und Kunsttherapeutin schreibt dazu: „Dies gibt uns einen viel besseren Einblick in die Perspektive des Patienten. Normalerweise (in früheren Einstellungen) schrieb ich einen Bericht über ein Gespräch, und ich hatte gedacht, dass ich die Stimme meiner Patienten trage, aber die Stimme der Patienten zu ihren eigenen Bedingungen ist so unterschiedlich. Wir müssen ihrer Welt Respekt zollen, wenn sie die Möglichkeit bekommen, sich frei auszudrücken. Diese Dokumentation macht uns ihre Perspektiven bewusster.“

Die Patienten haben auch Einblick in das, was die Therapeuten schreiben. Stendal schreibt weiter: „Sie müssen sehr sorgfältig darüber nachdenken, was Sie schreiben. Die Patienten sind möglicherweise nicht einverstanden, und dann können Sie ein Gespräch darüber führen. Ihre Meinung ist wichtig. Sie werden ernst genommen.“

Wer den gesamten Artikel lesen möchte kann sich hier näher informieren: https://www.madinamerica.com/2017/03/the-door-to-a-revolution-in-psychiatry-cracks-open/

In der Dialog-Methode geht es ganz stark um die Bedürfnisse der zu behandelnden Menschen. Wer mehr zur Dialog-Methode erfahren möchte, kann hier schauen:

Aktuelles
Wir hoffen, dass es 2021 trotz Corona Trainings und Seminare geben wird. Wir haben jedenfalls in den vergangenen Wochen Vieles geplant und vororganisiert und eine ganze Reihe interessanter Seminare und Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Wir laden Sie herzlich ein, unter den noch unbekannten, aber vermutlich gut umsetzbaren Regeln des Jahres 2021 mit uns Gewaltfreie Kommunikation zu lernen oder zu vertiefen.

Folgende Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website:

Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Wandeltage 2021
Fünf Teilnehmer haben sich bereits vor dem Werbe-Start für unsere Jahresausbildung angemeldet. Gesellen Sie sich dazu und machen Sie das Jahr 2021 zu Ihrem Wandeljahr.

Start ist am 19. März 2021 im Kloster Drübeck.

Vertiefungsseminar
Wir haben ein neues Vertiefungsseminar entwickelt. Es geht darum, die vier Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation mehr zu verinnerlichen und bewusster in den Alltag zu integrieren.

30./31.01.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation (II) in Arnsberg – 2 Tage

Wie gewohnt in 12-jähriger Tradition auf der Hohgant-Hütte
Das Leben lieben lernen – Gewaltfrei leben

Die Schneeschuhwanderung für Einzelpersonen und Paare mit allgemeinen Lebens-Themen im GFK-Seminar.

26.02.-02.03.2021 auf der Hohganthütte bei Interlaken im Naturpark Berner Oberland

Partnerschaft neu entdecken
Kennen Sie diese Herausforderungen in der Partnerschaft?

  • Das „Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühl“ geht innerhalb von 6-12 Monaten nach dem ersten „Verliebtsein“ verloren.
  • Die Partner entwickeln während ihrer Beziehung unterschiedliche Interessen und stellen die Weichen für veränderte Lebenswege.
  • Berufliche Veränderungen, eigene Kinder und möglicherweise noch Wohneigentum sorgen für neue Herausforderungen.
  • Zärtlichkeit und Sexualität bekommen für den Partner eine andere Bedeutung und einer von beiden „kommt zu kurz“.
  • Konflikte lassen sich nur noch schwer oder gar nicht mehr klären und belasten die Partnerschaft dauerhaft.
  • Im Spannungsfeld zwischen den Konfliktthemen und den veränderten persönlichen Interessen gelingt die Kommunikation nicht mehr wie früher und die Gespräche werden kürzer und schwieriger.

Vom 03.-07.03.2021 exklusiv für Paare – Die Schneeschuhwanderung mit Paar-Themen im GFK-Seminar.

Weitere Seminare
16.02.2021 Start der Trainerausbildung bei K-Training mit uns und 3 anderen Trainern

11.04.2021 Bildungsurlaub GfK und Führung auf der Nordseeinsel Baltrum                   5 Tage

24.10.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK auf der Nordseeinsel Spiekeroog              5 Tage

17.07.2021 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                       2 Tage

09.10.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                        2 Tage

14.11.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK am Jadebusen bei Wilhelmshaven         5 Tage

In 2021 feiern wir 11-jähriges Bestehen unserer Trainer-Zusammenarbeit. Diesen Tag wollen wir nicht im stillen Kämmerlein verbringen. Wir träumen mal… Ein großes Coachingbrief-LeserInnen-Treffen. Wenn nur 1-2% von Ihnen dabei wären – dann wären wir mit etwa 20-40  Personen zusammen. Eine weitere alte Idee will umgesetzt werden: Die Helfensteine. Ein magischer Ort, nicht nur für uns. Und geographisch ziemlich zentral in Deutschland. Wann und wie genau ist noch in der Planung – lassen Sie sich überraschen.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
on: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

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