404/2019 – 50 Jahre Woodstock

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

am vergangenen Wochenende hatte – so ziemlich auf den Tag genau – das legendäre Woodstock-Festival von 1969 sein 50-jähriges Jubiläum.

Einige der damaligen Bands und Interpreten zieren bis heute mein (Olaf) Schallplattenregal und ich höre die knisternden Zeitzeugen vergangener Technik immer wieder mal gern an. Insofern war klar, dass ich hin wollte, als ich las, dass der musikbegeisterte Ralph Steinmeyer in Naumburg ein dreitägiges Revival mit 18 Bands organisierte.

Am Samstag konnten Anja und ich also in Rock-Rhythmen der Sechziger und Siebziger Jahre schwelgen und beseelt von der Musik haben wir am Abend noch die im Juni erschienene Dokumentation „Woodstock – Drei Tage, die eine Generation prägten“ geschaut.

ARD Mediathek: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL25kci5kZS9lNzU2Zjg0MS1lY2FiLTQzMTUtODZhMC1jYjA3YmRjNzg1NGU/woodstock

Der Film hat uns auch am Sonntag noch lange beschäftigt.

Herzliche Grüße, heute von uns beiden aus Jena

Anja Palitza & Olaf Hartke

PS: Für einen kurzen Eindruck vom Festival und vom obigen Film hier der Trailer zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=WEaMka89dM4 
(Leider keine deutsche Version gefunden.)

 

Thema: 50 Jahre Woodstock-Festival

Zitat: „Make love, not war.”  [Mach Liebe, nicht Krieg.]
(Slogan der Hippie-Bewegung Ende der Sechziger Jahre)

Beispiel: Eine umfangreiche Berichterstattung in den Medien und Jubiläums-Veranstaltungen weltweit zeigen: Das Interesse an Woodstock ist auch nach 50 Jahren noch riesig.

Woran liegt es, dass das Festival über inzwischen 5 Jahrzehnte Menschen fasziniert?

Information: Vermutlich lassen sich eine Menge Gründe finden, weshalb Woodstock immer noch auf so viele Menschen eine solch hohe Faszination ausübt. Für uns sind es diese:

  • Das Woodstock-Festival war wie ein Ventil für das damalige Identifikationsbedürfnis vieler junger Menschen. In einer Welt ohne Internet und Mobiltelefonie fanden sie zusammen und teilten ähnliche Gedanken und Wünsche. Sie wollten Frieden und suchten andere Formen des Zusammenlebens; hatten Sehnsucht nach Austausch und einer anderen Art von Gemeinschaft und Lebenssinn.
  • Gemeinsame Songs. Liedtexte, die zum Ausdruck brachten, was man fühlte und brauchte. Liedtexte, die auch heute noch die Sehnsucht vieler Menschen berühren und dies vermutlich auch weiterhin tun werden, denn menschliche Bedürfnisse unterliegen keiner Mode.
  • Die Festival-Besucher zeigten mit ihrem Verhalten, dass Menschenmassen ohne Gewalt auf engen Raum und unter sehr eingeschränkten Bedingungen über Tage friedlich zusammenleben können.
  • Wir sind auch beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Veranstalter und ihrem Einsatz, das Festival stattfinden zu lassen. Das Team begann im Mai 1969 mit Vorbereitungen und dem Aufbau auf einem Gelände in Wallkill, 70 Kilometer von Woodstock entfernt. Vier Wochen vor dem Termin wurde ihnen rückwirkend die Erlaubnis entzogen und es musste ein neues Gelände gefunden und der Aufbau erneut begonnen werden. 400 Arbeiter versuchten in verbleibenden knapp drei Wochen das Unmögliche möglich zu machen und eine Infrastruktur für ein Konzertwochenende mit geplanten 200.000 Besuchern aufzubauen. 1969 war das ein Massenereignis, mit dem man in der Veranstaltungsbranche keinerlei Erfahrungen hatte.
  • Ein in der Region großer Milchbauer vermietete damals seine Weideflächen an die Konzertveranstalter. In einer Zeit, in der die konservative US-Bürgerschaft wenig Verständnis für die Hippie-Bewegung aufbrachte, stellte er sich damit gegen sein soziales Umfeld und es gab sogar Aufrufe, seine Produkte nicht mehr zu kaufen. Er sagte, ihm sei wichtig, dass junge Leute, die eine Idee verfolgen, nicht wegen ihres Aussehens abgewiesen werden sollten. Später stellte er den Menschen, die sein Anwesen umlagerten wie eine gestrandete Armee, kostenlos Wasser, Milch, Brot, Käse und Butter zur Verfügung. Und dann steht er plötzlich vor der Menge und sagt: „Ich bin ein einfacher Farmer. Ihr jungen Leute habt der Welt etwas bewiesen, eine halbe Million Kids können zusammen friedlich drei Tage Spaß und Musik genießen, und zwar nur Spaß und Musik. Gott segne euch dafür.“
  • Viele weitere beteiligte Menschen und Gruppen zeigten eine hohe Unterstützungsbereitschaft, damit das Festival stattfinden und zum Abschluss gebracht werden konnte. Es kamen über 400.000 Menschen – mehr als doppelt so viele wie geplant – und am Samstag waren die Lebensmittelvorräte aufgebraucht. Viele Dorfbewohner spendeten ihre privaten Vorräte, die mit einem Hubschrauber zum Gelände geflogen wurden – die Straßen in der Umgebung von etwa 20 Kilometern waren mit parkenden Autos und pilgernden Menschen verstopft.
  • Die Veranstaltung war kommerziell ausgelegt und man hatte Gewinnerzielungsabsichten. Mit dem Eintreffen der Menschenmassen bereits Tage vor dem Wochenende wurde klar, dass man keine Tickethäuschen und keine Zäune mehr aufstellen konnte. Täglich trafen Zehntausende von Menschen ein und ließen sich auf der Festival-Wiese nieder. Am Freitagvormittag verkündeten die Veranstalter, dass es ab nun eine „Gratis-Veranstaltung“ sei. Einer der Ausrichter sagte später: „Wir haben die Fakten anerkannt. Es heißt immer, wir hätten die Tore zum Festivalgelände geöffnet. Aber da waren keine Tore. Am Freitagmorgen saßen 150.000 Leute auf dem Gelände und die Tickethäuschen waren noch gar nicht aufgestellt.“
    Aus unserer Sicht kann man sich in dem Moment gegen die Menschen stellen und versuchen, sein Recht durchzusetzen oder man kann mit den Menschen und dem Fluss der Dinge mitgehen. Mit dem Wunsch, dass das Festival stattfinden kann, dass es so wenig Aufruhr und Verletzte wie möglich gibt, dass die Menschen versorgt bleiben und es friedlich bleibt, richtete man sich an den Bedürfnissen der Beteiligten Menschen aus. (sh. auch unser heutiges „Sofort-Üben“)
  • Und dies begeistert uns nicht nur, es berührt uns sogar: Die damals recht populäre Hippie-Kommune „Hog-Farm“ wurde als Sicherheitsdienst engagiert, weil die Kommunarden bekannt waren für ihren beruhigenden und gelassen machenden Einfluss auf andere Menschen. Während heute unifomierte und bewaffnete Sicherheitsbeamte „kraftvoll“ für Sicherheit sorgen sollen und regelmäßig gewaltvollen Widerstand damit auslösen, ging das in Woodstock anders: Mehreren Berichterstattern fiel damals auf, wie die sogenannte „Please-Force“ (Der Begriff „Force“, im Deutschen etwa Macht oder Kraft, bedeutet im militärischen Kontext eher „Streitkräfte“, z.B. Air-Force.) die Teilnehmer ansprach. Mit Bitten, statt mit Aufforderungen. Und mit Erklärungen, weshalb man möchte, dass die Beteiligten den Bitten nachkommen. Das schien – so äußerten sich später mehrere Beobachter – neben weiteren Faktoren einen großen Einfluss auf die friedvolle Stimmung und den gewaltlosen Ablauf des Festivals gehabt zu haben. (GFK bereits vor Marshall Rosenberg. Marshall sagte auch mehrfach sinngemäß: „Mein Modell ist nichts Neues. Ich habe lediglich zusammengetragen, was zwischen Menschen gut funktioniert.“)

Wir waren nicht dabei und sind lediglich Leser und Zuschauer von Berichterstattungen. Doch die Informationen haben uns den Eindruck gegeben, dass mit dem Woodstock-Festival etwas gelungen ist, das wir für sehr erstrebenswert halten: Frieden in einer Gemeinschaft. Eine Frage ist in diesem Zusammenhang für uns bedeutsam: Was trägt dazu bei, dass Verantwortliche in einer Gemeinschaft neben den eigenen Bedürfnissen auch die Bedürfnisse der Beteiligten sehen, sie anerkennen und sich dafür einsetzen?

Zum „Sofort-Üben“: Welche Bedürfnisse vermuten Sie bei den Veranstaltern und den Besuchern? (Unsere Gedanken finden Sie dazu am Ende des Coachingbriefes.)

Aktuelles:

Die ersten Anmeldungen für unsere „Wandeltage 2020“ sind eingegangen.
Hier die Information für weitere Interessenten:
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m10_jahresausbildung_gfk.php

Gratis-Webinar zum Thema „Systemisch Konsensieren“
Wie können in Gruppen tragfähige Entscheidungen getroffen werden, die mit einer möglichst hohen Akzeptanz aller Beteiligten einhergehen?

Montag, 09.09.2019 um 19.00 Uhr
Zur kostenlosen Anmeldung: https://www.edudip.com/w/312740

Termine im Jahr 2019

http://www.ab-ins-kloster.de

21.09.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage (ausgebucht, Warteliste)

06.10.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum (ausgebucht, Warteliste)

13.- 19.10.2019 Familienfreizeit im Schiefergebirge in Lehesten – 7 Tage
https://www.erfolgsschritte.de/pdf/gfk_familienfreizeit_schieferpark_2019.pdf

15.11.2019 Workshop Wut und Würde in Naumburg
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m03_wut_wuerde_gfk.php

16.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage

29.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage

Und weil die Nachfrage für unser Einführungs- und Vertiefungsseminar in Jena so groß ist haben wir für 2020 schon neue Termine:

08.02.2020 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
09.05.2020 Vertiefungsseminar  Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage

Was sagen Sie zu unserem Coachingbrief?
Wir freuen uns, wenn Ihnen dieser Coachingbrief gefällt und Sie ihn an Interessierte weiterleiten. Neue Leserinnen und Leser können sich hier in den Verteiler für den direkten Mail-Empfang eintragen:
http://www.coaching-briefe.com

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Gedanken zum Sofort-Üben:

Besucher: Spaß, Gemeinschaft, Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit bestimmten Idealen und dies zum Ausdruck bringen und sichtbar machen, Sicherung von Gesundheit, Wohlbefinden, Nahrung…

Veranstalter: Zusagen einhalten, Verlässlichkeit, Sicherung von finanziellen Ressourcen, Erhalt einer Idee oder Vision, Erfolg…

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