376/2019 Die Weichenstellung zwischen zwei Denkrichtungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute geht es um einen Spruch, der mich (Olaf) kürzlich angesprungen – oder besser „angesprochen“ hat. Der gedankliche Entwurf für einen Coachingbrief dazu war schnell fertig. Und heute – beim Schreiben und tieferem Nachdenken – entsteht ein ganz anderer Coachingbrief.

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

  

Thema: Die Weichenstellung zwischen zwei Denkrichtungen

Zitat: „Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“ (Antoine de Saint-Exupery)

Beispiel: Beim Aufräumen meines Laptop-Desktops bin ich auf dieses Zitat gestoßen, dass ich mir vor einiger Zeit kopiert habe, weil ich dachte, dass sei etwas für den Coachingbrief:

„Menschen wurden geschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurde geschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum die Welt im Chaos ist, liegt darin, dass Dinge geliebt und Menschen benutzt werden.“ (Gefunden auf http://www.spruchbilder24.de)

Bevor Sie weiterlesen; eine Frage: „Sehen Sie das auch so? Ist da was dran?“

Heute beim Schreiben des Coachingbriefes bemerke ich wieder, wie schnell es gehen kann, dass mein Denken in den Kategorien von „richtig und falsch“; „gut und böse“ arbeitet, wenn das Urteil, das ich lese, meinem eigenen urteilenden Denken stark entspricht.

Information: Auf Reisen und in den Medien nehme ich immer wieder wahr, dass in der Welt Umstände herrschen, die meine Bedürfnisse oft nicht erfüllen. Ich brauche nicht weit zurückzudenken und habe recht schnell einige erlebte Situationen oder gesehene Berichterstattungen vor Augen, zu denen ich sagen könnte: „Genau – die Welt ist ungerecht (oder schlecht, herzlos, benachteiligend, hart…), weil Dinge wichtiger sind, als die beteiligen Menschen.“

Deswegen spricht mich der obige Spruch auch so sehr an. Und gleichzeitig – es ist ein Urteil; bewertendes Denken.

Schnell folgen bei mir dann Gedanken wie: „Manche Menschen sind egoistisch und lieblos gegenüber ihren Mitmenschen – Dinge sind ihnen wichtiger.“; „Die Werbung ist schuld daran, dass all diese Dinge ihnen so wichtig sind.“ „Die Konzerne sind profitorientiert und manipulieren mit ihren ausgefeilten Marketing-Strategien eine ganze Generation von Menschen.“

Seit ich mich intensiv mit Gewaltfreier Kommunikation beschäftige, läuft parallel oft das „Denken-durch-die-GFK-Brille“-Programm in meinem Hirn und daraus folgen ganz andere Gedankengänge. Mit ganz anderen Schlussfolgerungen verbunden und mit ganz anderen Emotionen als Folge.

Ich stelle wieder fest: Ich habe eine Wahl, in welche Richtung ich denke. Nicht immer erkenne ich die Weiche in die beiden verschiedenen Richtungen genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Weiche gedanklich passiere. Manchmal stelle ich fest, dass ich wieder in Richtung „Urteil und Bewertung“ abgebogen bin, weil das so einfach und gewohnt ist. Mein Denk-Zug folgt ganz von selbst oder halb unbewusst dieser Richtung.

Mit einer bewussten Achtsamkeit (die ich in Abhängigkeit von der aktuellen Situation mal mehr und mal weniger habe…) für die GFK-Sichtweise kann ich jedoch auch in die andere Denkrichtung abbiegen. Oft funktioniert dies automatisch und inzwischen unbewusst. Und manchmal nur mit bewusster Konzentration auf diese Richtung.

Zum „Sofort-Üben“: Was ich dann denke, lesen Sie unten. Fragen Sie sich jetzt erst einmal selbst, was Sie zum obigen Spruch denken, wenn Sie Ihre GFK-Brille aufsetzen.

Wochenaufgabe: Trainieren Sie eine Woche lang Ihre Achtsamkeit für die Weichen zwischen urteilendem Denken einerseits und dem Denken in Gefühlen und Bedürfnissen andererseits. Oft erkennt man hinterher, dass man in eine gewohnte Richtung denkt. Bauen Sie dann einmal bewusst den GFK-Blick auf und spüren Sie in die unterschiedlichen Folgen bezüglich Emotionen, Gedankenketten, Selbstbestätigungen, Absichten, Zielvorstellungen, Entscheidungen, Handlungen… hinein, sofern Sie unterschiedliche Folgen zwischen den beiden Denkweisen wahrnehmen.

Übrigens… auch die GFK-Denkrichtung mit der Fokussierung auf die Gefühle und Bedürfnisse der beteiligten Menschen wird mit Übung auch eine gewohnte und unbewusste Denkrichtung.

Aktuelles: Lange haben wir allen Social-Media-Angeboten getrotzt. Nun sind wir doch aktiv geworden:
https://www.facebook.com/anja.palitza.3
https://www.facebook.com/olaf.hartke

Wer mag, findet da ab und zu auch „alltägliche“ Gedanken zur kommunikativen Gewaltfreiheit in Familie und Beruf. Und natürlich auch zur Gewaltfreiheit im Umgang mit sich selbst.

Termine:

Webinar zum Thema „Systemisch Konsensieren“
Wie können in Gruppen tragfähige Entscheidungen getroffen werden, die mit einer möglichst hohen Akzeptanz aller Beteiligten einhergehen?
Montag, 11.02.2019 um 19.00 Uhr
Freitag, 15.02.2019 um 10.00 Uhr
Zur Anmeldung: https://www.edudip.com/w/312740

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22.-26.02.2019 – NEU – zum 10-jährigen Jubiläum auf der Hohgant-Hütte
Exklusiv für Paare – Die Schneeschuhwanderung mit Paar-Themen im GFK-Seminar
Vier Paare sind angemeldet, ein Paar-Platz ist noch frei.
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant_paare.php

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27.02.-03.03.2019 – Wie gewohnt in 10-jähriger Tradition auf der Hohgant-Hütte
Das Leben lieben lernen – Gewaltfrei leben – Die Schneeschuhwanderung für Einzelpersonen und Paare mit allgemeinen Lebens-Themen im GFK-Seminar
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant.php

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Weitere Termine im Jahr 2019

https://www.ab-ins-kloster.de

31.03.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum (ausgebucht, Warteliste)
07.04.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Spiekeroog (ausgebucht, Warteliste)
26.04.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Bad Heiligenstadt- 2 ½ Tage
19.05.2019 Bildungsurlaub für Führungskräfte am Ammersee im Allgäu
14.06.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage
21.09.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
06.10.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum
19.10.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Arnsberg – 2 Tage
16.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
29.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage

Gefällt Ihnen der Coachingbrief?
Wir freuen uns, wenn Ihnen dieser Coachingbrief gefällt und Sie ihn an Interessierte weiterleiten. Neue Leser können sich für den direkten Bezug per Email hier in den Verteiler eintragen:
https://www.coaching-briefe.com

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unser Beispiel:

Mein Denken in die beiden verschiedenen Richtungen entwickelte sich, wie nachfolgend beschrieben. Je nach Wahrnehmung/Situation sind es natürlich unterschiedliche Bedürfnisse und Gefühle die lebendig werden und unterschiedliche Folgen resultieren daraus. Als mich der obige Spruch „ansprang“, war ein Bericht über Kinder in Kriegsgebieten noch in mir präsent.

Urteilendes Denken:

  • „Dort herrscht Krieg, weil die westliche Welt nur auf ihre Vorteile bedacht ist.“
  • „Politiker tolerieren menschliches Elend; persönliche politische Erfolge sind ihnen wichtiger. Sie sind egoistisch und kaltherzig.“
  • (Ärger und Verachtung breiten sich in mir aus.)
  • „Man müsste sie und ihre Familien selbst in solche Situationen bringen, damit sie wach werden.“
  • (Vor meinem geistigen Auge sehe ich Bilder von westlichen Politikern in zerfetzter und dreckiger Kleidung. Ängstlicher, hilfloser, ratloser Ausdruck in den Gesichtern.)
  • „Upps, wo denkt ‚es‘ in mir da wieder hin? Richtungswechsel…“

Denken mit Fokussierung auf Gefühle und Bedürfnisse:

  • „Ich hätte so gern, dass sich alle Menschen in ihrer Heimat sicher fühlen können, besonders die Kinder. Mir ist wichtig, dass wir Menschen unsere Tage mit Leichtigkeit und Freude verbringen können.“
  • (Traurigkeit steigt auf. Auch Dankbarkeit für mein Leben in einem sicheren Land.)
  • Fragen und weitere Gedanken tauchen auf: „Was kann man tun? Und – wenn alle ‚man‘ denken, wer macht dann was?“
  • (Ich bemerke, ich reagiere auf diesen Gedanken frustriert, genervt.)
  • „Also – was kann ich tun? Wie kann ich selbst dazu beitragen, dass die Welt mehr zu dem Ort wird, den ich mir als optimal vorstelle?“
  • (Das fühlt sich schon optimistischer an. Und gleichzeitig merke ich Gefühle von Sorge und Resignation)
  • Aha, ein weiteres Urteil, eine Annahme hat sich dazwischen gemischt: „Ach, was kann ein Einzelner schon bewirken? Kostet nur Zeit und das ändert doch nichts.“
  • Konzentrieren, Olaf. Fokus auf Bedürfnisse richten: „Ich möchte meine Zeit sinnvoll einsetzen und gleichzeitig zu Veränderungen in den Sichtweisen und Überzeugungen der Menschen beitragen.“
  • (Wieder optimistischer, zuversichtlicher)
  • „Wie und wo kann ich konkret und wirksam dazu beitragen Menschen einzuladen, anders zu denken? Na hier. Ich beschreibe, wie es bei mir funktioniert.“
  • (Freude taucht auf (huch), große Freude sogar.)
  • Ich denke weiter: „Wir erhalten Rückmeldungen vieler Teilnehmer; immer wieder nach Seminaren. Seit Jahren schon. Von Menschen, die neue Erkenntnisse gewonnen haben, die ihnen für ihr Leben sinnvoll erscheinen. Rückmeldungen von Menschen, die selbst etwas verändern wollen und eine neue Qualität in ihr Leben einbauen möchten. Um mehr Freude, Leichtigkeit, Verbindung oder Ruhe mit ihren Familien und Freunden erleben zu können.“
  • (Ich spüre Sicherheit, Zuversicht)
  • Noch ein Gedanke: „Gandhi. Sei Du der Wandel, den Du in der Welt sehen möchtest.“
  • (Noch mehr Zuversicht und Gelassenheit. Ich bemerke wieder, wie sehr ich Sinnhaftigkeit im Beruf erleben kann. Und gleichzeitig bemerke ich Ungeduld und den Wunsch nach schnellerer Veränderung.)
  • Der Gedanke dazu: „Ich hätte es gern schneller…“

Nächster Schritt: Diesen Coachingbrief formatieren und absenden…

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