364/2018 Würde – Aus dem Blickwinkel Gewaltfreier Kommunikation

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wir wurden wieder von der Kirchengemeinde Maria Lourdes in Zürich beauftragt, zwei Veranstaltungen zum Thema Gewaltfreie Kommunikation zu moderieren. Die eine war der „Familientag“ im Anschluss an den Familiengottesdienst; die andere der Workshop „Wut und Würde“. Eine Frage aus dem Workshop haben wir in diesem Coachingbrief aufgegriffen.

Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus Zürich

Anja Palitza & Olaf Hartke

Zitat: „Der Begriff Würde ist eine Orientierung bietende Vorstellung, an der wir Menschen unser Handeln ausrichten, eine Art innerer Kompass also, mit dessen Hilfe wir unser Leben und unser Zusammenleben so gestalten, damit es für uns selbst, aber auch für die anderen gut ist.“ (Gerald Hüther, Neurobiologe und Hirnwissenschaftler)

Beispiel: Ein Workshop-Teilnehmer sagte: „Ich bin doch jederzeit das Opfer von Umständen, die ich nicht selber gewählt habe. Und das ist aus meiner Sicht ziemlich würdelos.“

Information: Berthold Brecht unterbreitet 1928 in seinem Text „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“ den Vorschlag, in bestimmten Kontexten das Wort „Ehre“ durch das Wort „Menschenwürde“ zu ersetzen. Er weist auf den fundamentalen Unterschied zwischen beiden Prinzipien hin: Die Ehre ist etwas Äußeres, die Würde etwas Inneres.

Der Schweizer Philosoph Peter Bieri versteht in den Achtziger Jahren die Würde nicht mehr als eine metaphysische Eigenschaft des Menschen, die ihm von niemandem und unter keinen Umständen genommen werden kann. Vielmehr interpretiert er die Menschenwürde als eine bestimmte Art der persönlichen Lebensführung, die auch misslingen kann.

Mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation trainieren wir in Seminaren und Workshops vor allem eine bestimmte „Haltung“ gegenüber anderen Menschen. Diese Fokussierung auf Gefühle und Bedürfnisse des Menschen erfasst mehr seine Befindlichkeit, als das sie die Frage nach „richtigem und falschem Verhalten“ beantwortet. Nach Rosenberg dient diese Haltung gegenüber anderen eher lebensdienlichen Prozessen im Miteinander, als die Suche nach der Antwort auf die Frage „Wer hat Recht?“.

Die „GFK-Haltung“ erleichtert somit eine persönliche Lebensführung, die sich an den eigenen Werten ausrichtet und kann auch als eine Art „innerer Wegweisung“ und damit zur Orientierung dienen. Es ist aus unserer Sicht eine wertschätzende und würdevolle Haltung zu allererst uns selbst gegenüber, weil wir davon ausgehen, dass wir – so wie wir sind – völlig in Ordnung sind.

Um zurückzukommen auf das eingangs erwähnte Teilnehmer-Statement: Wenn der Mensch Verantwortung für seine Bedürfnisse übernimmt, in dem er sie wahrnimmt, anerkennt und beginnt, für sie Sorge zu tragen, dann wird der Mensch auch unter schwierigen und herausfordernden Umständen zunehmend mehr zum Gestalter seines Lebens. Selbst dann, wenn die Umstände gerade wenig Veränderungsspielraum bieten und sich nicht alle Bedürfnisse in dem Moment erfüllen lassen. Er bleibt Gestalter seines Lebens und nimmt sich weniger als Opfer der Umstände wahr.

Und wir gehen noch einen Schritt weiter: Würdevolles Verhalten schließt für uns gleichermaßen mit ein, auch anderen Menschen mit dieser Haltung zu begegnen. Nicht nur ich bin in Ordnung, sondern auch mein Gegenüber ist als Mensch genauso in Ordnung wie ich. Mit anderen Worten, wenn es uns selbst gelingt, die eigenen Bedürfnisse und die der Anderen zu sehen und anzuerkennen, dann gelingt es uns im Miteinander, die Menschlichkeit zu wahren und in dem Momant ein würdevolles Leben zu leben.

Wochenaufgabe: Prüfen Sie – insbesondere wenn Sie unter dem Einfluss von Emotionen stehen – ob Ihre gegenwärtige Haltung sinnvoll ist, um eine würdevolle Entscheidung zu treffen oder mit anderen würdevoll in Interaktion zu gehen.

Aktuelles:

26./27. Januar 2019
Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation
Verbinden Sie Lernen und Freude in Arnsberg im Sauerland miteinander.
Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Webinar zum Thema „Systemisch Konsensieren“
Dienstag, 20.11.2018 um 10.00 Uhr
Montag, 26.11.2018 um 18.00 Uhr
Zur Anmeldung
https://www.edudip.com/w/312740

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

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