342/2018 Von Angst und Mut

Liebe Leserin und lieber Leser,

heute mal wieder ein sehr persönlicher Coachingbrief.

Herzliche Grüße von uns beiden, diese Woche aus Jena und Bielefeld.
Anja Palitza & Olaf Hartke

Zitat: „Mut ist die Bereitschaft das Risiko einzugehen, etwas zu tun, das uns wichtig ist, auch wenn es gleichzeitig andere wichtige Bedürfnisse in Mangel geraten lassen könnte.“ (Olaf Hartke)

„Da wo die Angst ist, ist der Weg für Veränderung. Es geht nicht ohne die Angst, es geht nur mit der Angst.“ (Anja Palitza)

Beispiel: Kürzlich wurden wir gefragt, ob wir einen Kollegen vertreten können und ein viertägiges Modul aus einer Trainerausbildung für Gewaltfreie Kommunikation übernehmen würden. Für mich (Anja) löste diese Frage heftige Emotionen aus. Ich spürte eine große Bereitschaft beitragen zu wollen – doch ich hatte sofort panische Angst bei der Vorstellung, eine Rolle zu übernehmen, der ich nicht gewachsen sein könnte.

Einige Gedanken schossen mir durch den Kopf: „Ich kann das nicht wie er.“

Oder: „Die Teilnehmer sind seine Kompetenz gewohnt, das ist mehr als ich je bieten kann.“

Ich hatte große Angst in diesem Training zu versagen. Doch die noch größere Angst wurde von der Frage ausgelöst, wie sich mein innerer Kritiker zukünftig mir gegenüber verhalten würde, wenn ich tatsächlich versagen würde.

Die Angst, die aus diesem Hintergrund entsprang, kenne ich sehr gut und gleichzeitig spürte ich, dass es auch eine Chance sein könnte, durch diese Angst hindurchzugehen und vielleicht dem inneren Kritiker eine neue Erfahrung entgegensetzen.

Nach dem Motto: „Das sicherste Mittel, den Mut zu verlieren, ist es, Angst zu vermeiden. Das beste Mittel, Angst zu verlieren, ist mutig zu sein.“ (Dr. Michael Depner)

Information: „Mut ist der Wille, trotz seiner Angst zu handeln.“ so ein Zitat von Robert Anthony. Das Zitat macht für uns sehr deutlich, dass der Wille im Zusammenhang mit Angst eine wichtige Schlüsselrolle hat. Ein starker Wille zeigt auf, wohin unsere Sehnsucht geht, was uns wichtig ist und wofür wir auch Risiken in Kauf nehmen würden.

Doch genauso ist auch die Angst ein wichtiger Signalgeber. Sie kann uns verdeutlichen, auf welche Bedürfnisse wir zusätzlich zu achten haben. Beide Hinweisgeber sind wichtige Signallampen. Wenn diese gemeinsam aufleuchten, dann ist auch eine Strategie nötig, die die Bedürfnisse hinter beiden berücksichtigt.

Nach Wikipedia entspringt das Wort „Mut“ dem indogermanischen „mo“ und beschreibt ein heftiges Wollen. Dr. med. Michael Depner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie schreibt über das „heftige Wollen“:

„Heftig geht auf mittelhochdeutsch heftec = beharrlich, beständig zurück. Eigentlich ist der Ausdruck „heftiges Wollen“ ein Pleonasmus *1), denn Wille bringt Heftigkeit mit sich. Sonst ist er keiner. Sonst bleibt er Wunsch. Im Gegensatz zum Wunsch zeichnet sich Wille durch Beharren und Beständigkeit aus. Wer etwas will, beharrt auf seinem Ziel. Er hält stand. Er lässt sich durch Widrigkeiten nicht entmutigen. Daher sind Wille und Mut Geschwister im Geiste. Ein willenloser Mut wäre ein ähnliches Unding wie ein feiger Wille.

Wollen entspringt der indogermanischen Wurzel „uel“, die auch dem Verb wählen zugrunde liegt. Das ist logisch. Man kann nichts wollen, wenn man nicht wählt, was es ist. Ein Wille verwirklicht eine getroffene Wahl. Der Mutige steht zu seiner Entscheidung…“

Weiter schreibt er: „Da echtem Mut ein echtes Wollen zugrunde liegt, muss Mut wissen, was er wirklich will. Dazu bedarf es eines Selbstbewusstseins, das es dem Wählenden ermöglicht, seine Motive zu verstehen. Mut ohne ein Wissen um die eigenen Motive geht leicht in die Irre.“

*1) Pleonasmus: Wenn innerhalb einer Wortgruppe eine bestimmte Bedeutung mehrfach auf unterschiedliche Weise  etwa Adjektiv/Substantiv) zum Ausdruck gebracht wird oder wenn Ausdrucksmittel verwendet werden, die keine zusätzlichen Informationen beisteuern. Z. B. „kaltes Eis“.

 Zum „Sofort-Üben“: Welche Bedürfnisse, liegen in unserem Beispiel bei mir (Anja) hinter der Angst und hinter dem Wollen.
(Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Nehmen Sie sich diese Woche einmal Zeit für Ihr Wollen, für Ihre starken und drängenden Wünsche. Und auch für die Ängste, die möglicherweise damit in Zusammenhang stehen. Welche Bedürfnisse stehen hinter dem Wollen und welche hinter der Angst?

Aktuelles: 2-tägiges Einführungsseminar „Gewaltfreie Kommunikation“ zu einem Preis von 90 Euro!

Wie geht das? Der Diakonieverein Orlatal e.V. veranstaltet für Mitarbeiter zweimal jährlich Einführungsseminare mit Anja Palitza und Olaf Hartke. Nicht immer werden alle Plätze von Mitarbeitern belegt, sondern kurz vor dem Termin auch für andere Interessenten freigegeben. Profitieren Sie vom gesponserten Seminarpreis!

Nächster Termin: Freitag/Samstag, den 22./23. Juni 2018 in Triptis bei Jena.

Senden Sie uns eine Mail, wenn Sie eingeladen werden möchten.

Weitere Angebote und nähere Informationen:
http://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Herausgeber: Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: Anja beschreibt es so:

„Ich habe mir folgende Frage gestellt: Welchen Wert hat das Training für mich? Für was setze ich mich dieser Situation aus? Klar ist mir: Ich mache es für mich, weil sich hinter meinem Wollen der Wunsch verbirgt, beizutragen und zu unterstützen. Etwas zurückzugeben von dem, was ich bekommen habe. Zudem möchte ich auch die Teilnehmer unterstützen, die den Kurs gebucht haben und die sich weiterentwickeln wollen.

Und das löst auch mein starkes Wollen aus: Der Wunsch, mich weiterzuentwickeln. Ich möchte die Freiheit spüren, mich ausprobieren zu können ohne die Sorge, dass der innere Kritiker mich möglicherweise anschließend zerreißt.

Dabei gehe ich ein Risiko ein, denn hierfür fehlt mir noch eine zuverlässige Strategie:

Mich anzunehmen auch mit dem, was ich vielleicht noch nicht so kann, wie ich es gern möchte. Dass ich mich wertschätze und liebevoll mit mir umgehe, egal was im Außen passiert. Denn ich habe nicht Angst vor den Reaktionen der Anderen, sondern ich fürchte, dass ich aufgrund der Reaktionen anderer, mich selbst in meiner Wertigkeit in Frage stelle.

Doch ich möchte mir und meinen Fähigkeiten vertrauen können. Möchte mich weiterhin als wertvollen Menschen betrachten können, mit dem was ich gerade kann.

Als ich mir das bewusst gemacht habe, konnte ich meine Entscheidung fällen. Ich habe mich meiner Angst gestellt, habe dem Wollen in mir Raum gegeben und habe mir dieses Wollen immer wieder bewusst gemacht. Meine Angst war weniger präsent als ich zu Beginn vermutet hatte. Stattdessen war da eine hohe Konzentration und Wachheit in mir und ich hatte Freude an meinem Tun und den Rückmeldungen der Teilnehmer.

 

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