315/2017 Sag „Ja“ zu einem „Nein“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

hier ist der Coachingbrief für diese Woche.

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Sag ja zu einem Nein

Zitat: „Ein Nein aus tiefster Überzeugung ist besser und größer als ein Ja, das nur gefallen will oder noch schlimmer, Schwierigkeiten umgehen möchte.“ (Gandhi)

Beispiel: Aus dem Buch von Arun Gandhi: Wut ist ein Geschenk.

„Nach unserer Ankunft blieben Ela (sechsjährige Schwester von Arun) und meine Eltern noch eine Woche lang bei mir. Ela und ich kannten nur das Leben in Südafrika. Dort wohnten wir im ebenfalls von Bapuji (Anm.: Gemeint ist Gandhi.) gegründeten Phönix-Ashram – seinem ersten Versuch eines seinen Idealen verpflichteten Kollektivs. … Das Leben im Phönix-Ashram war einfach, doch verglichen mit Sevagram schien es fast schon luxuriös. … Doch am meisten unterschied sich die Qualität des Essens. Beide Ashrams hatten Nutzgärten und wir ernährten uns von dem, was wir ernteten. Im Phönix-Ashram bereitete meine Mutter daraus abwechslungsreiche, gut gewürzte Gerichte zu. Im Sevagram-Ashram war das Essen fürchterlich. Tag für Tag bekamen wir gekochten und ungesalzenen Kürbis vorgesetzt. … Gekochter Kürbis zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ela und ich beschwerten uns bei unseren Eltern, doch die sagten, wir sollten still sein und wiesen uns daraufhin, dass wir Gäste seien und uns an Babujis Anordnungen halten müssten. Wir versuchten, mit den Leuten zu sprechen, die in der Küche arbeiteten, doch sie sagten uns dasselbe. … Wir waren nicht die Einzigen, die sich ab und zu andere Gemüse gewünscht hätten, doch keiner wollte anmaßend erscheinen und so hatte niemand den Mut, das Essen zu hinterfragen.

Die kleine Ela war frei von solchen Bedenken. … Mit dem gerechten Zorn einer Sechsjährigen marschierte sie in Babujis Lehmhütte. „Du solltest diesen Ort in Kola-Ashram umbenennen!“ verkündete sie, das indische Wort für „Kürbis“ als Namensgeber wählend. …

„Ach ja?“ Babuji war einigermaßen überrascht, nahm es jedoch mit Humor und meinte: „Wir müssen der Sache auf den Grund gehen. Wenn es stimmt, was du sagst, dann müssen wir ihn tatsächlich umbenennen.“

Babuji aß nie mehr als nötig und Fasten war für ihn immer wieder eine Form des gewaltlosen Protests. Er erwartete jedoch nicht, dass alle seiner strengen und sorgsam gewählten Diät folgten. Da er sehr beschäftigt war, kam er selten zu den gemeinsamen Mahlzeiten, er hatte also keine Ahnung davon, was da täglich auf den Tisch kam.

Am selben Tag, …, fragte er Munna Lal, den Manager des Ashrams, warum eigentlich alle Tag für Tag Kürbis essen müssten. … Der Manager war verlegen. „Wir haben auf einem ganzen Feld Kürbisse angepflanzt und die Ernte ist mehr als reichlich. …“ Babuji sagte, da sei wohl etwas mit der Planung schiefgelaufen. Aber er mahnte nie etwas an, ohne eine Lösung anzubieten. … Er wies Munna Lal an, einen Teil der Kürbisse ins Dorf zu bringen und gegen andere Gemüsesorten auszutauschen.

Ela war die Heldin des Tages – und nicht nur, weil das Essen plötzlich besser wurde. Babuji machte eine Lektion daraus, dass sie an ihn herangetreten war. Es sein unerlässlich, Probleme anzusprechen. „Wie können wir die Welt verändern, wenn wir nicht zu benennen wagen, was falsch läuft.““

Information: Ich kann gegen etwas sein und mich gleichzeitig für etwas anderes einsetzen. Wenn mir bestimmte Strategien von anderen Menschen nicht zusagen; ich den Sinn dahinter nicht erkenne oder sie mir wichtige Bedürfnisse nicht erfüllen, dann kann ich aufzeigen, dass ich gegen diese Strategien bin. Ich drücke es vielleicht in einem Nein aus oder in einer anderen Art von Ablehnung. Gleichzeitig verbirgt sich jedoch hinter jedem ausgesprochenen „Nein“ auch ein „Ja“. Ich sage damit „Ja“ zu meinen eigenen Bedürfnissen, Sehnsüchten und Werten. Doch hierzu braucht es die Klarheit darüber. Allein nur gegen eine Strategie zu sein, ist nach unserer Erfahrung nicht ausreichend. Erst in dem Bewusstsein über meine Bedürfnisse, die mit einem „Nein“ in Verbindung stehen, kann ich beginnen mich für das „Wofür“ einzusetzen. Aus unserer Ansicht stehen dann die Menschen zu sich und dem, was ihnen wichtig ist. Daraus resultiert eine besondere Form von Kraft. Arun Gandhi beschreibt es so: „Stärke beweist derjenige, der herausfindet, was im eigenen tiefsten Inneren zählt, und der dafür einzustehen bereit ist, auch wenn der Strom in eine andere Richtung zu fließen scheint.“

Aus unserer Sicht eine Grundvoraussetzung für den gesellschaftlichen Wandel.

Zum „Sofort-Üben“: Für welches Bedürfnis hat Ela sich eingesetzt?
(Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Wenn Sie gegen etwas sind, dann machen Sie sich bewusst, für was Sie sich einsetzen. Ein Beispiel. Ich bin gegen Tierversuche. Hier sage ich klar „Nein“. Stattdessen möchte ich, dass jedes Lebewesen geachtet ist. Hierzu braucht es als nächsten Schritt die Überlegung, was mein Beitrag sein könnte, mich für die Achtung aller Lebewesen einzusetzen. Mein Beitrag ist: „Ich kaufe nur Kosmetikartikel bei denen ich weiß, dass sie ohne Tierversuche entwickelt wurden.“

Aktuelles: Wir haben bereits Seminartermine für das Jahr 2018 festgelegt.

Folgende Seminare bieten wir Ihnen an folgenden Tagen an:

Eine intensive Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation findet in Jena statt am 27./28. Januar 2018 und am 26./27. Mai 2018.

Auf die Grundlagen aufbauend, können Sie diese vertiefen in einem Übungs- und Vertiefungsseminar am 1./2. September 2018 in Jena.

Wer gerne Reisen und Lernen miteinander verbindet, dem legen wir die Bildungsurlaube auf den Nordseeinseln Spiekeroog vom 23.-28.04.2018 und Baltrum vom 07.-12.10.2018 ans Herz.

 

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

 

Unser Vorschlag: Vermutlich hat sich Ela eingesetzt für Abwechslung, Genuss und Freude am Essen.

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