447/2020 Auch mal selbstfürsorglich egoistisch sein

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

in der vergangenen Ausgabe https://gewaltfrei.blog/2020/06/08/446-2020-ein-langer-weg/ haben wir von unserem „Schnapszahl-Jubiläum“ 444. Coachingbrief berichtet und unseren Wunsch nach einer gemeinsamen Feier offengelegt. Dies ist auf Resonanz gestoßen und wir haben zahlreiche Rückmeldungen dazu erhalten. Es kamen Anregungen, Begeisterungsbekundungen, Voranmeldungen und Ermunterungen. Das hat uns wiederum bestärkt und wir sind wild entschlossen: Wir werden nächstes Jahr mit Euch feiern und freuen uns auf das erste Leser-Treffen.

Etwas Zweites feiern wir in dieser Woche: Unser erstes GFK-Präsenz-Seminar seit Anfang März findet am Wochenende statt. Die Jahresgruppe „Wandeltage 2020“ trifft sich nach zwei ausgefallenen Terminen im Kloster Vierzehnheiligen in Bad Staffelstein. Die Vorfreude ist den letzten Mails nach zu urteilen riesengroß.

Das große Thema dieses zweiten Moduls der Gruppe ist „Selbstempathie“ und einen Auszug aus dem Trainings-Ordner möchten wir heute auch Ihnen als Leser zukommen lassen.

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Auch mal selbstfürsorglich egoistisch sein

Zitate: „Gesunder Egoismus ist, das eigene Selbst und die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse nicht den Bedürfnissen anderer Menschen zu opfern.“
(Prof. Querulix, dt. Aphoristiker und Satiriker)

„Wer den gesunden Egoismus nicht als Grundmotiv aller Handlungen anerkennt, hat ein schlechtes Menschenbild und keine Liebe für seinen Nächsten sowie sich selbst.“
(Alfred Selacher)

Beispiel: Immer wieder hören wir in Trainings, dass es sehr schwierig und anstrengend sei, die „gewaltfrei-Prinzipien“ einzuhalten und die Bedürfnisse der Anderen zu erfüllen, ohne selbst zu kurz zu kommen.

Information: (Auszug aus unserem Wandeltage-Handbuch)

Selbstfürsorge – sich selbst gegenüber fürsorglich sein

Der erste der drei Aspekte der Definition von „Gewaltfreiheit“ lautet:

„Gewaltfrei ist, die Bedürfnisse anderer genauso wichtig zu nehmen, wie meine eigenen.“
(Marshall B. Rosenberg)

Menschen, die an Gleichwertigkeit und einer Begegnung auf Augenhöhe interessiert sind, finden dazu oft schnell und leicht innere Zustimmung. Sie nicken und denken: „Ja, das stimmt. Die Bedürfnisse der Anderen sind wichtig und ich werde darauf achten.“

Die Nächstenliebe im Sinne des helfenden Handelns für andere Menschen finden wir bereits als Gebot in der jüdischen Tora und auch als Jesus-Zitat „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ in allen Evangelien des Neuen Testaments.

In christlicher Gesinnung erzogen und mit der Absicht „gewaltfrei zu leben“, geht man dann durchs Leben und achtet aufmerksam auf die Bedürfnisse der Anderen.

Wir möchten an dieser Stelle auf die jeweiligen Zitat-Schlussworte aufmerksam machen:

„… wie meine eigenen.“
„… wie dich selbst.“

Und auch daran erinnern, dass Gleichwertigkeit und Augenhöhe demnach bedeuten, dass im Umkehrschluss die eigenen Bedürfnisse genauso wichtig sind, wie die anderer. Und man sich selbst genauso lieben soll wie andere.

Selbstliebe und eine bedürfnisorientierte Selbstfürsorge umfassen nach unserem Verständnis mehr, als hier und da mal Entspannung oder gelegentliche genussreiche Aktivitäten.

Selbst-fürsorglich mit sich umzugehen bedeutet für uns auch, sich selbst mit Freundlichkeit und Selbstempathie zu begegnen, sich selbst näher kennenzulernen und die Beziehung zu sich selbst bedürfnisorientiert zu gestalten. Es bedeutet loszulassen, was frustriert und zu suchen, was Freude bereitet. Auch den Umgang mit den eigenen „ungeliebten“ Gedanken und Gefühlen zu erlernen. Es bedeutet Beziehungen zu führen, die auf Respekt basieren, Grenzen zu setzen und das eigene Leben insgesamt so zu gestalten, dass man sich darin wohlfühlen und aufblühen kann.

Und das beinhaltet auch, dass man Wünsche und Bitten anderer Menschen nicht erfüllt und immer wieder „Nein!“ sagt, wenn es nicht gut ins eigene Leben passt.

„Verstehen“ bedeutet nicht „einverstanden sein“. Wenn Sie nicht mit Freude und einem deutlichen inneren „Ja, ich will!“ zu den Bedürfnissen anderer beitragen möchten, dann schützen Sie sich und Ihre eigenen Bedürfnisse durch ein „Nein“.

Das bedeutet nicht, die Bitten anderer nur noch dann zu erfüllen, wenn es gerade sehr leicht und bequem ist. Manchmal erfüllt man Bitten auch dann, wenn es einem schwer fällt und es anstrengend ist.

Entscheidend ist für uns dieses innere „Ja“. Die Klarheit – Sie entscheiden sich dafür, weil Sie unterstützen und beitragen möchten. Manchmal gibt man damit auch ein großes Geschenk und zahlt einen Preis durch eigene Anstrengung und durch eigenen Aufwand. Aber tun Sie das bitte nur dann, wenn Sie das wirklich wollen und bereit sind, den Preis zu zahlen.

Spüren Sie mit einem verbalen „Ja“ bereits die kommende Anstrengung und sagen nur deshalb zu, weil Ihnen das „Nein“ schwer fällt – oder aus Angst vor Schuld, Scham oder Strafe – dann sind Sie nicht selbstfürsorglich und nicht „gesund egoistisch“.

Gewaltfreie Kommunikation bietet Möglichkeiten, das „Nein“ in einer Art und Weise zum Ausdruck zu bringen, mit der Ihr Gegenüber mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar Verständnis für Ihr „Nein“ aufbringen kann.

https://gewaltfrei.blog/2017/12/04/315-2017-sag-ja-zu-einem-nein/

Doch dieser Dialog ist ein neues Thema für einen anderen Coachingbrief… 🙂

Wochenaufgabe: Überlegen Sie sich in dieser Woche genau, ob Sie wirklich „Ja“ sagen möchten und trainieren Sie einmal „gesunden Egoismus“ – oder Selbstfürsorge. Das ist absolut in Übereinstimmung mit den Prinzipien Gewaltfreier Kommunikation. Die Bedürfnisse anderer wichtig zu nehmen bedeutet nicht, sie immer auch zu erfüllen.

Aktuelles

Seminare und Trainings

Alle Termine finden an Örtlichkeiten statt, die die Einhaltung der Corona-Vorschriften ermöglichen. Diese sind in den Bundesländern gerade unterschiedlich, doch wir sind jeweils in enger Absprache mit den Seminarhäusern und achten auf die behördlichen Verordnungen.

18.-19. Juli 2020
Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
Sie sind voller Lebenshunger auf Gemeinschaft, wiedermal etwas Besonderes erleben können, sich selbst und vielleicht auch Ihren Partner (wenn Sie ihn mitbringen) einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen können? Dann sind Sie hier genau richtig.
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m04_uebungswochenende_gfk.php

Für Langfrist-Planer:
Die 4-tägige Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte
Zwei Termine in 2021:

  1. 26.02.2021 – Ein Termin für Einzelteilnehmer und Paare
    https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant.php
  2. 03.03.2021 – Ein weiterer Termin nur für Paare
    https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant_paare.php


Weitere Angebote

Auch 3 Bildungs-Urlaube finden im 2. Halbjahr 2020 noch statt (2x GFK; 1x GFK und Führung) und die Planungs-Treffen der SUNA-Gruppe im September und Dezember ebenfalls:

https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php


Live-Webinare zum Wissen vertiefen und Anwendung üben

Besuchen Sie unsere 45-60-minütigen Webinare, wenn Sie einen ersten Eindruck von Gewaltfreier Kommunikation gewinnen möchten oder sich darüber hinaus auch intensiver mit dem Modell auseinandersetzen und Anwendungs-Fähigkeiten erwerben möchten.

  • Informieren und Kennenlernen
  • Grundlagen intensivieren
  • Vertiefungs-Webinare und spezielle Themen
  • Übungs-Webinare

Nur noch 3 Termine vor den Sommerferien!

https://www.edudip.market/academy/hartke

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Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
on: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

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