425/2020 Was Menschen in Unternehmen brauchen, um gern beizutragen

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

unsere Jahresausbildung „Wandeltage 2020“ ( www.wandeltage.de ) startete am vergangenen Wochenende im Kloster Hedersleben und es ging auch um die Frage, ob und wenn ja unter welchen Bedingungen, Menschen etwas freiwillig und gerne für andere Menschen tun. Diese Frage grenzt auch an das Thema Mitarbeiterführung heran und am Abend bat mich (Olaf) eine Teilnehmerin, nochmal den Satz zu wiederholen, den ich dazu gesagt hatte und der ihr so gut gefallen hatte.

Nun ja – oft weiß ich nachher noch, was ich vorher zu etwas gesagt habe, doch manchmal auch nicht. Und welche meiner Sätze anderen Menschen gut gefallen, weiß ich auch oft nicht – es sei denn, ich erhalte eine unmittelbare Rückmeldung.

Ich versprach also, meine Gedanken zum Thema Führung nochmal kurz zusammenzufassen und so war das Thema des heutigen Coachingbriefes geboren. Liebe D. aus B. – hier kommt die Antwort für Dich; eine Sammlung von Sätzen, von denen ich hoffe, dass der eine oder andere Dir wieder gefällt. J

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Was Menschen in Unternehmen brauchen, um gern beizutragen

Zitat: „„Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann kann ich auch nicht, wenn ich muss. Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann kann ich auch, wenn ich muss. Denn merke: Die, die können sollen, müssen auch wollen dürfen.“       (Johannes Conrad)

Beispiel: Es gibt Unternehmen, da gehen Menschen gern hin, um dort etwas zu leisten. Und es gibt Unternehmen, da gehen manche Menschen nur hin, weil sie die monatliche Entlohnung zum Leben brauchen. Worin unterscheiden sich diese Unternehmen?

Information: Natürlich gibt es eine ganze Menge möglicher Unterschiede, die Einfluss darauf haben, ob Menschen gern dort arbeiten. Und auch die Menschen haben ganz unterschiedliche und individuelle Gründe, weshalb ihnen Arbeitsverhältnisse gefallen oder nicht gefallen.

Einen großen Einfluss auf die Leistungsbereitschaft (landläufig auch „die Motivation“) der Mitarbeiter hat neben unzähligen anderen Gründen unstrittig die im jeweiligen Unternehmen von den Führungskräften geschaffene Führungskultur.

Und da ich das Modell Gewaltfreie Kommunikation liebe, habe ich auch eine Vorstellung von einem „GfK-konformen Führungsstil“ und dazu möchte ich, um die obige Frage zu beantworten, hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Thesen formulieren:

      1. Der Zweck von Führung

Nach dem häufig anzutreffenden Verständnis in Führungsetagen, ist es die Aufgabe von Führungskräften, Mitarbeiter dazu zu bringen, vordefinierte Aufgaben möglichst schnell und qualitativ hochwertig zu erledigen, damit die Summe der erledigten Aufgaben das Unternehmen seine Unternehmensziele erreichen lässt.

So verkehrt ist das nicht, denn Ergebnisse werden gebraucht, damit Unternehmen eine Zukunft haben. Für mich ist die Frage, aus welcher Haltung heraus Führungskräfte agieren. Autoritär, dogmatisch, hierarchisch mit der Idee, dass Aufgaben und Ergebnisse wichtiger sind, als die beteiligten Menschen? Oder partnerschaftlich, gleichwertig und unterstützend mit dem Vertrauen, dass überall dort, wo sich Menschen wohl fühlen, sie einen Beitrag leisten werden, der groß genug ist, um dauerhaft ein solides Gemeinschafts-Ergebnis zu erreichen.

Nach meinem Verständnis von Führung – und ich nutze bewusst diese Formulierung, die man als provokant oder übertrieben bewerten kann – ist die Führungskraft nicht dazu da, um, wie es so schön heißt, „den Mitarbeiter nur gerade so schnell über den Tisch zu ziehen, dass dieser die dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme empfindet“, sondern viel eher, um für die Mitarbeiter Arbeitsbedingungen zu schaffen, unter denen sie sich so wohl fühlen, dass sie gegenwärtig bereit sind, zu geben was sie können und perspektivisch an sich zu entwickeln, was zukünftig im Unternehmen gebraucht wird.

In diesem Sinne ist die Führungskraft ein Dienstleister für die Mitarbeiter und der Dienst besteht darin, sie in allem zu unterstützen was sie brauchen, um einen guten Job zu machen.

Wenn Sie als Führungskraft nun innerlich zusammengezuckt sind, lesen Sie bitte trotzdem noch die nächste These. J

      2. Die Aufgaben von Führung

Führungskräfte haben nach meinem Verständnis von Führung zwei große Aufgabengebiete, wobei das erste eng mit dem Zweck von Führung verbunden ist und oben schon erwähnt wurde: Mitarbeiter unterstützen und befähigen, etwas für das Unternehmen zu leisten.

Das zweite große Aufgabengebiet ist natürlich neben der wichtigen „Mitarbeiter-Fürsorge“, auch die Interessen des Unternehmens (Shareholder-Ansatz: Inhaber- und Besitzer-Interessen) zu verfolgen und neben den Mitarbeitern auch die weiteren Interessen (Stakeholder-Ansatz: Die Interessen all jener, die direkt oder indirekt von den Aktivitäten des Unternehmens betroffen sind, wie Kunden, Lieferanten, Dienstleister, Kreditgeber, Gewerkschaft, Organisationen – sprich, das gesamte „soziale Umfeld“ des Unternehmens.) zu berücksichtigen, zu gewichten und bedarfsorientiert zu erfüllen. Keine leichte Aufgabe übrigens. Ein ständiger Spagat mit deutlich mehr Beinen, als nur zweien.

Doch das große Aufgabengebiet teilen sich ja die Führungskräfte je nach ihrem Einsatzgebiet. (Eine Aufgabenteilung, die – häufig Mangels einer verständlichen und verbindenden Kommunikation – offensichtlich auch nochmal großes Herausforderungs-Potenzial birgt, blickt man auf die wachsende Anzahl von Burnout-Erkrankungen und Frühberentungen von Führungskräften.)

Um es kurz zu fassen: Die undankbare Aufgabe der Führungskraft ist häufig, das Mehrfach-Dilemma zwischen allen Anspruchstellern so zu gestalten, dass alle halbwegs zufrieden sind, die nötigen Ergebnisse erreicht werden und dies häufig zu einem persönlichen Preis von überdurchschnittlicher Inanspruchnahme, der bei nicht wenigen in Krankheit mündet.

     3. Die Prinzipien von Führung

Auf welchen Prinzipien beruht gelingende Führung eigentlich? Es sind m. E. auch heute noch die gleichen Prinzipien, die Management-Papst Fredmund Malik aus St. Gallen bereits in den Neunziger Jahren formulierte und ausführlich in seinem Klassiker und gleichzeitig immer noch aktuellen Standardwerk der Führungsliteratur „Führen, leisten, leben“ beschrieb. Ergebnisorientierung, Ganzheitlichkeit, Konzentration auf Weniges (Heraushalten aus Vielem), Stärkenfokussierung, Vertrauen und Optimismus empfiehlt er den Führungskräften als unerschütterliches Fundament ihres Seins und Tuns.

Wer dies ergänzt mit „GFK-Qualitäten“ wie der Haltung von Gleichwertigkeit, dem Vertrauen in Freiwilligkeit, einer unbeirrbaren Fokussierung auf „das Gute“ im Menschen und der Fähigkeit zu einer klaren und gleichzeitig wertschätzenden Kommunikation, hat m. E. alle Grundlagen beisammen, um mit anderen Menschen langfristig, erfolgreich und sinnerfüllt zusammenzuarbeiten.

     4. Die Hilfsmittel der Führungskräfte

Neben den aus meiner Sicht eher zweitrangigen „Werkzeugen“ der wirksamen Führungskraft – wie betriebswirtschaftliche Hilfsmittel (Berechnungs- und Budgetierungs-Tools), Büro und insbesondere IT-Infrastruktur, einer persönlichen Struktur und Arbeitsmethodik, sowie einer systematisierten „Müllentsorgung“ zur Erhaltung der Effektivität – ist wohl das wichtigste Werkzeug (und manchmal – wenn ich bestimmte Führungskräfte in Unternehmen reden höre –  auch das „Ungeschärfteste“) ihre Kommunikation.

Die eigene Sprache, die Fähigkeit, sich sowohl verständlich, als auch verbindend auszudrücken, hat bei vielen Menschen mit Führungsverantwortung noch ein deutliches Optimierungspotenzial. Ist sie doch so gesehen das „verbale Bindeglied“ zwischen allen Beteiligten und die Grundlage für die Gestaltung eines einerseits menschlichen und eben andererseits auch notwendigen ergebnisorientierten Miteinanders.

So, liebe D. aus B. Sind ein paar Sätze mehr geworden, als ich im Seminar zum Thema Führung gesagt habe. Such Dir was aus… 😉

Übrigens sind diese Themen auch der Inhalt des 5-tägigen GFK-basierten Führungskräftetrainings im August (Bildungsurlaub):

https://www.bf-bonn.de/index.php/de/kursangebote/kompetenz-im-beruf-informationen/kommunikation/event/38-kompetenz-im-beruf-kommunikation-bildungsurlaube/612-20b-292-den-fuehrungsalltag-souveraen-meistern-ein-fuehrungskraeftetraining-auf-basis-gewaltfreier-kommunikation

Aktuelles

Termine im Jahr 2020

http://www.ab-ins-kloster.de

25.01.2020 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Arnsberg 2 Tage – ausgebucht, Warteliste

08.02.2020 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
09.05.2020  Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage

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Stärken Sie Ihre Paarbeziehung mit neuen verbindenden Erlebnissen auf der Hohgant-Hütte

Vom 24.-28.02.2020 exklusiv für Paare – Die Schneeschuhwanderung mit Paar-Themen im GFK-Seminar.

Kennen Sie diese Herausforderungen in der Partnerschaft?

  • Das „Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühl“ geht innerhalb von 6-12 Monaten nach dem ersten „Verliebtsein“ verloren.
  • Die Partner entwickeln während ihrer Beziehung unterschiedliche Interessen und stellen die Weichen für veränderte Lebenswege.
  • Berufliche Veränderungen, eigene Kinder und möglicherweise noch Wohneigentum sorgen für neue Herausforderungen.
  • Zärtlichkeit und Sexualität bekommen für den Partner eine andere Bedeutung und einer von beiden „kommt zu kurz“.
  • Konflikte lassen sich nur noch schwer oder gar nicht mehr klären und belasten die Partnerschaft dauerhaft.
  • Im Spannungsfeld zwischen den Konfliktthemen und den veränderten persönlichen Interessen gelingt die Kommunikation nicht mehr wie früher und die Gespräche werden kürzer und schwieriger.

https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant_paare.php

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Wie gewohnt in 11-jähriger Tradition auf der Hohgant-Hütte

Das Leben lieben lernen – Gewaltfrei leben – Die Schneeschuhwanderung für Einzelpersonen und Paare mit allgemeinen Lebens-Themen im GFK-Seminar.

Zwei Dinge beschäftigen die meisten Menschen:

  • Wie kann ich sagen, was ich denke und mir gleichzeitig die Kooperation meines Gegenübers erhalten?
  • Wenn ich keinen Einfluss auf das Verhalten meines Gegenübers habe, wie kann es mir gelingen, mich selbst nicht zu ärgern?

29.02.-04.03.2020 auf der Hohganthütte bei Interlaken im Naturpark Berner Oberland

https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant.php

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23.-28.08.2020 Bildungsurlaub des Bildungsforum für Lernwelten in Bonn 5 Tage Führungs-Training (GFK) „Den Führungsalltag souverän meistern“ am Jadebusen im Tagungshotel Kunze-Hof

27.09.-02.10.2020 Bildungsurlaub des Bildungsforum für Lernwelten in Bonn 5 Tage Gewaltfreie Kommunikation am Ammersee bei München

25.-30.10.2020 Bildungsurlaub des Bildungsforum für Lernwelten in Bonn 5 Tage Gewaltfreie Kommunikation auf der Nordseeinsel Spiekeroog

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Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

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