399/2019 Der Unterschied zwischen Hören, Hinhören und Zuhören

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die vergangene Ausgabe hatten wir dem Thema „Zuhören“ gewidmet und in dieser Ausgabe gibt es aus unserer Sicht noch etwas Spannendes dazu. Bei unserer Themen-Recherche sind wir inspiriert worden von Hildegard Knill. Sie beschreibt „Zuhören“ als eine besondere Qualität des Hörens in Abgrenzung von „Hören“ und „Hinhören“.

Herzliche Grüße, heute von uns beiden aus dem Werratal

Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Der Unterschied zwischen Hören, Hinhören und Zuhören

Zitat: Heute mal ein Gedicht vom Zuhören:

Zuhören heißt:
hin-hören;
inne-werden;
den, dem man zuhört,
an-nehmen,
gelten lassen,
ernst nehmen.

Ein Mensch,
der zuhören kann,
hat Seltenheitswert.
Manchmal kann einer,
der zuhört,
wichtiger sein
als ein Stück Brot.

Quelle unbekannt

Beispiel: Ein Mann, der die andauernden Streitigkeiten mit seiner Frau nicht länger ertragen konnte, bat einen Meister um Rat: „Kaum macht einer von uns den Mund auf, unterbricht ihn der andere schon. Ein Wort – dann haben wir gleich wieder Streit miteinander, und jeder von uns ist mürrisch und schlecht gelaunt“, sagte der Mann. „Dabei lieben wir uns doch, aber so kann es nicht weitergehen. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll.“

„Du musst lernen, Deiner Frau zuzuhören,“ sagte der Meister. „Und wenn Du sicher bist, dass Du diese Regel beherrscht, dann komm wieder zu mir.“ Nach drei Monaten sprach der Mann wieder beim Meister vor und erklärte, er habe jetzt gelernt, auf jedes Wort, das seine Frau sagt zu hören.

„Gut“, sagte der Meister mit einem Lächeln. „Wenn Du in einer glücklichen Ehe leben willst, musst Du jetzt noch lernen, jedes Wort zu hören, das sie nicht sagt.“

(Herbert Lechleitner)

Information: Man könnte meinen, dass Verständigung dann als schwierig erlebt wird, wenn man sich nur unzureichend auszudrücken vermag. Doch das ist nur ein Teil, der betrachtet werden kann und zielt auf den Sender der Botschaft. Es gibt jedoch auch den Empfänger einer Nachricht und aus unserer Sicht kann das Miteinander reden auch beeinträchtigt sein, weil wir eben nur miteinander reden und nicht aufeinander hören. Das Hören wird viel zu oft vernachlässigt. In der Gewaltfreien Kommunikation sehen wir Unterschiede zwischen Hören, Hinhören und Zuhören.

Beim Hören ohne Hinhören ist man mit sich selber beschäftigt. Sporadisch folgt man dem Gespräch und nur solange, bis selbst geredet werden kann. Die Aufmerksamkeit liegt nicht vordergründig auf dem Gesprächsinhalt, sondern auch in der Beschäftigung, mit den eigenen Gedanken und der Gelegenheit, zu Wort zu kommen.

Beim Hinhören ohne Zuhören nimmt man auf, was die andere Person sagt. Man hört die Worte an sich, jedoch fehlt der Fokus auf die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers. Die Gefühle und Bedürfnisse werden häufig zwischen den Zeilen ausgedrückt und bedürfen einer speziellen Aufmerksamkeit, Fähigkeit und Bereitschaft sich diesen zuzuwenden. Hinhören bedeutet, sich eher passiv zu verhalten und die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner reden zu lassen.

Beim Zuhören wird dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu Teil. Neben dem Inhalt, wird auf die Zwischentöne geachtet. Der Fokus liegt auf Gefühlen und Bedürfnissen, kann aber auch die anderen zwei Elemente der vier Schritte beinhalten, wie die Beobachtungen und Bitten des Sprechenden. Dies ist der aktive Teil. Durch Haltung und Reaktion wird dem Gesprächspartner mitgeteilt, dass es im Moment nichts Wichtigeres gibt, als sie oder ihn. Das heißt, man folgt dem, was der andere sagt und parkt seine eigenen Anliegen und Befindlichkeiten.

Zum „Sofort-Üben“: Wenn jemand sagt: „Du bist so rücksichtslos.“, oder wenn jemand sagt: „Du bist so egoistisch.“ Was könnte man beim Zuhören für eine dahinterliegende Botschaft entdecken? (Unsere Gedanken finden Sie dazu am Ende des Coachingbriefes.)

Wochenaufgabe: Nehmen Sie sich diese Woche einmal die Zeit um herauszufinden, wann hören Sie, wann hören Sie hin und wann hören Sie zu? Machen Sie gern gedanklich eine Strichliste dazu. Welche Art des Hörens überwiegt?

Aktuelles: Wenn auch Sie Ihr Zuhören weiter trainieren und ausbauen wollen, so nutzen Sie unsere Vertiefungsseminare in Jena und Berlin. Oder Sie nutzen unseren Jahreskurs und steigen ein in das intensive Zuhören können bei sich selbst und anderen.

Die Planung unserer Jahresausbildung in 2020 steht fast vollständig und wir möchten unseren Interessenten schon mal die gedankliche Beschäftigung damit ermöglichen:
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m10_jahresausbildung_gfk.php

Termine im Jahr 2019

http://www.ab-ins-kloster.de

21.09.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage (ausgebucht, Warteliste)

06.10.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum (ausgebucht, Warteliste)

13.- 19.10.2019 Familienfreizeit im Schiefergebirge in Lehesten – 7 Tage (Infos sh. Anlage)

15.11.2019 Workshop Wut und Würde in Naumburg
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m03_wut_wuerde_gfk.php

16.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
29.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage

Was sagen Sie zu unserem Coachingbrief?
Wir freuen uns, wenn Ihnen dieser Coachingbrief gefällt und Sie ihn an Interessierte weiterleiten. Neue Leserinnen und Leser können sich hier in den Verteiler für den direkten Empfang per Mail eintragen:
http://www.coaching-briefe.com

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Gedanken zum Sofort-Üben: „Du bist so rücksichtslos.“ Mögliche (Wir wissen es nicht, sondern können es nur vermuten.) Botschaft dahinter: Ich bin sauer, oder frustriert, weil ich mir mehr Rücksichtig wünsche.

Wenn jemand sagt: „Du bist so egoistisch.“ Mögliche Botschaft dahinter: Ich bin empört oder verletzt, weil mir wichtig, dass in einer Partnerschaft die Bedürfnisse gleichermaßen zählen. Bei Dir wie bei mir.

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