394/2019 Wie kann ich Vielredner unterbrechen

Liebe Leserin und lieber Leser,

in der letzten Ausgabe hatten wir angekündigt, Ihnen ein paar Beispiele dafür zu senden, wie unter Mithilfe Gewaltfreier Kommunikation, in Politik und Wirtschaft sozialer Wandel geschehen kann. Vorab werden wir uns noch bei den in den Projekten involvierten Kollegen nach dem neuesten Stand erkundigen, damit wir Ihnen aktuelle Infos dazu geben.

Daher in dieser Ausgabe eine Antwort auf eine Leserfrage. Eine Frage, die auch in Seminaren immer wieder gestellt wird. Wir wünschen Freude und Erkenntnisse bei der Lektüre.

Herzliche Grüße aus Jena und Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Wie kann ich Vielredner unterbrechen?

Zitat: „Gott weiß alles – aber er spricht nicht. Manche Menschen scheinen nichts zu wissen – versuchen aber alles zu sagen.“
(Gesehen auf www.pinterest.de)

Beispiel: Eine Leserin ist anlässlich geschäftlicher Veranstaltungen manchmal mit Menschen zusammen, die sie nach eigenen Worten als „nervige Schwätzer“ ansieht. Am liebsten würde sie weggehen und diese Menschen stehenlassen, doch der Zweck des Anlasses ist ja gerade Small-Talk und das gegenseitige Kennenlernen. Es fällt ihr jedoch zunehmend schwerer, diesen Menschen zuzuhören und dabei freundlich zu lächeln.    

Information: Marshall Rosenberg reagierte auf die Frage, wann man einen Vielredner sinnvollerweise unterbricht, oft mit einer klaren Antwort:
„Sobald Du einen Satz mehr gehört hast, als Du hören wolltest.“

Er empfahl auch, das was man sagen möchte, möglichst in nicht mehr als 40 Worten auszudrücken, „weil einem danach eh keiner mehr zuhöre“. Viele Menschen überschreiten diese Wortgrenze deutlich. Und viele Menschen weisen nicht darauf hin, dass sie am Gesagten kein Interesse haben. Das gibt den Menschen, die sich weiter mitteilen möchten den Raum, dies weiter zu tun. Und die Zuhörer bekommen währenddessen Gefühle, die deutlich anzeigen, dass sich Bedürfnisse bei Ihnen nicht erfüllen. Und doch hören sie weiter zu.

Warum unterbrechen Menschen andere Menschen nicht, wenn sie das Gesagte nicht länger hören möchten? Den wesentlichen Grund dafür weiter zuzuhören, sehen wir in diesem Bedürfnis (bezogen auf den oben genannten beruflichen Kontext):

  • Man möchte die (äußere) Harmonie zum Gegenüber wahren.
    (Wobei dieses „Harmonie wahren“ möglicherweise auch kein Bedürfnis ist, sondern eher eine Strategie zu Wahrung eines anderen Bedürfnisses.):
  • Man wähnt sich von der Wertschätzung und der Zugewandtheit des Gegenübers abhängig und möchte die Sicherheit eines „intakten Geschäfts-Kontaktes“ bewahren.

„Gewaltfreies Unterbrechen“ – kann helfen, dieses Dilemma aufzulösen. In einer Haltung von Freundlichkeit und Respekt gegenüber dem „Vielredner“ und mit einem Lächeln ausgesprochen, dient gewaltfreies Unterbrechen nach unserer Erfahrung dazu, Kontakte stabil zu halten, indem man das Gegenüber eben nicht als „Vielredner weiter erträgt“, sondern sich für die eigenen Bedürfnisse einsetzt.

Das trägt dazu bei, die Urteile (Vielredner, Schwätzer…) wieder ziehen zu lassen und Gefühle von Frust und Ärger verschwinden ebenfalls oft schnell wieder, denn sie haben ja ihre Aufgabe als Hinweisgeber für die unerfüllten Bedürfnisse des Zuhörers geleistet.

Zum „Sofort-Üben“: Wie kann man „Vielredner“ gewaltfrei unterbrechen? (Unser Vorschlag steht am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Üben Sie. Probieren Sie die empfohlenen Formulierungen aus, sobald Sie bemerken, dass Sie in Situationen, in denen andere Menschen mehr sagen, als Sie hören möchten, Ärger erleben und Urteile über „Vielredner“ im Kopf haben.

Aktuelles:
Termine im Jahr 2019

https://www.ab-ins-kloster.de

14.06.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage
21.09.2019 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
06.10.2019 Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum (ausgebucht, Warteliste)
13.-19.10.2019 Familienfreizeit im Schiefergebirge in Lehesten – 7 Tage (Infos sh. Anlage)
16.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena – 2 Tage
29.11.2019 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Berlin – 2 ½ Tage

Was sagen Sie zu unserem Coachingbrief?
Wir freuen uns, wenn Ihnen dieser Coachingbrief gefällt und Sie ihn an Interessierte weiterleiten. Neue Leserinnen und Leser können sich hier in den Verteiler eintragen:
http://www.coaching-briefe.com

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Gedanken zum Sofort-Üben:
Mit diesen Sätzen können Sie gewaltfrei unterbrechen. Auch das erfordert vielleicht Mut – aber es lohnt sich:

„Ich interessiere mich nicht so sehr für XY. Können wir nicht das Thema wechseln? Ich würde Ihnen gern mal erzählen, wie ich… Hören Sie mir zu?“

„Ich möchte mit Ihnen lieber über etwas anderes sprechen. Und zwar über XY. Interessiert Sie das auch?“

„Ich habe jetzt mehr über XY gehört, als ich verdauen kann. Ich möchte gern das Thema wechseln. Mir fällt zum Beispiel gerade ein…“

„Ich unterbreche Sie jetzt mal, denn ich möchte auch etwas zu dem Thema XY sagen. Hören Sie mir für einen Moment zu?“

„Ich unterbreche Sie jetzt mal, denn ich möchte auch gern die Meinung der Anderen in unserer Runde zu diesem Thema hören. Wer möchte noch etwas dazu sagen?“

2 Gedanken zu “394/2019 Wie kann ich Vielredner unterbrechen

  1. Hallo Frau Palitza,
    um Vielredner zu unterbrechen ohne zu verletzen und um zu erreichen, dass eigene Bedürfnisse gut formuliert werden können, hat sich eine Methode bewährt die jeder einfach erlernen kann. Beispiel: „Herr/Frau …..Ich möchte Sie kurz unterbrechen. Sie haben gerade soviel über XY gesprochen, da drängen sich bei mir einige Gedanken auf. Ich möchte Sie (oder/und die Anderen) noch zu CZ oder OL informieren.“
    Methode: W-W-W — Wahrnehmung-Wirkung-Wunsch

    Herzliche Grüße Klaus-Peter

    Liken

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