366/2018 Kann man für Frieden kämpfen?

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

bereits beim Verfassen des letzten Coachingbriefes anlässlich des Todes von Klaus Karstädt sprachen Anja und ich darüber, dass die Verwendung des Zitates bei unseren Lesern zum Auslöser von Verwunderung und Irritation werden könnte. Insofern freuen wir uns über die Rückmeldungen, denn was einige Leser schreiben, denken möglicherweise viele Leser ohne es zu schreiben.

Und so bieten uns Ihre Zuschriften gleich ein neues Coachingbrief-Thema.

Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus Jena
Anja Palitza & Olaf Hartke

PS: Und – ja, das gewählte Zitat kann im Kontext Gewaltfreier Kommunikation sehr leicht irritieren und verwundern.

Thema: Kann man für Frieden kämpfen?

Zitat: „Normalerweise können zwei Menschen einfach durch ihre Gegenwart miteinander kommunizieren. Wenn das fehlschlägt, sind Worte ein letztes Mittel.“
(Yogi Bhajan)

Beispiel: „Es macht mir nichts aus, wenn ich falle; solange jemand anderes mein Gewehr aufhebt und weiterschießt.“ (Che Guevara)
Im letzten Coachingbrief haben wir im Text dieses Zitat verwendet, das mehrere Leser veranlasste, uns zu schreiben. Zum einen wurde die Frage gestellt, wie wir es im Zusammenhang mit Gewaltfreier Kommunikation sehen; zum anderen wurde uns mitgeteilt, dass man das Zitat in diesem Zusammenhang als unpassend ansieht. Für den Frieden könne man nicht in einen Krieg ziehen, dass passe nicht zueinander und gerade mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation setzte man sich doch eher für einen friedvollen Weg, als für einen Kämpferischen ein – so fassen wir die Rückmeldungen mal zusammen.

Information: Uns geht es so, Ihnen vielleicht ebenfalls: Wer Gewaltfreie Kommunikation lernt, bevorzugt, um Veränderungen im Kleinen wie auch im Großen herbeizuführen, einen Weg der Gewaltlosigkeit und des Verzichts auf Strategien, die Waffen, Kampf und Krieg beinhalten. Ich vermute, darin sind wir (diejenigen, die sich diesem Modell zugewendet haben) uns einig.

Weshalb haben wir trotzdem dieses Zitat gewählt, in das man so leicht einen Aufruf zur Gewalt interpretieren kann?

Worte und auch die Zusammenfügung von Worten zu Sätzen, können mindestens zwei Bedeutungen haben: Einmal die Bedeutung, die der Absender darin sieht und zum anderen die Bedeutung, die der Empfänger der Nachricht den Worten und Sätzen gibt.

Das Worte und Sprache letztlich nur unzureichende Hilfsmittel sind, um die „gemeinte“ Bedeutung des Absenders zu transportieren, beweisen die vielen Missverständnisse und Streitigkeiten, die Menschen in Beziehungen, Familien, Unternehmen und Politik haben. Genau genommen überall dort, wo mindestens zwei Menschen zusammentreffen und in einen Austausch treten, wird versucht, dem Gegenüber etwas von der eigenen Befindlichkeit, den eigenen Absichten oder den eigenen Überzeugungen verständlich zu machen.

Gemäß der kubanischen Weisheit „Jeder Kopf ist eine Welt.“, können natürlich die individuellen Befindlichkeiten, Absichten und Überzeugungen eines Menschen eine gewisse Komplexität haben. Wenn man dann versucht, diese komplexen Bedeutungen durch etwas vergleichsweise Einfaches wie Sprache zu transportieren, mit dem Ziel, dass auf der Empfängerseite die gleiche Bedeutung verstanden wird, ergeben sich gewisse „Verlustrisiken“. Und die erzeugen dann die oben erwähnten „Miss-Verständnisse“. („Andersverständnisse“ wäre in diesem Zusammenhang auch ein Wort, das uns gefällt.)

Nutzt man mehr Worte und mehr Sätze, um die Bedeutung zu transportieren, kann das gemeinsame Verständnis größer ausfallen. Wir wagen mal den Versuch, dem Che-Guevara-Zitat durch mehr Sprache und andere Worte auch mehr von unserer Bedeutung zu geben:

„Es macht mir nichts aus, wenn ich falle… „Es gibt etwas, dessen Umsetzung halte ich für die Menschheit gesehen für viel wichtiger, als mich selbst. Unter dieser Prämisse kann ich dem Ende meines Lebens gelassen entgegensehen…
…solange jemand anderes mein Gewehr aufhebt… …wenn ich weiß, das andere mein Wirken mit den von mir gewählten Mitteln fortsetzen…
…und weiterschießt.“ …und die Menschen weiter darüber informieren und darin ausbilden, wie sie sich besser verstehen können.“

Hat der rechte Text für Sie als Leser eine andere Bedeutung?

Wir vermuten ja, denn allein die Begriffe „fallen“, „Gewehr“ und „weiterschießen“ haben Sie vielleicht beim Lesen ganz andere Assoziationen bilden lassen und dadurch für ein ganz anderes Verständnis gesorgt.

Der Titel dieses Coachingbriefes lautet „Kann man für Frieden kämpfen?“

Geben wir dem Verb „kämpfen“ die Bedeutung „Handgreiflich oder sogar bewaffnet in tätlichen Kontakt mit einem Gegner treten.“, dann würden wir die Frage mit „Nein“ beantworten.

Geben wir dem Verb „kämpfen“ die Bedeutung „Sich unter Einsatz aller Kräfte fortgesetzt bemühen, etwas Bestimmtes zu erreichen.“, dann sagen wir: „Ja, man kann für Frieden kämpfen.“

Wir finden: Ein schönes Beispiel dafür, dass Kommunikation auch eine Art von Gratwanderung ist. Sowie auf beiden Seiten des Berg-Grates verschiedene Landschaften liegen können, haben wir neben dem „Kommunikations-Grat“ auf beiden Seiten verschiedene Verständnisse.

Zum „Sofort-Üben“: Heute mal ein Sprach-Rätsel, bzw. eine Übung im Erkennen von verschiedenen Bedeutungen. Welche Bilder haben Sie bei diesen Begriffen vor Augen:

Ball, Bank, Erde, Geist, Hahn, Kiefer, Länge, Lehre, Leiter, Mutter, Otter, Reif, Schild, Schloss, Steuer, Stimme, Strauß, Strom, Tau, Tor, Verdienst.

Wochenaufgabe: Achten Sie in dieser Woche einmal darauf, welche verschiedenen Bedeutungen Sie bestimmten Aussagen geben können. Gerade dann, wenn Sie „Vorwürfe“ als eine Möglichkeit der Bedeutung einer Aussage hören, kann es hilfreich für Ihre emotionale Stabilität sein, auch eine andere Bedeutung erkennen zu können. Beispielsweise die des Bedürfnisses. Der Satz „Los, nun mach mal schneller.“, klingt in der Bedeutung als Appell wie ein Vorwurf. Auf der Bedürfnis-Ebene hat er eher die Bedeutung eines Selbst-Ausdrucks: „Ich habe es sehr eilig.“

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Aktuelles: Wenn Sie aus alten behindernden Handlungsmustern aussteigen möchten, dann kommen Sie zu unserem Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation vom 26.-27. Januar 2018 in Arnsberg. Beginnen Sie, bewusster zu leben und lernen Sie, wie Sie schneller zu sich und anderen eine Verbindung aufbauen können.

Information und Anmeldung

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Die Hohgant-Termine in 2019

22.-26.02.2019 – NEU – zum 10-jährigen Jubiläum auf der Hohgant-Hütte
Exklusiv für Paare – Die Schneeschuhwanderung mit Paar-Themen im GFK-Seminar

Information und Anmeldung

27.02.-03.03.2019 – Wie gewohnt in 10-jähriger Tradition auf der Hohgant-Hütte

Das Leben lieben lernen – Gewaltfrei leben – Die Schneeschuhwanderung für Einzelpersonen und Paare mit allgemeinen Lebens-Themen im GFK-Seminar

Zwei Dinge beschäftigen die meisten Menschen:
Wie kann ich sagen, was ich denke und mir gleichzeitig die Kooperation meines Gegenübers erhalten?
Wenn ich keinen Einfluss auf das Verhalten meines Gegenübers habe, wie kann es mir gelingen, mich selbst nicht zu ärgern?

Information und Anmeldung

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Webinar zum Thema „Systemisch Konsensieren“
Wie können tragfähige Entscheidungen in Gruppen getroffen werden, die mit einer möglichst hohen Akzeptanz aller einhergeht?

Informationen auf diese Frage erhalten Sie in einem Webinar am
Montag, 26.11.2018 um 18.00 Uhr oder
Mittwoch, 05.12.2018 um 18.00 Uhr

Zur Anmeldung: https://www.edudip.com/w/312740

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Adventskalender 2019

Es gibt auch dieses Jahr wieder einen GfK-Adventskalender. So erwarten Sie im Dezember an 24 Tagen Kurzimpulse zum Thema Gewaltfreie Kommunikation. Anmeldungen unter folgendem Link möglich:
https://www.gewaltfrei-online.de/advent-anmelden/

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Unsere Vorschläge:

Eine Liste von „Homonymen“ (gleiches Wort für verschiedene Bedeutungen); hatten Sie beide Bedeutungen als geistiges Bild vor den Augen?

Ball               Spielgerät oder festliche Feier?

Bank             Sitzmöbel oder Geldinstitut?

Erde              Boden oder Planet?

Geist             Gespenst oder Intellekt?

Hahn             Wasserentnahmestelle oder männliches Huhn?

Kiefer            Baum oder Gesichtsteil?

Länge            Räumliche Entfernung oder zeitliche Dauer?

Lehre            Ausbildung oder wissenschaftliches Dogma?

Leiter            Steighilfe oder Anführer?

Mutter           Eine Mama oder ein Gegenstück für die Schraube?

Otter             Ein Tier aus der Marder-Familie oder eine Schlangenart?

Reif               Ring oder Eiskristalle?

Schild            Hinweistafel oder mittelalterlicher Körperschutz?

Schloss          Bauwerk oder Türverriegelung?

Steuer           Geld für den Staat oder Lenkvorrichtung?

Stimme         Klang des Menschen oder Votum bei einer Wahl?

Strauß           Blumengebinde oder Federtier?

Strom           Fluss oder Elektrizität?

Tau               Seil oder Niederschlag

Tor                Eingang oder törichter Mensch?

Verdienst       Einkommen oder anerkennenswerte Leistung?

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