288/2017 Sei nicht nett, sei echt

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

hier ist der Coachingbrief für diese Woche und wir wünschen Ihnen eine Woche voller Leben und Lernen auf neuen Wegen – zum Beispiel über die Ohren von Giraffen und Wölfen.

Herzliche Grüße von uns beiden, diese Woche aus Wendisch-Waren in Mecklenburg
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Sei nicht nett, sei echt

Zitat: „Warum willst du in deinem Leben jegliches Unbehagen, jeglichen Kummer und jegliche Krise ausschließen? Schließlich weißt du nicht, welches Werk diese Umstände in deinem Inneren vollbringen. Vielleicht sind all diese Drachen unseres Lebens in Wirklichkeit Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einst schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schlimme in seinem tiefsten Sein etwas Hilfloses, das Hilfe von uns möchte.“ (Rainer Maria Rilke)

Beispiel: Meike kommt am Montag nach einem Bildungsurlaub zurück zur Arbeitsstelle. Sie ist noch ganz beschwingt von den Eindrücken, die sie dort gesammelt hat und sie hat sich fest vorgenommen, die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation umzusetzen. Am Nachmittag sieht sie eine erste Möglichkeit, dies zu tun. Ihre Kollegin Ute erscheint nicht zur vereinbarten Zeit zum Teamgespräch und als sie mit einer viertel Stunde Verspätung kommt und beide zu planen beginnen, klingelt Utes Telefon und sie geht ran und telefoniert eine weitere viertel Stunde. Dabei bleibt sie im Raum von Meike, so dass diese nicht für sich selbst weiterarbeiten kann.

Nach dem Telefonat spricht Meike sie an: „Damit, dass Du eine viertel Stunde später gekommen bist als vereinbart und nun dazu noch eine viertel Stunde unserer Zeit vertelefoniert hast, bin ich gerade genervt und frustriert, weil ich effizient arbeiten möchte und mir unter Kollegen eine Rücksichtnahme auf die Pläne anderer einfach grundlegend wichtig ist. Und bevor ich hier mit Dir konstruktiv weiterarbeiten kann, würde es mir helfen, wenn ich von Dir erfahren würde, wie Du das siehst. Ist es Dir unter Kollegen auch wichtig, dass wir…“

Information: Gewaltfreie Kommunikation wir oft gleichgesetzt mit der Idee, immer nett zu sein und keine Konfrontationen mehr zu haben. Dies sehen wir anders. Für uns bedeutet Gewaltfreie Kommunikation, dass wir uns authentisch zeigen und auch für eigene Interessen und Bedürfnisse einstehen. Das erfordert auch immer wieder ein beharrliches Dranbleiben an bestimmten Themen, den Mut, sich zu zeigen und sich dem anderen mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zuzumuten.

Vielleicht denken Sie als Leser nun, dass das doch im Alltag sowieso passiert, dass andere sich uns zumuten und sich beharrlich für ihre Interessen einsetzen.

Der wesentliche Unterschied liegt für uns darin, dass wir die eigenen Bedürfnisse nicht höherstellen, als die der anderen. Unter dem Gesichtspunkt bedeutet Gewaltfreiheit für uns:

Die Bedürfnisse anderer genauso wichtig zu nehmen, wie meine eigenen.
Meine Aufmerksamkeit auf meine Gefühle und Bedürfnisse zu legen und auch auf die der Anderen.
Mich jeglichen Impulses, andere zu bestrafen oder zu belohnen, zu enthalten.

Zum „Sofort-Üben“: Führen Sie doch mal in Gedanken das Gespräch fort. Allerdings nicht als Meike, sondern nehmen Sie mal Utes Standpunkt ein.  

Wie würden Sie als Ute reagieren, wenn Sie denken, Meike habe mit ihrer Ansprache einen Fehler gemacht?
Und wie würden Sie reagieren, wenn Sie denken, Sie selber hätten mit dem Telefonat einen Fehler gemacht?
Und wie würden Sie reagieren, wenn Sie mit sich und Meike empathisch verbunden wären?
(Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: In welchen Situationen Ihres Lebens würden Sie gerne etwas ansprechen und haben bislang vermieden, sich anderen damit zu zumuten? Vielleicht, weil Sie gedacht haben, das habe nur etwas mit Ihnen zu tun und gehe den anderen nichts an. Oder vielleicht haben Sie es nicht angesprochen, weil Sie befürchten, es könne nur Ärger mit sich bringen. Gleichzeitig merken Sie jedoch auch, dass es die Beziehung zum Anderen beeinträchtigt. Probieren Sie in einem geschützten Rahmen einmal aus, es anzusprechen. Z.B. in einem Rollenspiel mit einem Freund/einer Freundin oder in einer Übungsgruppe.

Aktuelles: Mit Freude möchten wir Ihnen unseren Vertiefungskurs Gewaltfreie Kommunikation in Jena ans Herz legen. Er findet am 11./12. November statt. Nach unserem letzten Coachingbrief sind bereits zahlreiche Anmeldungen eingegangen. SICHERN SIE SICH SCHNELL NOCH EINEN DER VERFÜGBAREN PLÄTZE! Bei Interesse findet Ihr nähere Informationen unter:

http://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: „Damit, dass Du eine viertel Stunde später gekommen bist als vereinbart und nun dazu noch eine viertel Stunde unserer Zeit vertelefoniert hast, bin ich gerade genervt und frustriert, weil ich effizient arbeiten möchte und mir unter Kollegen eine Rücksichtnahme auf die Pläne anderer einfach grundlegend wichtig ist. Und bevor ich hier mit Dir konstruktiv weiterarbeiten kann, würde es mir helfen, wenn ich von Dir erfahren würde, wie Du das siehst. Ist es Dir unter Kollegen auch wichtig, dass wir…“

Wolfsohren außen (Mit dem Anderen stimmt etwas nicht, er macht gerade etwas falsch.):

Jetzt mir auch noch Vorwürfe machen. Du weißt doch, dass ich hier alles zu koordinieren habe. Stell Dich nicht so an. Ich brauche auch Rücksicht von Dir. Und ich dachte, Du kommunizierst jetzt gewaltfrei?

Wolfsohren innen (Mit mir stimmt etwas nicht, ich mache gerade etwas falsch.):

Ohje, entschuldige bitte. Wie unachtsam ich doch war. Ich habe einfach zu viel zu tun und schaffe es nicht allen gerecht zu werden.

Giraffenohren innen (Mit mir verbunden, ich nehme meine Gefühle und Bedürfnisse wahr. Oft ein stiller Prozess.):

Ich bin erschrocken bei der Aussage meiner Kollegin. Mir ist auch Rücksichtnahme wichtig unter uns Kollegen. Und gleichzeitig würde ich gerne alle meine Aufgaben so gut ich es kann zeitnah erfüllen und damit dazu beitragen, dass jeder effektiv weiterarbeiten kann. Dafür brauche ich auch Verständnis und Rücksicht.

Giraffenohren außen (Mit dem anderen verbunden. Ich höre auf die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen, meine Vermutungen können je nach Bedarf ausgesprochen werden.)

Ich vermute, dass Meike ganz schön genervt und frustriert ist. Ihr ist ein effektives Arbeiten wirklich wichtig und sie braucht wahrscheinlich Verlässlichkeit und Unterstützung durch die Einhaltung von Terminen. Vielleicht ist ihr auch wichtig, dass gesehen wird, dass sie auch einen Plan verfolgt und bemüht ist, ihre Zeit so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Vielleicht will sie auch zufrieden den Tag abschließen mit einem bestimmten Arbeitsendergebnis.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s