270/2017 Ein sonniger Sonntag im Januar

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

hier ist der Coachingbrief für diese Woche.

Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus dem sonnigen Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Ein sonniger Sonntag im Januar

Zitat: „Wenn Du sie nicht durch Kompetenz beeindrucken kannst, dann verblüffe sie mit Blödsinn.“ (Jerry Lewis)

Beispiel: Ein Sonntagmorgen im Januar. Die Sonne scheint warm vom strahlendblauen Himmel herab auf die Schneereste draußen im Garten. Vogelgezwitscher ist zu hören; die winterliche, aber warme Luft erinnert schon an Frühling. Ein Paar sitzt am weit geöffneten Fenster nebeneinander auf zwei Stühlen und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Beide träumen vor sich hin und genießen die Wärme.

Nach etwa einer halben Stunde fragt er sie: „Was schreiben wir denn heute?“
Sie: „Weiß nicht.“
Pause.

Er nach einigen Minuten: „Ich hab‘ keine Idee. Ich möchte auch heute  noch irgendwie Sport machen.“
Keine Antwort von ihr.
Er: „Hallo? Hast Du mich gehört?“
Sie, schmunzelnd: „Ja. Aber ich habe keine Bitte gehört.“
Weitere zehn Minuten Pause.

Sie: „Es wäre schon ganz gut, wenn wir heute noch was schreiben würden, statt morgen zwischen den Terminen.“
Keine Antwort von ihm.
Sie: „Hallo, hörst Du mir zu?“
Er: „Ja. Aber ich habe auch keine Bitte gehört.“

Beide schweigen daraufhin und genießen weiter die Sonne.

Nach fünf Minuten Schweigen:
Sie: „Und was schreiben wir nun?“
Er: „Ich hab‘ da eine Idee.“

Dann holt er seinen Laptop an das gemütliche, sonnige Fleckchen und beginnt zu schreiben.

Und wenn den beiden  außer der spontanen Idee nichts informativeres, tiefsinnigeres, nachdenklich machenderes, bereichernderes, berührenderes, richtungsgebenderes oder sonstwie coachingbriefgeeigneteres mehr eingefallen ist, dann lesen Sie heute diese Zeilen und wissen, die beiden haben sich noch einen schönen Tag gemacht.

Information: Welche Coachingbrief-Themen könnte man nun aus dem kurzen Dialog ableiten und bearbeiten?

Die für uns darin offensichtlichen Themen „Bitten stellen“ und „auf Bitten reagieren“ böten sich an. Dann würden wir etwas darüber schreiben, dass es nach dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation keinen Grund gibt, auf eine Aussage mit einer Handlung zu reagieren, wenn man keine klare Bitte und Aufforderung gehört hat. Denn bei reinen Äußerungen auf der Wunsch- oder Bedürfnisebene ist es schwierig zu erraten, was der andere nun konkret möchte oder vorschlägt.

Ein weiteres mögliches Thema wäre eine Übung zu Bedürfnissen. Dann könnte man überlegen, welche Bedürfnisse sich die beiden gerade erfüllen, wenn sie am Fenster sitzen. Und welche Bedürfnisse es erfüllen würde, wenn sie sich stattdessen der Aufgabe des Schreibens zuwenden würden.

Daraus ließe sich auch das Thema Work-Life-Balance ableiten und wir würden erläutern, weshalb wir diese Begriffswahl überhaupt nicht mögen, denn wir fragen uns, warum in der Aufgabe eine Balance zwischen Arbeit und Leben herzustellen, die Arbeit anscheinend nicht als Teil des Lebens gesehen wird. Work-Relaxation-Balance würden wir es nennen und um Anglizismen zu vermeiden besser gleich Arbeits-Entspannungs-Ausgewogenheit.

Das wiederum zöge das Thema „Sinn in der beruflichen Arbeit“ nach sich und wir würden unsere Ansicht darlegen, dass es unseres Erachtens überhaupt nur Sinn ergibt, zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden und um einen strikten Ausgleich bemüht zu sein, wenn die selbstgewählte Erwerbstätigkeit noch nicht alle Bedürfnisse erfüllt.

So kommt man dann bei der Themenfindung  vom Hölzken auf Stöcksken, wie wir in Westfalen sagen und dann gelingt es in der verbleibenden Zeit bis zum Sonnenspaziergang nicht mehr, sich für ein Thema zu entscheiden und dies zu vertiefen.

Zum „Sofort-Üben“: Welche Bedürfnisse könnten sich die Coachingbrief-Autoren erfüllt haben, wenn sie diesen Text tatsächlich versenden?
(Unseren Vorschlag finden Sie am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Gibt es in der kommenden Woche Alltagssituationen, die sie gern einmal unter dem Blickwinkel der Gewaltfreien Kommunikation sehen würden? Schreiben Sie uns ein Beispiel und wir gehen in den kommenden Ausgaben darauf ein. (Zumindest auf die ersten eingehenden Vorschläge; wir wollen ja unsere Work-Life-Balance im Griff behalten. Wie gesagt, wenn es so etwas überhaupt gäbe 😉

Aktuelles:
Termine für 2017 finden Sie hier www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

 

Unser Vorschlag:

Folgende Bedürfnisse haben sich bei dieser Art von Coachingbrief-Schreiben erfüllt:

Freude an der Spontanität und dem Flow beim Schreiben,
Humor und Leichtigkeit,
Vorfreude auf mögliche Reaktionen der Leser
Erleichterung und Gewissheit, dass eine Aufgabe von Morgen schon erledigt ist.

 

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