257/2016 Grenzen der Gewaltfreien Kommunikation

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

eine Leserin inspirierte uns zu diesem Coachingbrief, in dem sie uns nach den Grenzen der Gewaltfreien Kommunikation fragte.

Wir wünschen Ihnen eine Woche voller Leben und Lernen in und mit unseren momentanen Begrenzungen.

Herzliche Grüße von uns beiden aus Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

Zitat: „Man kann nicht aus der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation ‚herausfallen‘. Ich sehe es eher so, dass man sich in jedem Moment seines Lebens neu entscheidet, aus welcher Haltung heraus man reagieren möchte.“ (Klaus Karstädt)

Beispiel: Hans-Peter befindet sich in einem Vertiefungskurs für Gewaltfreie Kommunikation. Er übt gerade an einem eigenen Beispiel und freut sich über die von ihm formulierten vier Schritte, zu denen er vom Trainer gerade Zustimmung bekam.

Dann tritt Gabi zu ihrer Übungsrunde hinzu. Er sieht sie und in seinem Kopf bilden sich folgende Gedanken:

„Was ist das für eine. Jetzt kommt sie auch noch zu uns. Immer will sie alles besser wissen. Hat für alles eine Antwort. Denkt, sie kann als einzige GfK anwenden. Dabei ist sie so weit davon entfernt, wie ein Eskimo von der Sahara.“

Als er sich seiner Gedanken bewusst wird erschrickt er. Nun denkt es folgendes in ihm:

„Oh Mann, ich lerne es nie. Von wegen, ich kann gut Gewaltfreie Kommunikation. Da reicht schon allein die Anwesenheit eines Menschen aus und ich beginne zu verurteilen und abzuwerten. Was bin ich bloß für ein Versager. Aber Gabi hat es nun wirklich nicht verdient, dass ich gewaltfrei mit ihr umgehe. Ich müsste ihr sogar mal die volle Breitseite geben, damit sie merkt, wie verletzend sie ist.  – Moment mal. Ich bin echt ganz schön verletzt, weil ich in den Übungsrunden möchte, dass man achtsam und rücksichtsvoll miteinander umgeht. Ich forsche nach meinen Gefühlen und das ist so neu für mich.

Ob sie Freude daran hat, wenn sie beitragen kann? Vielleicht möchte sie ja wirklich etwas beitragen und sie bemerkt vielleicht nicht, was es bei mir auslöst? Ich glaube, ich rede mal mit ihr darüber.“

Information: Man könnte auch die Frage so stellen: Sind die Grenzen der gewaltfreien Kommunikation unsere inneren Begrenzungen? Die Gewaltfreie Kommunikation sehen wir als eine Haltung, für die wir uns in jedem Moment des Lebens entscheiden können. Doch manche Situationen überraschen uns und wir meinen, schnelle Entscheidungen treffen zu müssen. Oder wir sind emotional so bewegt, dass wir auf ältere Verhaltensmuster zurückgreifen. Diese sind dann oft mit einer anderen Haltung verknüpft und einem Denken in Kategorien von Richtig/Falsch und Gut/Böse. Gerade wenn Menschen emotional aufgewühlt sind und Gefühle erleben, die anzeigen das Bedürfnisse nicht erfüllt sind, dann ist meistens auch Unruhe im Gehirn. Gerald Hüther, der Neurowissenschaftler beschreibt es so:

Es ist wie in einem Fahrstuhl. Bei Übererregung im Gehirn betätigen wir den Fahrstuhl und rauschen in die Tiefen des Gehirns ab. Zuerst in das Limbische System mit Reaktionsweisen, wie z. B. Aufstampfen mit dem Fuß, Türen fester schließen, Anfangen zu putzen etc.

Und dann in das Stammhirn, wo wir nur noch die grundlegende Verhaltensmöglichkeiten Angriff, Flucht oder Erstarrung zur Verfügung haben.

Auf unser Frontalhirn mit all den neu gelernten Verhaltensweisen haben wir nur sehr eingeschränkt Zugriff. Neu entwickelte Verhaltensweisen und Überzeugungen können wir unter Stress erst dann wie automatisiert nutzen, wenn wir sie so intensiv eingeübt haben, dass sie zu einer unbewussten Kompetenz geworden sind. Sind wir mit den neuen Verhaltensweisen noch im Bereich der bewussten Kompetenz, brauchen wir erst wieder Ruhe im Gehirn, um unsere Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

Somit gibt es unseres Erachtens keinerlei Grenzen der Gewaltfreien Kommunikation. Als Haltung kann sie in jedem Moment gelebt werden und in jeder Situation eine Grundlage für eigene Entscheidungen sein. Jedoch gelingt es nicht immer, uns für die gewaltfreie Haltung zu entscheiden. Dafür können wir uns geißeln, bestrafen und damit hadern, doch damit wären wir auch nicht in der Haltung der gewaltfreien Kommunikation gegenüber uns selbst.

Zum sofort Üben:  Welche Haltungen finden Sie bei Hans Peter? (Unseren Vorschlag finden Sie am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Überlegen Sie, in welchen Momenten Sie sich nicht für die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation entscheiden konnten oder es Ihnen nicht gelang, sie sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Was sind dies für Situationen, beschreiben Sie eine davon ohne Bewertung als eine reine Beobachtung.

Wie geht es Ihnen jetzt, wenn Sie sich dies vergegenwärtigen? Und für welches Bedürfnis wollen Sie sich zukünftig einsetzen? Was wäre ein erster konkreter Schritt zu diesem Bedürfnis hin? Und wenn Sie sich jetzt ganz mit all Ihren Gefühlen und Bedürfnissen verbinden, leben Sie übrigens gerade die Haltung der gewaltfreien Kommunikation.

Aktuelles I: Die Geschäftsführung der Diakonie Saale-Orla möchte wieder Interessierten die Erfahrung Gewaltfreier Kommunikation ermöglichen und lädt ein, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Lediglich eine Kursgebühr von 50€ und eine Verpflegungspauschale von 40€ wird für beide Tage erhoben. Das zweitägige Seminar mit uns als Trainerteam findet am 11./12. November in Triptis statt. Weitere Informationen finden Sie im Anhang. Melden Sie sich gleich jetzt unter anja.palitza@t-online.de an, denn bei den beiden vorausgegangen Kursen waren die Plätze innerhalb kurzer Zeit vergeben.

Aktuelles II: Folgende Sequenzen tauchen in den letzten Tagen immer wieder vor unseren Augen auf: Blauer Himmel, weiße Wolkenhaufen, glitzernde Schneekristalle, Blick auf Bergketten und -spitzen, Begrüßung der aufgehenden Sonne, das Lächeln auf den Gesichtern der Teilnehmer, Umarmungen oder Schulterklopfen, Geräusche beim Laufen im Schnee, Duft von Kaffee, Wärme des Feuers, rote Wangen der Teilnehmer, wenn sie sich eigenen Themen in Stille zuwenden, das Aufatmen und das Leuchten in den Augen, wenn die Teilnehmer von Erkenntnissen und Zuversicht berichten…

Bald ist es wieder soweit. Das erste Märzwochenende 2017 werden wir wieder zur Hohganthütte  aufsteigen. Sie sind herzlich eingeladen Urlaub mit Lernen zu verbinden und in der Höhe in die Tiefen der Gewaltfreien Kommunikation einzutauchen. Sie wollen mehr dazu erfahren? Dann stöbern Sie in unserem Flyer, den Sie im Anhang finden.

 Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: „Was ist das für eine. Jetzt kommt sie auch noch zu uns. Immer will sie alles besser wissen. Hat für alles eine Antwort. Denkt, sie kann als einzige GfK anwenden. Dabei ist sie so weit davon entfernt wie ein Eskimo von der Sahara.“

Das entspricht für uns der Haltung, „Mit dem Anderen stimmt etwas nicht. Er macht etwas falsch. Er verdient Strafe, mindestens aber Belehrung. Er hat sich zu verändern. Er ist nicht ok. Er hat Schuld.“

„Oh man, ich lerne es nie. Von wegen, ich kann gut Gewaltfreie Kommunikation. Da reicht allein die Anwesenheit eines Menschen aus und ich beginne zu verurteilen und abzuwerten. Was bin ich bloß für ein Versager.“

Das entspricht für uns der Haltung, „Mit mir stimmt etwas nicht. Ich mach etwas falsch. Ich bin nicht ok. Ich habe Schuld. Ich muss mich verändern. Ich verdiene eine Strafe.“

„Aber Gabi hat es nun wirklich nicht verdient, dass ich gewaltfrei mit ihr umgehe. Ich müsste ihr sogar mal die volle Breitseite geben, dass sie merkt, wie verletzend sie ist.“

Das entspricht für uns der Haltung, „Mit dem anderen stimmt etwas nicht. Er macht etwas falsch. Er verdient Strafe. Er hat sich zu verändern. Er ist nicht ok. Er hat Schuld.

„Ich bin echt ganz schön verletzt, weil ich in den Übungsrunden möchte, dass man achtsam und rücksichtsvoll miteinander umgeht. Ich forsche nach meinen Gefühlen und das ist so neu für mich.“

Das entspricht für uns der Haltung, „Ich bin ok. Ich bin mir meiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst. Ich bin mit mir verbunden.“

„Ob sie Freude daran hat, wenn sie beitragen kann? Vielleicht möchte sie ja wirklich beitragen und sie bemerkt vielleicht nicht, was es bei mir auslöst?“

Das entspricht für uns der Haltung, „Der Andere ist ok und ich bin verbunden mit möglichen Gefühlen und Bedürfnissen des Anderen.“

„Ich glaube ich rede mal mit ihr darüber.“

Das entspricht für uns der Haltung, „Ich bin ok. Ich bin mir meiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst. Ich bin mit mir verbunden. Und ich gehe einen ersten Schritt, um für mich und mein Bedürfnis zu sorgen.“

Die letzten drei Haltungen entsprechen der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation.

PS: Da Olaf heute ein Geburtstagskind ist, möchte ich ihm auch hierrüber alles Gute zu seinem Geburtstag wünschen:

Herzlichen Glückwunsch, Olaf. Ich bin so dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen können. Für mich nährt sich im Zusammensein immer wieder das Geborgensein, die Nähe, der Austausch. Ich kann durch Dich lernen und wachsen. Und mit Dir traue ich mir sogar zu, die ganze Welt zu erobern. Ich erlebe mich geschützt und behütet und gleichzeitig spüre ich das Vertrauen, das Du in mich hast. Über Dein Zuhören und Deine Empathie fällt es mir ganz leicht, mich mit all meinen Gefühlen und Wünschen zu zeigen. In solchen Momenten erlebe ich mich ganz besonders verbunden und bin glücklich.

 

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