325/2018 Das, was wir wirklich sind…

Zitat: „Für mich bedeutet ‚etwas von uns selbst zu geben‘, dass wir ehrlich ausdrücken und zeigen, was in diesem Moment in uns lebendig ist.“ (Marshall Rosenberg)

Beispiel: Ich (Anja) erinnere mich noch genau, wie ich mir in einer buddhistischen Übungsgruppe die Frage stellte: „Verdammt noch mal, wie geht das denn mit dem Mitgefühl. In jedem zweiten Satz unseres Lehrmeisters höre ich Wörter wie „Liebe“ und „Mitgefühl“. Aber ich habe überhaupt keine Ahnung, wie ich dahin kommen kann. Vor allem dann nicht, wenn ich wütend und ärgerlich bin.“

Damals kannte ich die Gewaltfreie Kommunikation noch nicht und die Übungen und Meditationen die wir versuchten, halfen mir persönlich nicht dauerhaft weiter. Wenn ich von den Treffen nach Hause kam, reichte so manches Mal ein kleiner Auslöser (z.B. die Mülleimertüte ist so voll, dass sie zerreißt, als ich sie herausnehme und der Müll verteilt sich auf dem Fußboden) und von meiner entspannten und gelassenen Haltung war nicht mehr viel übrig. Meine Liebe für mich und andere war wie weggeblasen. Das frustrierte mich damals sehr, weil ich die tiefe Sehnsucht nach Liebe und Mitgefühl in mir trug.

Information: Marshall Rosenberg hat sich unter anderem auch mit vergleichender Religionswissenschaft auseinandergesetzt und hat sich mit sehr ähnlichen Fragen beschäftigt.

Er fragte sich: Was ist Liebe und wie macht man das, was die Religionen als Liebe bezeichnen? In seinen Seminaren teilte er zuweilen dazu mit, dass gerade aus dieser Suche heraus die Gewaltfreie Kommunikation entstanden ist. Er kam zu dem Schluss, dass die Liebe nicht nur etwas ist, was sich manchmal fühlen lässt, sondern sie etwas ist, dass wir selbst kreieren und  ausdrücken können, weil wir den Keim der Liebe beständig in uns tragen.

Liebe drückt sich aus, so seine Vorstellung, indem wir etwas von uns auf eine ganz bestimmte Art geben. Wir teilen aufrecht mit, was sich in unserem Herzen bewegt (Gefühl) und was wir brauchen (Bedürfnis). Und gleichzeitig schenken wir die gleiche Offenheit, die wir für uns haben auch dem Anderen. Das heißt, wir sind bereit zu hören, was der Mensch uns gegenüber fühlt und braucht.

Die Gewaltfreie Kommunikation scheint so einfach und gleichzeitig ist es ein herausfordernder Prozess, in den man einzusteigen beginnt, wenn man sich damit beschäftigt. Denn man erfährt nicht nur Hintergründe, wie man sich selbst aus dem Zustand der Verbundenheit und Liebe selbst herauskatapultiert, sondern man lernt auch Techniken, wie man sich wieder für die Liebe entscheiden kann. Wie man wieder zur Liebe in sich zurückfindet. Und bei all dem Lernen und Üben erfährt man eben immer stärker im Handeln, dass die Gewaltfreie Kommunikation eine Haltung ist, mit der man das wieder ans Tageslicht bringt, was die ganze Zeit in uns schlummerte und nie weg war.

Für manche ist es die Schöpferkraft, für andere die Liebe und für wieder andere die Fähigkeit zum Mitgefühl. Für Marshall Rosenberg selbst war es „die göttliche Energie, die uns innewohnt“.

Und bei dem Ganzen geht es nicht darum, zu beschuldigen, zu kritisieren, zu belohnen oder zu bestrafen. Und es geht auch nicht darum, dass die eigene Handlungsenergie einer Schuld, einer Scham, einer Angst oder einem Pflichtgefühl entspringt. Sondern mit diesem Blickwinkel, mit dieser Einstellung zum Leben entspringt die Handlungsenergie dem Wunsch nach gegenseitiger Wertschätzung und Liebe.

Zum „Sofort-Üben“: Wie hätte ich in dem Müll-Beispiel reagieren können, wenn ich merke, dass ich die Liebe in dem Moment nicht mehr spüren kann und keinen Zugriff mehr darauf habe? (Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Suchen Sie sich in dieser Woche mal einen ruhigen Moment aus und sinnieren einmal darüber: Was bedeutet Liebe für mich? Wann spüre ich die Liebe in mir? Wo fühle ich die Liebe in meinem Körper? Und wie drückt sie sich durch mein Handeln aus?

Aktuelles: Die nächsten Termine:

Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation am 26./27. Mai 2018 in Jena.

Übungs- und Vertiefungsseminar am 1./2. September 2018 in Jena.

Die Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte ist weiterhin ausgebucht.

Wer gerne Reisen und Lernen miteinander verbindet, dem legen wir den Bildungsurlaub auf der Nordseeinsel Baltrum vom 07.-12.10.2018 ans Herz. Spiekeroog im April ist bereits ausgebucht.

Alle Termine und weitere Informationen finden Sie hier: www.ab-ins-kloster.de

Prof. Dr. Gerald Hüther war im November unser Gastredner beim 3. Erfurter GFK-Tag. Seinen Vortrag zum Thema „Macht miteinander“ hat er dem Verein zur Verfügung gestellt und der Vortrag ist nun im Internet veröffentlicht:

http://www.gfk-erfurt.org/veranstaltungen/impressionen-vom-3-gfk-tag/

Für alle, die nicht mit dabei sein konnten, ist es nun möglich, ein klein wenig einzutauchen in die neurowissenschaftlichen Hintergründe von Macht, Machtentstehung und Potentialentfaltung. Und auch eine Menge Verbindungen zur Gewaltfreien Kommunikation stellt Hüther in seinem Vortrag dar.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: Die Gewaltfreie Kommunikation lehrt uns, dass wir zuerst einmal innehalten und uns vergegenwärtigen:

  • Was ist passiert; was hat gerade meinen Gefühlzustand verändert?

Hilfreich ist hier ein genaues Beobachten und alle Bewertungen und Urteile als Teil unseres automatisierten Denkens lediglich vorbeiziehen zu lassen und ihnen möglichst wenig Beachtung zu schenken.

Beispiel: Die Mülltüte ist so voll, dass sie zerreißt, als ich sie herausnehme und der Müll verteilt sich auf dem Fußboden. Gleichzeitig höre ich mich selber, wie ich zu meinem damaligen Partner sage: „Kannst Du nicht auch mal was machen?“ Und ich bemerke weitere Gedanken: „Nun reg Dich nicht so auf, Anja. Er hat auch einen langen Arbeitstag. Und: „Ich schaffe es einfach nicht, mich nicht aus meinem Gleichgewicht bringen zu lassen.“

  • Mit welchem Gefühl reagiere ich jetzt auf diesen Umstand? (Genervt, erschöpft und ärgerlich über mich selbst)
  • Auf welches Bedürfnis will mich mein Gefühl aufmerksam machen? Was ist mir im Moment wichtig? Und zu welchem erfüllten Bedürfnis will ich viel lieber zurückkehren? (Ich hätte es gerne leicht und gleichzeitig möchte in der Verbindung mit mir und anderen Menschen bleiben.)
  • Welche Bitte habe ich an mich selbst, in dem Moment, wenn ich mir meiner Bedürfnisse bewusst bin? („Kehr bitte den Müll zusammen und setz Dich dann erst einmal hin. Frag deinen Partner, ob er bereit ist eine Tasse Tee für uns zu machen. Dann gemeinsam hinsetzen, bewusst einatmen und ausatmen und dann mein Bedauern ausdrücken über das, was ich gesagt habe und ihn fragen, wie es ihm damit geht.)

Leider wusste ich damals in solchen Situationen nicht, wie es geht. Doch heute gelingt es mir in relativ kurzer Zeit, mich durch die Schritte zu hangeln und ich spüre, dass ich dadurch schnell wieder mit meiner Liebe zu mir und anderen in Berührung komme.

 

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