321/2018 Unsportlich wegen gewaltfreier Kommunikation

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den letzten Wochen ist es mir (Olaf) vergleichsweise gut gelungen, dem klassisch um diese Jahreszeit an vielen Ecken herumlungernde und auf mich lauernde Überangebot an Süßspeisen-Kalorien oft trotzig die Stirn zu bieten und dadurch bin ich nur mit leichtem Mehrgewicht ins neue Jahr gekommen.

Trotzdem sagt die die innere Stimme in den letzten Wochen, „Das muss weg…!“ und der Plan ist, morgens vor Bürobeginn öfter Laufen zu gehen. Und statt zu Laufen liege ich dann morgens zwischen Weckerklingeln und Frühstück im Bett und statt zu Laufen denke ich über Fitness, Gewaltfreie Kommunikation und innere Dialoge nach. Bis es dann so spät ist, dass ich es vorziehe an den Schreibtisch zu gehen, statt in den Wald.

Herzliche Grüße von uns beiden aus Jena und Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Unsportlich wegen gewaltfreier Kommunikation?

Zitat: „Finde dich, sei dir selber treu, lerne dich verstehen, folge deiner Stimme, so kannst du das Höchste erreichen.“(Bettina von Arnim)

Beispiel: Mein Wecker schellt und gleich wird es auch hell genug sein, draußen ohne Lampe zu laufen. Zeit zum Aufstehen und in die Laufsachen zu schlüpfen. Und dann kommen Gedanken wie: „Och, noch fünf Minuten.“, oder „Wenigstens einmal die Schlummertaste…“.

Nach zwei- bis dreimal fünf Minuten denkt es dann in mir, dass es gleich zu knapp wird, weil ich pünktlich im Büro sein möchte und die GFK-Stimme sagt: „Ja, Du hast es grad gern gemütlich und kuschelig? Und Dir ist es wichtig, noch auszuruhen und Deine Tage in Ruhe zu beginnen?“ Daraufhin nickt es in mir bestätigend, ich lächle mir selbst zu, freue mich über GFK und drehe mich nochmal um.

Früher sagte in solchen Situationen ein innerer Dialog-Partner der anderen Art: „Mach, dass Du aus dem Bett kommst, Du Weichei.“ Oder die Stimme fragte nur lässig: „Mann oder Memme?“, und dann bin ich hurtig aufgestanden und Laufen gegangen.

Trägt Gewaltfreie Kommunikation also zu Willensschwäche und Unsportlichkeit bei?

Information: Wer kennt das nicht? Man setzt sich ein Ziel, macht einen Plan und weiß genau, dass das kommende Handeln wichtig ist, um bestimmte Bedürfnisse zur Erfüllung zu bringen. Und dann wird die zukünftige Zeit des Handelns plötzlich zur Gegenwart und andere Bedürfnisse sind lebendig und verlangen lautstark nach eigenen, anderen Strategien zur Erfüllung. Und da wir mit gewaltfreier Kommunikation auch lernen, auf die eigenen Bedürfnisse genauso zu achten, wie auf die der anderen, nehmen wir das sehr wichtig. Und andere sind in solchen Situationen eh nicht da, also erfüllen wir uns unsere eigenen, gegenwärtig lebendigen Bedürfnisse. Gehen gewaltfrei mit uns um. Bis dann die Bedürfnisse der anderen Art wieder lebendig sind. Doch dann sind die Zeitfenster des Handelns oft vorüber.

Marschall Rosenberg machte darauf aufmerksam, dass es nicht nur eine innere Stimme ist, auf die wir bei solchen inneren Dialogen achten können. (Sonst wäre es ja auch kein „Dialog“, sondern ein Monolog.) Er nannte die beiden Personen, die man sich stellvertretend für die inneren Stimmen vorstellen kann, den Handlungsminister und den Bildungsminister.

Der Handlungsminister ist derjenige, der eher im „Hier und Jetzt“ lebt, die aktuell lebendigen Bedürfnisse auf dem Schirm hat und auch die Entscheidung trifft, was wir als unmittelbar Nächstes tun.

Der Bildungsminister hat eher eine Zukunftsorientierung und möchte unser Wachstum, unsere Entwicklung und auch unsere zukünftige Existenz sichern.

Im übertragenen Sinne ein „Kind-Ich“, das für Wohlergehen „jetzt und unmittelbar“ sorgen möchte und ein „Erwachsenen-Ich“, das mehr das spätere Wohlergehen im Fokus hat.

Und diesen beiden imaginären Figuren kann man nun jeweils eigene Bedürfnisse zuordnen, sie als gleichwertig ansehen, auch differenziert die jeweiligen Strategien als sinnvoll anerkennen und dann nach gemeinsamen Strategien suchen, die beider Bedürfnisse erfüllen. Und manchmal benötigt man dazu die Fähigkeit des „Bedürfnis-Aufschubs“, wie Rosenberg es formulierte. Bedürfnisse wollen in erster Linie gehört, gesehen und anerkannt werden und erst in zweiter Linie auch erfüllt werden. Verstehen heißt nicht zwangsläufig, einverstanden zu sein.

Zum „Sofort-Üben“: Für welche Bedürfnisse setzen sich Handlungs- und Bildungsminister im obigen Beispiel ein und wie könnten gemeinsame Strategien lauten? (Unseren Vorschlag dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Halten Sie in dieser Woche einmal Ausschau nach beiden Ministern in Ihnen, trainieren Sie das Erkennen beider Positionen und suchen Sie Strategien, zu denen beide „Ja“ sagen können.

Aktuelles: Die nächsten Termine:

Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation am 26./27. Mai 2018 in Jena.

Übungs- und Vertiefungsseminar am 1./2. September 2018 in Jena.

Wer gerne Reisen und Lernen miteinander verbindet, dem legen wir die Bildungsurlaube auf den Nordseeinseln Spiekeroog vom 23.-28.04.2018 und Baltrum vom 07.-12.10.2018 ans Herz.

Alle Termine und weitere Informationen finden Sie hier: www.ab-ins-kloster.de

Herausgeber: Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

Unser Vorschlag: Der Handlungsminister möchte für Gemütlichkeit, Ruhe und Entspannung sorgen; die naheliegende Strategie heißt: Im warmen Bett bleiben.

Der Bildungsminister hat bereits die Schneeschuh-Wanderung in den Schweizer Bergen Ende Februar im Sinn und möchte eine Zuversicht herstellen, dass der Aufstieg mit Rucksack eine gewisse Leichtigkeit hat und ein Genuss sein kann. Die Strategie: Ein regelmäßiges Lauf-Training für Beine und Kreislauf.

Drei verschiedene gemeinsame Strategien können sein:

  • Im Bett bleiben und am Nachmittag laufen gehen.
  • Früh am Morgen statt in die Kälte hinauszulaufen, das Laufband im Keller nutzen.
  • Früh am Morgen mit einem Laufpartner verabreden. (Der Handlungsminister hat dann möglicherweise als Bedürfnis „im hier und jetzt“ neben der Gemütlichkeit noch stärker die Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit dem Freund gegenüber im Fokus.)

Bei mir (Olaf) gibt es dann Tage, da genieße ich die Extrazeit im Bett und es gibt auch Tage, da stehe ich auf und laufe früh, weil der Nachmittag bereits verplant ist. Dann trainiere ich neben dem Körper auch den Geist in der Fähigkeit des Bedürfnisaufschubs und sichere damit  gleichzeitig die Erfüllung meines Tagesplanes.

PS: Und an den Tagen, an denen ich schon früh im Wald unterwegs bin und dann am Haus eines Freundes vorüber jogge, juckt es mir in den Fingern, eine SMS abzusenden: „Hey, Du Weichei, bei Euch ist ja noch alles dunkel. Gruß vom Morgen-Läufer.“

Aber so etwas lasse ich inzwischen sein. Meistens.

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