Liebe Leserinnen und lieber Leser,
in den kommenden drei Wochen haben wir noch die Gelegenheit, Beobachtende des US-amerikanischen Wahlkampfs – oder eher „Parteien-Machtkampfes“ zu sein und uns begleitend Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen im Allgemeinen und über Wege zu einem aktuell utopisch wirkenden Weltfrieden im Besonderen zu machen.
Wir haben ein paar Gedanken anderer Menschen mit unseren kombiniert und hier kommt das Ergebnis.
Herzliche Grüße, heute von uns beiden von der Insel Baltrum
Anja Palitza & Olaf Hartke
Thema: Über George Washington und das Gemeinwesen und über den US-Wahlkampf und den Verlust von Mäßigung (Teil 1)
Zitate: „Halt Maß in allem, denn in allem gibt’s ein Mittel, dessen Linie das Wahre bezeichnet: dies- und jenseits wird gefehlt.“ (Horaz, 65-8 v.Chr., römischer Dichter und Denker)
„Unser physisches Wohlsein, unser moralischer Wert, unser gesellschaftliches Glück, unsere politische Ruhe, alles hängt von jener Beherrschung unserer Gelüste und Leidenschaften ab, welche die Alten mit dem Namen der Kardinaltugend Mäßigkeit bezeichneten.“
(Edmund Burke, 1729-1797, irisch-englischer Staatsmann)
Beispiel: Kürzlich las ich (Olaf), dass Kamala Harris plant, zu wichtigen Entscheidungen auch die Empfehlungen von Politikern der Republikaner mittels eines Beratergremiums anzuhören. Die Idee gefällt mir, denn – so meine Vorstellung – dies könnte zu einer Annäherung in wichtigen Fragen führen, vielleicht auch zu mehr Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten und in der Folge dann auch zu einer Beruhigung aufgeregter und besorgter Bürger in den USA.
Anja und ich sprachen dann darüber, was wohl nötig ist, damit Demokraten und Republikaner wieder konstruktiv miteinander umgehen können und gemeinsam Lösungen entwickeln können, die der Menschheit dienen würden.
Dabei sind wir auf eine alte Tugend gestoßen, die man auch als ein Bedürfnis sehen kann.
Information: George Washington unterzeichnete 1787 in Philadelphia als Erster die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und damit ein Dokument, das den Boden für ein vielfältiges Mehrparteiensystem bereitete. Doch bereits seit 1852 wurde der amerikanische Präsident ausnahmslos entweder von den Demokraten oder den Republikanern gestellt.
In diesen etwa 150 Jahren des Zweiparteiensystems war die Kompromissfähigkeit über lange Zeit das Hauptmerkmal der überparteilichen Zusammenarbeit, allein schon aus dem Grund, weil in diesen beiden Parteien so viele unterschiedliche Gruppen vertreten sind, dass die Aushandlung von Kompromissen zentral und zwingend ist.
Stephan Bierling, Leiter der Professur für Internationale Politik und transatlantische Beziehungen an der Universität Regensburg, schreibt in seinem Buch „Die unvereinigten Staaten“, dass die Väter der Verfassung „Mäßigung und Kompromiss als Kernprinzip der USA“ vorgesehen hatten. Und weiter:
„Mäßigung soll die USA davor bewahren, zum Spielball von Sonderinteressen zu werden. So wollten es die Gründerväter, so lebte es der bis heute hochverehrte George Washington vor. Mäßigung führt zum Kompromiss, in dem die Beteiligten nicht immer ihre jeweiligen Vorstellungen durchsetzen können, der aber für das Funktionieren des Gemeinwesens überlebenswichtig ist. Es gibt immer unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse, es gibt immer Streit innerhalb einer Gesellschaft. Da braucht es Mäßigung. Ein US-Kollege, ein exzellenter Kenner der amerikanischen Politik, sagte mir einmal, dass Politiker da sind, um zu verhindern, dass wir uns gegenseitig umbringen.“
Im Kontext der anstehenden US-Wahlen könnte Mäßigung eine entscheidende Rolle spielen. Denn in politischen Auseinandersetzungen neigen viele Menschen dazu, extreme Ansichten zu vertreten und sich stark polarisierten Positionen zuzuwenden. Hier einige Gedanken dazu:
- Stichwort „Politische Spaltung“:
In den USA – und zunehmend auch bei uns – ist die politische Landschaft stark polarisiert. Extreme politische Positionen führen häufig zu einer Eskalation von Spannungen und Konflikten. Mäßigung könnte hier helfen, einen konstruktiven Dialog zu fördern.
- Stichwort „Wähleransprache“:
Würden Politiker auf beiden Seiten eine mäßigende Rhetorik verwenden, die sich auf gemeinsame Werte konzentriert, anstatt Wählende auf Differenzen hinzuweisen, würde eher Verbindendes und Gemeinschaftliches wahrgenommen werden.
- Stichwort „Debattenkultur“:
In politischen Debatten wäre ein mäßigender Ansatz von Politikern hilfreich, um die Diskussion zu fokussieren und beleidigende Angriffe zu vermeiden, was zu einem respektvolleren Austausch und damit zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme führen könnte.
- Stichwort „Wählerbeteiligung“:
Wähler, die sich eine Politik wünschen, die auf Mäßigung basiert, sollten sich aktiv für Kandidaten einsetzen können, die sich für den Dialog und die Zusammenarbeit stark machen, statt extreme Positionen zu vertreten.
- Stichwort „Entscheidungsfindung“:
Statt in Abstimmungen Mehrheitsprinzipien mit dem zwangsläufigen Teilergebnis „Entstehung von frustrierten Verlierern“ zu verwenden, könnten konsensbasierte Entscheidungsfindungsprinzipien wie „Systemisches Konsensieren“ verwendet werden, welches durch die Messung von Gruppen-Widerständen statt der Auszählung von Pro-Stimmen zwangsläufig zu Lösungsansätzen mit gemäßigten Strategien führt.
- Stichwort „Mäßigungs-Kultur“:
In einer Gesellschaft, die Mäßigung zugunsten von innerem Frieden vorzuleben bereit ist, wären vermutlich Menschen eher dazu geneigt, sich zu engagieren und aktiv an politischen Prozessen teilzunehmen, was einer demokratischen Kultur zuträglich ist.
Eine mäßigende Haltung könnte also dazu führen, dass sich Wähler und Politiker auf gemeinsame Bedürfnisse und Lösungen konzentrieren, anstatt Gräben zu vertiefen. Dadurch könnte die Wahrscheinlichkeit von Gewalt und Konflikten reduziert werden, insbesondere in einem politischen Klima, das von Spaltung geprägt ist.
Ein Zwischen-Fazit: Die alte Tugend der Mäßigung erscheint uns als ein wichtiges Konzept, das zur Lösung von Konflikten und zur Schaffung eines friedlichen Dialogs beitragen kann — ein Ansatz, der aus unserer Sicht besonders in der Politik wieder mehr Bedeutung finden sollte.
Genug für heute – in der kommenden Woche können Sie bei Interesse in der Fortsetzung mit Teil 2 unsere Gedanken zur Frage lesen, ob Mäßigung auch ein Bedürfnis nach dem Modell Gewaltfreie Kommunikation ist, oder eher eine Strategie, die andere Bedürfnisse erfüllen soll.
Aktuelles
Online-Trainings 2024/2025
07.11.2024 Trainer(Innen)-Ausbildung (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
27.12.2024 „Songs an einem Winterabend“; Lieder von Marshall Rosenberg
06.11.2025 Trainer(Innen)-Ausbildung (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf der Website
Präsenz-Seminare 2024
12.12.2024 Auszeit für Unternehmer-Paare – Jahresplanung 2025 (2 Tage)
Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf der Website
Präsenz-Seminare 2025
10.01.2025 Start in das neue Jahr 2025 mit Gewaltfreier Kommunikation in Hünfeld (3 Tage)
18.02.2025 „Gewaltfrei leben“ – Schneeschuhwanderung zur Hohganthütte (5 Tage)
11.03.2025 Systemisches Konsensieren – Entscheidungsfindung in Gruppen (3 Tage)
14.03.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Frühjahr (1 Tag)
23.03.2025 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
15.04.2025 Start der Trainer*Innen-Ausbildung (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
13.06.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Halbzeit! Zwischenbilanz im Sommer (2 Tage)
04.07.2025 „Wandeltage unendlich“ – Jahres-Treffen der Vorjahres-Gruppen (3 Tage)
29.08.2025 Start der „Wandeltage 2025“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
12.09.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Herbst (1 Tag)
23.09.2025 Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Musik und Gesang (5 Tage)
07.10.2025 Systemisches Konsensieren – Entscheidungsfindung in Gruppen (3 Tage)
12.10.2025 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
19.10.2025 Führungskräftetraining auf Basis GfK auf Baltrum (5 Tage)
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