639/2024 Ist nun Ordnung ein Bedürfnis oder doch eher eine Strategie?

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

in den letzten Tagen sind wir immer wieder in die Vorbereitungen unserer Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte in der Schweiz eingetaucht. Um uns herum lagen in verschiedenen Zimmern in Jena und Bielefeld Dinge zum Einpacken bereit.

Im Jenaer Arbeitszimmer befanden sich Mappen, Tanzparkette, Seminarstifte, Klangschale und weiteres;  im Bielefelder Büro wurden Unterlagen gedruckt, im Lagerraum Schneeschuhe und Stöcke für die Gruppe geprüft und bei uns beiden lagen irgendwo in Fluren und Schlafzimmern auch unsere privaten Wanderschuhe, Gamaschen, Regenbekleidung, Mützen, Sonnenbrillen, Stirnlampen, Seminarkleidung für das Training nach der Hohgant-Tour im Allgäu und weiteres und warteten darauf, verstaut zu werden.

Inzwischen haben wir sortiert, eingepackt, umgepackt und weggepackt, bei Würzburg nochmal die eine Ladung zur anderen in das gemeinsame Auto gepackt und in Stuttgart kamen zu alldem was schon drin war jetzt noch Lebensmittel für zwölf Personen und vier Tage hinzu. Für unsere großen Jungs, die uns in diesem Jahr begleiten, wird es mit ihren persönlichen Siebensachen eng auf der Rückbank und von „Ordnung im Auto“ haben wir uns unterwegs bereits früh verabschiedet.  

Herzliche Grüße, heute von uns beiden von der A81 bei Rottweil
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Ist nun Ordnung ein Bedürfnis oder doch eher eine Strategie?

Zitat: „Das Ungeordnete hat seine eigene Ordnung. (Georg-Wilhelm Exler)

Beispiel: Unsere Vorbereitungs- und Pack-Gewohnheit scheint ähnlich zu sein, wie die von Margit; sie hat uns kürzlich folgendes erzählt:

„Ich war angespannt und im Stress. Wir wollten als Familie in einer Woche in den Urlaub fahren und es waren noch die Koffer zu packen. Damit ich an alles Wichtige denke, habe ich schon mal in mehreren Zimmern verschiedene Häufchen nach Themenbereichen sortiert und bereitgelegt. Als Bernd nach Hause kam und das sah, sagte er ärgerlich: „Wie sieht es denn hier aus? Das ist ja das reinste Chaos. Wie soll man sich denn da noch wohlfühlen und entspannen können?“ Ich war sauer, auch verletzt und traurig. Ich habe geantwortet: „Dann pack Du doch, wenn Du es besser kannst. Ich brauche halt diese Ordnung, um nichts zu vergessen.“ Dann bin ich weinend ins Schlafzimmer und wir hatten einen stressigen Abend.“

Information: Bei der Beantwortung der Eingangsfrage, ob Ordnung ein Bedürfnis ist oder doch eher eine Strategie, helfen die Definitionen von Bedürfnis und Strategie:

  • Ein Bedürfnis ist all das, was Menschen wichtig ist (ihnen am Herzen liegt, eine Bedeutung für sie hat), auf einer universellen, abstrakten Ebene, solange es die folgenden vier Kriterien erfüllt: Bedürfnisse sind unabhängig von bestimmten Personen, Orten, Objekten und Zeiten – ähnlich wie „Werte“.
  • Zur Erfüllung unserer Bedürfnisse benötigen wir konkrete Strategien. Strategien wiederum können gebunden sein an die Mitwirkung anderer, an Zeiten, Orte und Gegenstände – sie lassen sich sinnlich wahrnehmen. Alles, was wir entscheiden und durch praktisches Handeln umsetzen, dient der Erfüllung unserer Bedürfnisse.

Das – wie manche Menschen es formulieren – „…Bedürfnis, mit Dir mal wieder einen Kaffee trinken zu gehen…“, ist insofern kein Bedürfnis, sondern eine Strategie, weil es mit einer Person und einem Objekt verbunden ist. Die Strategie, mit der bestimmten Person einen Kaffee trinken zu gehen, erfüllt jedoch vermutlich sogar mehrere Bedürfnisse:

Austausch, Kontakt, Nähe, Gemeinschaft, Geselligkeit, Unterhaltung, Abwechslung vom Alltag, Freundschaft leben, Genuss, Gemütlichkeit.

Wie ist es denn nun mit der Ordnung?

Wenn ich sage: „Ich brauche halt eine bestimmte Ordnung.“, dann bin ich eher mit einer Strategie verbunden. Dann habe ich schon eine konkrete Vorstellung von einer bestimmten Form von Ordnung. Ich sehe womöglich vor meinem inneren Auge die frisch gewaschenen Hemden auf einem Bügel im Schrank und im Zimmer sind die Schranktüren geschlossen. Die Schuhe stehen im Eingangsbereich und die getragenen Socken vom Vortag befinden sich weder auf der Coach noch unter dem Bett, sondern liegen im Wäschekorb zum Waschen bereit. Dann ist das Erschaffen dieser konkreten Ordnung (oft auch der „richtigen“ Ordnung) eine Strategie und dient einem mir wichtigen Bedürfnis.

Bin ich jedoch mit dem abstrakten Begriff von Ordnung verbunden und habe dabei nicht ein bestimmtes Bild, wie etwas „ordentlich zu sein hat“, dann bin ich wahrscheinlich mit dem Bedürfnis verbunden. Beispielsweise im Sinne von „eine Ordnung oder Struktur in etwas erkennen“. Auch natürliche oder von Menschen erstellte Systeme können eine Ordnung bedeuten, die Ordnung der Abfolge der Jahreszeiten mit den einhergehenden Veränderungen in der Landschaft zum Beispiel oder der unkonkrete Wunsch, dass man bestimmte Abläufe in einer nachvollziehbaren Ordnung erleben möchte.

Insofern – konkrete, insbesondere „richtige“ Ordnungen sind tendenziell vermutlich eher Strategien; allgemeine Ordnungs-Bestrebungen oder „Struktur-Suchen“ sind bedürfnisorientiert.

Zum Sofort-Üben: Welche Bedürfnisse vermuten Sie bei Margit und bei Bernd? (Unsere Annahmen der Bedürfnisse zur Sofort-Üben-Aufgabe finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Prüfen Sie doch diese Woche einmal für sich selbst. Wann ist Ordnung für Sie ein Bedürfnis und welche konkreten „Ordnungs-Strategien“ erfüllen Ihnen das Bedürfnis nach Ordnung? Welche weiteren Bedürfnisse entdecken Sie dabei noch? (Wohlfühlen? Ästhetik?, Klarheit, Struktur, Nachvollziehbarkeit, Harmonie? Verlässlichkeit?…)

Aktuelles
Falls Sie in den letzten Coaching-Briefen noch nicht darauf aufmerksam geworden sind und auch Freude an dem Gedanken haben, zu einem kleinen Glücksmoment bei Menschen beizutragen, können Sie hier noch unser Geschenk abrufen: www.kleine-glücks-momente.de

Wenn auch Sie mehr wohltuende Töne und Klänge in Ihr Leben holen wollen, so machen wir Sie auf folgende Veranstaltung aufmerksam: Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Klang und Gesang. Die ersten Menschen stehen schon auf der Teilnehmenden-Liste. Zögern Sie nicht – es wird ein ganz besonderes Seminarerlebnis. (Und noch ein Hinweis für alle, die denken, dass Sie dann auch mitsingen müssen – nein. Man kann auch nur zuhören oder innerlich mitsummen. Jeder der will, kann beim Singen dabei sein und es gibt keinerlei „Müssen“.)

Online-Trainings 2025
12.05.2025  „Verbale Raumpfleger*Innen gesucht“ Beginn der 3-teiligen Onlinereihe
06.11.2025  Trainer(Innen)-Ausbildung (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)

Präsenz-Seminare 2025
18.02.2025 „Gewaltfrei leben“ – Schneeschuhwanderung zur Hohganthütte (5 Tage)
11.03.2025 Systemisches Konsensieren – Entscheidungsfindung in Gruppen (3 Tage)
14.03.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Frühjahr (1 Tag)
23.03.2025 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
13.06.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Halbzeit! Zwischenbilanz im Sommer (2 Tage)
04.07.2025 „Wandeltage unendlich“ – Jahres-Treffen der Vorjahres-Gruppen (3 Tage)
29.08.2025 Start der „Wandeltage 2025“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
12.09.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Herbst (1 Tag)
23.09.2025 Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Musik und Gesang (5 Tage)
07.10.2025 Systemisches Konsensieren – Entscheidungsfindung in Gruppen (3 Tage)
12.10.2025 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
19.10.2025 Führungskräftetraining auf Basis GfK auf Baltrum (5 Tage)
12.12.2025 Auszeit für Unternehmer-Paare – Jahresplanung 2026 (2 Tage)
09.01.2026 Start in das neue Jahr 2025 mit Gewaltfreier Kommunikation in Hünfeld (3 Tage)
17.02.2026 Start der Trainer*Innen-Ausbildung (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)

Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf der Website

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza & Olaf Hartke

Unsere Gedanken zum-Sofort-Üben:
Bernd möchte sich wahrscheinlich wohlfühlen können, wenn er nach Hause kommt und dazu benötigt er eine gewohnte Ordnung, in der alles seinen Platz hat. Er hat Sehnsucht nach Gemütlichkeit und Entspannung. Vielleicht möchte er zu Hause Erholung und Regeneration für sich finden. Margrit benötigt diese Art von Ordnung, um den Überblick zu halten. Sie hat es dadurch leichter, weil sie schneller erfasst, was schon von ihr bereitgelegt wurde. Sie möchte sich vermutlich auch vor dem eigenen Gefühl schützen, dass entstehen würde, wenn sie etwas vergessen hat. Eventuell auch vor möglichen Vorwürfen, wenn etwas Wichtiges fehlen würde.

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