Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal finden wir Texte, die das, was uns beschäftigt und woran wir glauben, verständlicher verdeutlichen, als wir uns selbst dazu in der Lage sehen.
Von einer langjährigen Freundin in der Schweiz haben wir kürzlich wieder einen Hinweis auf ein lesenswertes Essay des amerikanischen Kultur-Philosophen Charles Eisenstein erhalten; seine Texte werden inzwischen regelmäßig ins Deutsche übertragen. (Vielen Dank, liebe Regula.)
Charles Eisenstein schreibt darin über die Gefahr und die „Sackgasse“ einer moralischen Rechtfertigung von Gewalt am Beispiel des Konfliktes zwischen Israel und Palästina.
Herzliche Grüße, heute von uns beiden aus Jena
Anja Palitza & Olaf Hartke
Thema: Wie moralische Rechtfertigung zur Gefahr wird und was die Alternative ist
Zitat: „Wir leben in einer kulturellen Mythologie, die uns sagt, dass wir getrennte Wesen sind, die um Macht und sogar ums Überleben konkurrieren. Und wir sehnen uns danach, zu einer Kultur der Inklusion, Zusammenarbeit und des Teilens von Gaben zurückzukehren.“ (Charles Eisenstein)
Anmerkung: Wir verstehen hier „Inklusion“ nicht ausschließlich im Sinne des häufig gemeinten Verständnisses von „Einschluss von Menschen mit einer Behinderung“, sondern allgemeiner und umfassender. Inklusion in der Bedeutung, dass alle Menschen uneingeschränkt dazugehören und mitmachen können. Uneingeschränkt von Alter, Ausbildung, Behinderung, Geschlecht, Glaube, Hautfarbe, Herkunft, Sprache usw.)
Beispiel: Im Konflikt zwischen Israel und Palästina erklären beide Seiten den Einsatz von Gewalt gegen die andere Seite als moralisch gerechtfertigt – jeweils aus der eigenen Perspektive des „richtigen“ historischen Zusammenhanges. Und wessen historischer Zusammenhang ist der Richtige?
Und wie geht man dann damit um, wenn eine Seite die „Gerechtigkeit“ eines Richter-Entscheides nicht anerkennt, weil die Begründung des Entscheids auf Annahmen und Überzeugungen beruht, die man selbst nicht teilt?
Kann dann ein „Richter-Gremium“ letztendlich über die „richtige“ Gerechtigkeit oder die „gerechte“ Gerechtigkeit entscheiden?
Diese Idee verfolgen wir und auch andere Kulturen mit großer Überzeugtheit. Und wenn irdische Instanzen nicht mehr ausreichen, berufen wir uns auf überirdische und erklären wie der biblische Prophet Daniel, dass Gott allein unser Richter sei und wir lassen dabei außer Acht, dass andere unseren Gott sowieso nicht als den „richtigen“ Gott anerkennen, weil sie den „wahren“ Gott in einem anderen Gott sehen als den unsrigen Gott.
Und es läuft immer wieder auf ein folgenschweres Ergebnis hinaus: Wer sich selbst „allerhöchster“ Instanzen, der man die Entscheidung über die „echte“ Gerechtigkeit anvertraut hat, ungerecht behandelt erlebt, erkennt die „Recht-Sprechung“ nicht an und greift zur Gewalt als das vermeintlich einzig verbleibende Mittel zur Wiederherstellung mindestens der „eigenen“ Gerechtigkeit. Was wiederum die andere Seite moralisch rechtfertigt mit der „gerechteren“ Gewalt zu antworten. Und wer die stärkere und „gewaltigere“ Gewalt hat, der sorgt dann für „sein“ Recht und erzeugt gleichermaßen für neues „Un-Recht“ auf der anderen Seite – und das über Generationen und Jahrhunderte hinweg.
Marshall Rosenberg fragte und behauptete:
„Willst Du Recht haben oder glücklich sein? Beides gleichzeitig geht nicht.“
Charles Eisenstein macht in seinem Essay nachvollziehbar und verständlich deutlich, dass das Ringen um Recht eine Sackgasse sein kann. Und er beschreibt, wie in solchen Situationen eine gemeinsame Zielorientierung und begleitende Versöhnungsarbeit etwas verändern und auch beenden können.
Zum Essay von Charles Eisenstein:
Wochenaufgabe: Beachten Sie einmal die Situationen in Ihrem Leben, wenn es Ihnen um „Ihr Recht“ geht. Und darüber hinaus, prüfen Sie einmal, wie Sie persönlich damit umgehen, wenn Sie es nicht bekommen.
Fällt es Ihnen leicht zu denken: „Ah OK, ich habe es nicht.“, oder denken Sie über den nächsten Schritt nach, den Sie unternehmen können, um es – „Ihr Recht“ – doch noch zu bekommen?
Und wenn Sie es dann zeitverzögert haben – „Ihr Recht“, was bedeutet das dann für die andere Seite, der „ihr Recht“ nachträglich wieder weggenommen bekommt, damit Sie „das Ihre“ haben?
Vielleicht mögen Sie einen Schritt weiterdenken: Wie sähe eine Welt oder Ihr persönliches Leben aus, wenn man sich statt des Streitens um Recht auf die jeweiligen Bedürfnisse fokussieren würde, und nach Konsens-Lösungen forschen würde, die beide Seiten zufriedenstellen?
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Seminare 2023/2024
27.12.2023 NEU Zwischen den Jahren – Online-Liederabend mit Songs von Marshall Rosenberg
05.01.2024 NEU GFK-Übungsseminar „Jahres-Start“ in Hünfeld (3 Tage)
30.01.2024 Trainer(Innen)-Ausbildung Online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
25.02.2024 Schneeschuh-Tour zur Hohganthütte, GFK in besonderer Umgebung (4,5 Tage)
05.03.2024 Systemisch Konsensieren im Knaubenhof (3 Tage)
10.03.2024 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
26.03.2024 Trainer(Innen)-Ausbildung Präsenz (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
13.04.2024 GfK-Einführungsseminar Online (2 Tage)
20.04.2024 GfK und Yoga in Portugal (7 Tage) (1 Platz ist noch frei)
21.06.2024 Wandeltage ein Jahreskurs in GfK Präsenz in 6 verschiedenen Klöstern (18 Tage)
29.09.2024 Ein Führungskräftetraining auf Basis GfK am Jadebusen im Kunze-Hof (5 Tage)
06.10.2024 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
13.10.2024 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage)
26.10.2024 GfK-Einführungsseminar Online (2 Tage)
07.11.2024 Trainer(Innen)-Ausbildung Online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
04.02.2025 Trainer(Innen)-Ausbildung Präsenz (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
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