328/2018 Kooperatives Verhalten liegt in den Genen

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nach wundervollen Tagen in der Schweizer Bergwelt sind wir nun auf dem Heimweg und senden Ihnen von unterwegs unsere Gedanken für diese Woche zu.

Herzliche Grüße von uns beiden aus Karlsruhe

Anja Palitza & Olaf Hartke

 

Thema: Kooperatives Verhalten liegt in den Genen

Zitat: „Es fühlt sich gut an, wenn wir uns unserer Macht, das Leben zu bereichern, bewusst werden. Es fühlt sich gut an, dem Leben zu dienen.“ (Marshall Rosenberg)

Beispiel: Auf der Hohganthütte gibt es keinen Hüttenwirt, der das Feuerholz holt und spaltet, das Feuer in Gang setzt und unterhält, der den Schnee für Trinkwasser aufbereitet, der das Essen kocht, den Tisch deckt, das Geschirr wieder abräumt, der die Küche aufräumt oder die Teller spült. Hier zum Seminar „Gewaltfrei leben“ finden sich fremde Menschen zusammen, die vor diesen Aufgaben stehen und sich beinahe wie selbstverständlich die Arbeit teilen. Jeder trägt bei und es wirkt, als würde sich niemand Gedanken machen, ob die Arbeit auch exakt gleich verteilt ist. Jeder unterstützt, wie er kann und gerade mag. Es gibt kein „Muss“ und keinen fest abgesprochenen Plan, wer wann was macht. Und noch nie ist eine Arbeit liegen geblieben und die Personen, die wir bei der Arbeit beobachten, haben oftmals sogar ein Lächeln auf dem Gesicht.

Information: Zum Leben anderer beitragen zu wollen, ist menschlich. Urmenschlich sogar. Die Freude, anderen Menschen zu helfen, sie zu unterstützen und mit ihnen zu kooperieren, scheint im Menschen angelegt zu sein und ist kulturübergreifend zu beobachten. Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Selbstlosigkeit das Überleben sozialer Gruppen gerade erst ermöglicht hat. Forschungen belegen, dass selbstloses Verhalten im Laufe der Evolution immer dann entstand, wenn Menschen wiederholt und regelmäßig aufeinander trafen und dadurch in Beziehung standen. Dieses Verhalten wird mit Wohlgefühlen belohnt, wie Naomi Eisenberger von der University of California herausfand. Wohlgefühle, ähnlich wie sie bei gutem Essen oder beim Sex ausgelöst werden. Es sind also nicht allein, wie von Vielen immer noch angenommen wird, die Ellenbogenmentalität und die Macht des Stärkeren, die für Existenzsicherung und Entwicklung sorgen.

Charles Darwin hatte dazu schon zwei Grundregeln beschrieben: Die Mutation, also die permanente genetische Veränderung und die Selektion, die natürliche Auswahl der  anpassungsfähigsten Kreaturen. („Survival of the fittest“ bedeutet „Überleben der Anpassungsfähigsten und nicht, wie man oft lesen kann, „Überleben der Stärksten“).

Zusätzlich gibt es noch eine dritte Kraft, die genauso bedeutsam für das Überleben der Menschheit ist: Die Kooperation. Für den Evolutionstheoretiker Martin Nowak ist sie die „Architektin der Kreativität, die immer neue Geschöpfe hervorbrachte“. Zusammen mit der  Selektion und der Mutation treibt die Kooperation aus seiner Sicht die Evolution voran. Nowaks Modell der Kooperation erweitert in der Tat die Evolutionstheorie, denn sie erklärt, warum Menschen nicht nur den eigenen Vorteil im Auge haben, sondern sich gegenseitig helfen und bereit sind, für ein übergeordnetes Wohl zurückzustecken und Opfer zu bringen.

Auch Rosenberg bemerkte, dass die Menschen mit Freude dazu beitragen, anderen das Leben zu verschönern. In seinen Seminaren stellte er immer wieder folgende Frage:

„Denken Sie an etwas, das sie innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden gemacht haben, das auf irgendeine Art das Leben für jemand anderen verschönert hat.“

Und dann stellte er die Frage: „Wie fühlen Sie sich jetzt, in diesem Moment, wenn sie sich bewusst machen, wie diese Handlung dazu beigetragen hat, das Leben eines anderen Menschen zu verschönern?“ Marshall beschrieb, dass er in den Gesichtern ein Lächeln wahrnehmen konnte und er stellte eine dritte Frage: „Können Sie sich vorstellen, dass es etwas gibt, das unser Leben mehr erfüllt, als unsere Energie auf diese Weise einzusetzen?“

Zum „Sofort-Üben“: Stellen Sie sich gleich einmal selbst die Fragen von Marshall Rosenberg:

  1. „Denken Sie an etwas, das sie innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden gemacht haben, das auf irgendeine Art das Leben für jemand anderen verschönert hat.“
  2. „Wie fühlen Sie sich jetzt, in diesem Moment, wenn sie sich bewusst machen, wie diese Handlung dazu beigetragen hat, das Leben eines anderen Menschen zu verschönern?“
  3. „Können Sie sich vorstellen, dass es etwas gibt, dass Ihr Leben mehr erfüllt, als Ihre Energie auf diese Weise einzusetzen?“

Wochenaufgabe: Stellen Sie sich an jedem Abend der kommenden Woche die drei Fragen von Marshall Rosenberg. Reflektieren Sie am Ende der Woche einmal, welchen Unterschied es für Sie ausmacht.

 Aktuelles: Die nächsten Termine:

Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation am 26./27. Mai 2018 in Jena.

Übungs- und Vertiefungsseminar am 1./2. September 2018 in Jena.

Wer gerne Reisen und Lernen miteinander verbindet und das gemeinsame füreinander Dasein erleben möchte, dem legen wir unser Seminar auf dem Hohgant nahe. Wir werden 2019 erneut den Berg besteigen. Da wir im kommenden Jahr unser zehnjähriges Hohgant-Jubiläum feiern, bieten wir gleich zwei Gelegenheiten:

Vom 22.02.-27.02.2019 – Hohgant für Paare (Speziell auf Paare ausgerichtete Inhalte)

Vom 27.02.-03.03.2019 – Hohgant für Einzelteilnehmer und natürlich auch für Paare (keine speziell auf Paar-Themen ausgerichteten Inhalte)

In beiden Seminaren schauen wir auf die Grundlagen Gewaltfreier Kommunikation und bieten in darauf aufbauenden Übungen weitere Einblicke in verschiedene vertiefende Aspekte des Modells Gewaltfreie Kommunikation an.

Informationen zum Paar-Seminar folgen; alle weiteren Termine und Informationen finden Sie hier: www.ab-ins-kloster.de

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza, Olaf Hartke

 

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