572 / 2022 Wie stark sind Sie beeinflussbar?

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wir sind mit dem Schreiben unserer Coachingbriefe im Rückstand; die Tage sind voll und vergehen wie im Flug. Vielleicht geht es Ihnen manchmal ähnlich – die Aufgabendichte ist gerade so hoch, dass es uns nicht möglich ist, allem gerecht zu werden.

Herzliche Grüße nachträglich zum 1. Advent, heute von uns beiden von der Insel Spiekeroog

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Wie stark sind Sie beeinflussbar?

Zitat: „„Oh Großer Geist, bewahre mich davor einen anderen Menschen zu beurteilen, bevor ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gelaufen bin.“ (Indianisches Sprichwort)

Beispiel: Unsere Trainerkollegin Britta Hahn hat uns auf das verfilmte Experiment „Sind wir Rassisten?“ aufmerksam gemacht. (Dokumentation des Senders „Dok1“ im ORF, 2020)

Sie schrieb uns dazu: „Unglaublich, ich habe mir gerade den Film angeschaut. Hier wird deutlich, wie Urteile uns von unserer Menschlichkeit entfernen. So deutlich wie in diesem Experiment habe ich es noch nie wahrgenommen.“

Das können wir nur bestätigen. Der ORF schreibt zur Filmankündigung:

„Wie schnell verlieren wir unser Mitgefühl? Sind wir bereit andere Menschen zu diskriminieren, sie rassistisch zu beleidigen? Reporter von Dok1-Spezial machten Ende 2020 ein außergewöhnliches Experiment: 23 Teilnehmende lassen sich darauf ein, ohne vorher die Details zu kennen. Die Gruppe wird geteilt in blauäugige und braunäugige Menschen. Die Blauäugigen werden von Beginn an diskriminiert, die Braunäugigen sind privilegiert. Werden sich die Blauäugigen das gefallen lassen? Was passiert mit der Gruppe, wenn sie ständig Diskriminierung ausgesetzt ist? Wie werden die Braunäugigen reagieren? Steigen sie auf die Diskriminierung ein, werden sie zu Mitläufern oder lehnen sie sich gegen den Trainer auf? Dies Dok1-Spezial zeigt: In jedem von uns kann ein Rassist stecken und jeder von uns ist manipulierbar.“

Wer sich die Sendung anschauen möchte, kann unter zwei Versionen wählen.

Die Zusammenfassung in einer Länge von 1:23 Stunden unter: https://www.youtube.com/watch?v=0oU2GY7vHVk

Und die ungekürzte Fassung mit einer Länge von 3:42 Stunden unter:
https://youtu.be/et-0LWjcwdg

Information: Das 2020 in Österreich durchgeführte Experiment geht auf die Arbeiten der US-amerikanischen Lehrerin und Anti-Rassismus-Aktivistin Jane Elliott zurück. Wir haben uns erinnert, dass die DVD „Blue Eyed“ seit langem in unserem Bücherregal steht und möchten Ihnen auch die amerikanische Grundlage der österreichischen Neuauflage empfehlen; hier ist der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9pG5r6S47no

Dieser Dokumentarfilm von Bertram Verhaag aus dem Jahr 1995 wurde in den USA produziert  und zeigt den Verlauf eines solchen Workshops von Jane Elliott mit einer Erwachsenengruppe, sowie das sozialpsychologische Experiment mit einer Schulklasse aus dem Jahr 1970.

Jane Elliott entwickelte bereits 1968 den „Blue Eyed Workshop“ als Reaktion auf die Ermordung von Martin Luther King Jr. und verfasste mehrere Drehbücher zu Dokumentarfilmen rund um die Themenbereiche Vorurteile und Rassismus. Sie ist auch im Alter von 89 Jahren noch immer tätig und berichtet, dass die Ergebnisse sich über die vielen Jahre, in denen sie die Workshops gibt, nicht verändert haben und dass es auch keine Unterschiede zwischen Teilnehmern aus verschiedenen Ländern gibt.

Interessant ist für uns Elliotts Definition von Diskriminierung und Rassismus. Sie geht davon aus, dass Diskriminierung und Rassismus erlernte Fähigkeiten sind und die Menschen nicht mit einem genetischen Code für Diskriminierung auf die Welt kommen. Ihre Einschätzung ist, dass Menschen zu Rassisten gemacht werden und dieser Lernprozess auch wieder „verlernt“ werden kann. Deshalb ist der für sie wichtigste Aspekt ihrer Workshops, den Teilnehmenden Erkenntnisse und Erfahrungen zu ermöglichen.

Jane Elliott verdeutlicht, dass wir beständig von der ausgehenden Moral unserer Kultur beurteilen, was angebracht ist und was nicht. Was richtig ist und was falsch ist. Was gut ist und was schlecht ist. Was normal ist und was unnormal ist. Diese Beurteilungen begünstigen, dass wir andere bevormunden und über ihr Verhalten moralisieren.

Marshall Rosenberg sieht Bewertungen als statische Aussagen an und sie sind für ihn vergleichbar mit Schubladen, in die wir andere Menschen stecken. Ein Mensch oder eine bestimmte Gruppe von Menschen ist „so“ und agiert auf eine bestimmte Weise.

Jane Elliott hat für das Beeinflussungs-Experiment in ihren Anti-Rassismus-Trainings willkürlich das Unterscheidungsmerkmal der Augenfarbe (blauäugig oder braunäugig) gewählt und schreibt blauäugigen Menschen bestimmte Eigenschaften und Annahmen zu. Blauäugige Menschen sind beispielsweise dumm, unsolidarisch, rebellisch und können nicht zuhören.

Diese falschen Aussagen über blauäugige Menschen werden im ersten Teil des Workshops immer wieder genannt und die braunäugigen Teilnehmer werden dann in einer zweiten Phase aufgefordert, diese Annahmen in einer Begegnung mit den Blauäugigen zu überprüfen. Im weiteren Verlauf erklären die braunäugigen Menschen dann, woran sich diese vermeintlichen Eigenschaften bei den blauäugigen Menschen feststellen lassen.

Teilnehmende berichten immer wieder darüber, dass sie – obwohl ihnen die Falschinformationen bekannt und bewusst waren – im Verlauf des Workshops stellenweise ernsthaft überlegt haben, ob diese Informationen über blauäugige Menschen vielleicht doch teilweise der Realität entsprechen.

Marshall Rosenbergs Modell Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht es, genauer zwischen statischen Aussagen und veränderlichen Eindrücken unterscheiden zu können. Gewaltfreie Kommunikation ist eine prozessorientierte Sprache; mit ihr kann man auf statische Aussagen und feststehende Bewertungen verzichten und sich stattdessen auf gegenwärtige und schnell veränderliche die Gefühle und Bedürfnisse fokussieren. Und auch wenn wir Bewertungen, Annahmen und Überzeugungen äußern, geben wir zu erkennen, dass dies gerade lediglich „unsere Idee“ oder „unser Eindruck“ ist – und keinesfalls die Realität oder die Wahrheit.

Wir Menschen haben sehr intensiv gelernt, Analysen zu treffen, Annahmen zu tätigen, Situationen einzuschätzen, Handlungen zu interpretieren, über Absichten zu spekulieren und auch festzulegen, wie Personen so sind. Dies ist hilfreich und dient der Vorhersagbarkeit, der Vereinfachung und manchmal auch der Leichtigkeit. Doch es ist für uns so normal geworden, dass wir darüber oftmals vergessen, dass es sich eben nicht um „die allgemeingültige Wahrheit“ handelt.

In den Rassismus-Trainings wird deutlich, wie schnell wir Annahmen über andere Menschen und sogar über uns selbst treffen. Und auch, wie schnell wir sie von anderen übernehmen. Aus diesem Grund bedarf es immer wieder ein bewusst kritisches Hinterfragen. Es braucht Achtsamkeit für das Wahren einer Offenheit oder eines Interesses, bestimmte Dinge, Situationen und Menschen auch anders zu sehen. Menschen wahrnehmen zu können, nicht unter der Beeinflussung von Informationen Dritter, sondern sie in ihrer Lebendigkeit mit ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen zu sehen.

Sofort-Üben: Führen Sie gleich jetzt ein eigenes kleines Experiment durch und beantworten Sie folgende Fragen schriftlich: Wie schätzen Sie sich als Mensch ein? Wie sind Sie in Ihrer Wahrnehmung? Eine weitere Frage finden Sie am Ende des Coachingbriefes.

Wochenaufgabe: Wenn Sie sich dabei ertappen, dass Sie andere Menschen be- oder verurteilen oder sie mit einer Zuschreibung versehen, dann halten Sie einen Moment inne. Fragen Sie sich: Könnten diese Menschen vielleicht von anderen Menschen anders eingeschätzt werden, als Sie es gerade tun? Und falls Sie diese Frage mit „Ja“ beantworten, dann wird deutlich, es ist lediglich Ihre persönliche Einschätzung. Besinnen Sie sich stattdessen: Welchem Bedürfnis dient gerade Ihre Zuschreibung?

Aktuelles

Zwei neue Angebote für Paare

Die Paar-Auszeit auf der Hohgant-Hütte in 2023 war wieder schnell ausgebucht und die Paar-Woche am Comer-See im letzten Jahr fand auch großes Interesse. Unter dem Motto „Partnerschaft neu entdecken“ können Sie in 2023 an einem besonderen Seminar teilnehmen. Wir haben die seltene Gelegenheit, den Knaubenhof im Altmühltal als Seminar-Unterkunft anzumieten. Der Knaubenhof ist für uns ein wundervoller Energie- und Kraftort mit Charme, Atmosphäre und dazu einer traumhaft leckeren vegetarischen Bio-Küche.

Vorankündigung

„Partnerschaft neu entdecken“

Ab 28. Juni 2023 – 5 Tage GfK-Auszeit für Paare im Knaubenhof im Altmühltal

Interesse?  Schreiben Sie eine kurze Antwortmail und wir senden Ihnen weitere Informationen.

2-tägiger Gratis-Workshop als Kennenlern-Angebot

„Auszeit im Kloster für Unternehmer-Paare“

09./10. Dezember 2022 – 2 Tage im Kloster Michaelstein bei Wernigerode

Diese Planungszeit im Kloster ist für Unternehmerpaare eine bewährte Vorbereitungszeit, um entspannt und ausgerichtet durch den Jahreswechsel in ein neues und erfolgreiches Jahr zu gehen. Nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg als UnternehmerIn geht es dabei, sondern ganzheitlich auf allen Ebenen auch um partnerschaftliche, gesundheitliche und familiäre Erfolge.

Möchten Sie mehr erfahren über diese Auszeit vom Alltag? Wir senden Ihnen gern Informationen. (Unterbringung und Vollverpflegung im Kloster werden berechnet.)

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Sie sind begeistert davon, welche positiven Veränderungen mit der Gewaltfreien Kommunikation möglich werden und tragen nun die Vision im Herzen, die Methode als TrainerIn an andere weiterzugeben?

Podcast mit dem K-Training-Team

Möchten Sie das TrainerInnen-Team akustisch kennenlernen?

Dann klicken Sie sich in unseren Podcast:

Weitere Einblicke können Sie auch ins Trainerinnen-Dasein erhalten bei unserer Podcast-Reihe für angehende TrainerInnen. Diesmal mit dem Impuls:

„Als TrainerIn in die Kraft kommen und dort bleiben.“
https://www.youtube.com/watch?v=81rFvypAlY4

Seminare 2022

09.12.2022  Auszeit für Unternehmer-Paare im Kloster Michaelstein (2 Tage)
12.12.2022  Vertiefung „Gewaltfreie Kommunikation“ in Erfurt Jugendberufshilfe (2 Tage)

Einen Seminarplatz können Sie buchen: https://www.jbhth.de/weiterbildung/sinnvoll-seminare/alle-seminare/details/seminare/detail/Event/gewaltfreie-kommunikation-als-basis-fuer-ein-wirksames-miteinander-im-beruf-143/

16.12.2022  Vertiefung „Gewaltfreie Kommunikation“ im Kloster Hünfeld (3 Tage) (1 Platz frei)


Weitere Seminare 2023

11.01.2023  Trainer(Innen)-Ausbildung Online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
14.02.2023  Trainer(Innen)-Ausbildung Präsenz
21.02.2023  Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte für Einzelteilnehmer und Paare
26.02.2023  Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte nur für Paare (Warteliste)
16.04.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Baltrum (5 Tage06.05.2023  Wandeltage 2023 Präsenz –(6 Module à 3 Tage))
22.05.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ in Dießen am Ammersee (5 Tage)
15.10.2023  Ein Führungskräftetraining auf Basis GfK auf Baltrum (5 Tage)
23.10.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
10.12.2023  Bildungsurlaub „Einführung GfK“ am Jadebusen im Kunze-Hof (5 Tage),

Weiteres finden Sie auf unserer Website:
https://erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza & Olaf Hartke

Unsere Gedanken zur Sofort-Üben-Aufgabe:

Sie haben eine Einschätzung für sich als Person gemacht? Wie ist sie ausgefallen? Gab es Interpretationen, Bewertungen, Annahmen? Haben Sie die Sätze begonnen mit: „Ich bin…“ und es folgten Eigenschaften?

Wenn dem so ist, dann haben Sie sich eher statisch beschrieben. Sie haben Zuschreibungen gemacht und so getan, als würden Sie immer so sein. Beginnen Sie doch mal die Sätze mit: In einer bestimmten Situation habe ich mich damals so verhalten, z.B…. und dann schreiben Sie die Situation auf und das Verhalten, welches Sie von sich in dieser Situation wahrgenommen beobachtet haben. Ergänzen Sie dann – welches Bedürfnis sollte Ihnen das Verhalten erfüllen? Was wollten Sie erreichen?

Was entdecken Sie, wenn Sie es so notieren? Macht es einen Unterschied für Sie aus?

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