503/2021 Dem „ES“ in mir auf der Spur

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

heute Morgen habe ich (Anja) noch nicht mal ganz meine Augen aufgeschlagen, da fallen mir verschiedenste Themen für einen Coachingbrief ein. Gedanklich beginne ich mögliche Textpassagen zu formulieren. Meine Ideen überraschen mich und ich will sie festhalten. Blinzelnd schnappe ich mir meinen Rechner und tauche in das Schreiben ein.

Herzliche Grüße aus Jena und aus dem „Irgendwo“ zwischen Belgien und Jena auf zwei heißen Reifen in den Kurven liegend

Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Dem „ES“ in mir auf der Spur

Zitat: „Höre nicht, was „ES“ in dir sagt – höre, was das „ES“ in Dir fühlt und braucht.“
(Angeregt durch Marshalls Zitat aus dem letzten Cochingbrief und von Anja an das heutige Thema angepasst.)

Beispiel: Renate sitzt gern am Nachmittag nach der Arbeit auf ihrem Meditationskissen in einem stillen Raum. Für sie ist das zur Gewohnheit geworden und sie kommt so zur Ruhe. Wenn sie sich niedersetzt und die Augen schließt, achtet Renate auf ihren Atem. Darauf, wie er einströmt und wieder den Körper verlässt. Doch den Fokus dort zu belassen, gelingt vor allem zu Beginn oft nicht, denn es ziehen verschiedene Bilder aus dem gerade erlebten Alltag an ihr vorbei. Und diese Bilder sind mit begleitenden Gedanken und inneren Dialogen versehen.

Das hört sich nach besonders aufwühlenden Tagen manchmal so an: „Der Chef war heute wieder unmöglich. – So kann man doch nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen. – Er ist für den Job einfach nicht geeignet. – Ich habe keine Lust mehr, dort zu arbeiten. – Ich sollte gehen. – Aber ich bin viel zu nett und ertrage alles. – Außerdem habe ich Angst. – Mensch Renate, so kann es doch nicht weitergehen. – Du musst endlich mal deinen Allerwertesten hochkriegen und einen Schlussstrich ziehen. – Sei nicht so ängstlich. – Ohjeh, aus dir wird einfach nichts…“

Information: Wussten Sie, dass wir Menschen uns im inneren Dialog täglich selbst etwa 50.000 Wörter sagen? Steffen Kirchner macht in seinem Buch „Der Weg der mentalen Revolution (2021)“ auf diesen Fakt aufmerksam.

Doch wie sind diese Wörter, die „es“ in uns denkt gefärbt? Wissen Sie dies? Nehmen Sie sich im Alltag Zeit, die Gedanken bewusst zu verfolgen oder zu hinterfragen?

Ich kann für mich feststellen, dass mir meine Gedanken oft nicht sehr präsent sind. Doch wenn ich den Schweinwerfer meiner Aufmerksamkeit dorthin lenke, erschrecke ich manchmal von der Energie meiner Gedanken. Denn diese sind gespickt mit Urteilen über mich und andere Menschen. Und „es“ denkt dann nicht unbedingt wertschätzend in mir. Aus meiner Erfahrung kommentieren meine Gedanken in der Regel alles, was ich gerade erlebe. Dabei bin ich mal im Außen bei den Menschen, die mich umgeben und deren Einfluss ich ausgesetzt bin und manchmal auch im Innen und bei dem, was ich mir gerade an Realitäten schaffe.

Ich führe dann innere Dialoge mit mir selbst und/oder einem anderen Menschen.

Sie können sich sicher vorstellen, welchen Effekt 50.000 Wörter mit negativem Unterton haben. Vor allem sich selbst gegenüber. Würden Sie so mit einem Freund sprechen? Sicherlich nicht. Deshalb ist es aus unserer Sicht so wichtig, dass wir erst einmal achtsam werden und unsere Art der inneren Dialoge kennenlernen, um sich dann ggf. eine mehr motivierende Sprechweise anzugewöhnen.

Mir hat folgendes im Umgang mit meinen Gedanken geholfen:

Ich kann mein kindliches Staunen aktivieren, nach dem Motto: „Ah, so etwas denkt „es“ also in mir, interessant.“ Und ich entscheide mich nach einer kurzen Überprüfung ganz bewusst, diese Gedanken entweder zu glauben oder sie auch wieder dahin ziehen zu lassen, wo sie hergekommen sind: ins Nichts.

Ich kann noch einen Schritt weitergehen und mein Erstaunen mit Neugierde koppeln. Ich lasse dann ganz bewusst meine innere Erforscherin ans Werk gehen. Das klingt dann bei mir so:

„Das ist ja spannend – so etwas denkt „es“ also in mir. Was wollen mir diese Gedanken sagen? Welche Botschaft bringen sie mit?“

Ich nutze die Möglichkeit des Schreibens und notiere mir alle meine Urteile, die ich in mir zu dieser Situation entdecken kann. Vor allem die Urteile sind hilfreich. Diese übersetze ich dann in Bedürfnisse, um anschließend Bitten an mich selbst abzuleiten. Nach der Übersetzung danke ich bewusst den urteilenden Gedanken und lasse sie weiterziehen.

Zum „Sofort-Üben“: Was hat es mit dem fett gedruckten „es“ auf sich? (Unsere Überlegungen dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes.)

Wochenaufgabe: Nehmen Sie sich diese Woche Zeit für Ihre inneren Dialoge. Das kann an einer roten Ampel stehend sein, beim Wäsche aufhängen oder Rasen mähen. Richten Sie mal ganz bewusst ihre Aufmerksamkeit auf ihre Gedankengänge. Beobachten Sie, wie eine neutrale Instanz im Außen stehend, was „es“ in Ihnen denkt.

Aktuelles

Weitere Seminare
17.07.2021 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                      2 Tage
09.10.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                      2 Tage
24.10.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK auf der Nordseeinsel Spiekeroog     ausgebucht
14.11.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK am Jadebusen bei Wilhelmshaven          5 Tage

Wir machen es: LeserInnen-Treffen an den Helfensteinen am 23. Juli 2021
Unser Coachingbrief erreicht inzwischen 2.000 aktive Leser; wir haben jetzt im 11. Jahr – letzte Woche – die 500. Ausgabe versendet. Mit Ihnen als Leserinnen und Lesern möchten wir das mit einem persönlichen Kennenlernen verbinden.

Wir denken seit längerem darüber nach, unsere Leser miteinander zu verknüpfen und jetzt ist es soweit:

Wer Gleichgesinnte und GFK-Interessierte kennenlernen möchte, kann dies mit uns an diesem magischen Ort tun. Das Gebiet der Helfensteine bei Zierenberg (20 Kilometer nord-westlich von Kassel) wurde bereits 500 v. Christus besiedelt und gilt als ein energetischer Kraftort. Historiker vermuten an dem Platz auch Reste einer keltischen Burg aus dem Hochmittelalter; etwa 12./13. Jahrhundert. Dazu noch liegt der Punkt geographisch ziemlich zentral in Deutschland; wir finden das ist ein passender Treffpunkt.

Wann: Freitag, den 23.07.2021 von 10.00 Uhr bis etwa 16.00 Uhr
(Am Freitag, weil es an den Wochenendtagen dort sehr viele Besucher gibt.)
Wo: Öffentlicher Parkplatz am Dörnberghaus, Auf dem Dörnberg 11, 34289 Zierenberg

Das Programm

  • 10.00 Uhr – Ankommen und Orientieren am Parkplatz
  • 10.30 Uhr – 600-Meter-Spaziergang zu den Helfensteinen
  • Danach zeitlich noch offen:
  • Remembering (Ein Impuls zum „Sich-gemeinsam-erinnern“ an besonders wichtige Werte und Bedürfnisse und deren Bezug zur Gewaltfreien Kommunikation.)
  • Vertiefendes Kennenlernen untereinander
  • Empathie-Spaziergang (… lassen Sie sich überraschen.)
  • Überraschungs-Picknick von mitgebrachten Getränken und Speisen
  • Singen mit Dörthe (oder zuhören, oder auf eigene Faust die Gegend erkunden)
  • Bei allem dabei: Austausch, Gespräche, Verbindung, Lachen, Freuen…
  • Abschluss-Runde mit „Feiern & Bedauern“

Das Lesertreffen ist kostenfrei; bringen Sie gern Gäste mit.

Bitte kurz schriftlich bei Anja Palitza anmelden, damit wir die Gruppengröße abschätzen können. anja.palitza@t-online.de

Ausgebucht: Hohgant im Sommer erleben
Da unsere Schneeschuhtour im Februar in der Schweiz nicht umsetzbar war, doch ein Jahr ohne Hohgant-Hütte bei uns zu schlimmen Entzugserscheinungen führen würde, haben wir den August-Termin geplant. Wir freuen uns schon riesig darauf. Es war schon immer ein Wunsch von uns, das Hohgant-Massiv mal im Sommer zu besteigen. Seien Sie dabei und verbinden Sie das Lernen Gewaltfreier Kommunikation mit Wandern in grandioser Kulisse im Naturpark Berner Oberland. Vom 10.-14. August 2021

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Weitere Seminare finden Sie auf unserer Website:

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Überlegungen zur Sofort-Üben-Aufgabe:
Das „ES“, so sagt Gunther Schmidt ist das Unbewusste und Unwillkürliche in uns. Es sind innere Prozesse, die so schnell ablaufen, dass wir oftmals keinen direkten und sofortigen Zugriff darauf haben. Indem ich das Unbewusste in mir zu einem getrennt von mir wahrnehmbaren „ES“ mache, gelingt es mir, diese Gedanken nicht als die alleingültige Wahrheit zu hören. Es ist ein (An-)Teil in mir. Und wenn ich es als „ES“ bezeichne, so verwechsle ich es nicht mit dem „ICH“. Ich bekomme einen Abstand, der mir hilft, mein „ES“ zu beobachten und wahrzunehmen. Ich bin dem „ES“ nicht mehr gänzlich hilflos ausgeliefert, sondern über die dahinterliegenden Bedürfnisse nachdenken und meinen Handlungsspielrum deutlich erweitern. Probieren Sie es aus.

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