490/2021 Über Schneeschuhe im Sommer und die Zitronen des Lebens

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

um Schneeschuhe im Sommer und die Zitronen des Lebens geht es heute – eng verbunden mit der Frage, ob und wie man durch Entscheidungen die eigenen Gefühle steuern kann. Mehr dazu im Folgenden.

Herzliche Grüße aus einem nicht enden wollenden Winter in Jena und Bielefeld

Anja Palitza und Olaf Hartke

Thema: Über Schneeschuhe im Sommer und die Zitronen des Lebens

Zitat: „Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, dann mach Limonade draus.“ (Unbekannt) und

„Nur wer weiß, wo er hinsegeln will, setzt die Segel richtig.“ (Jürg Meier)

Beispiel: Im Februar haben wir unsere jährliche Schneeschuhwanderung zur Hohganthütte in der Schweiz coronabedingt abgesagt. Und wir waren unheimlich frustriert mit dieser Entscheidung, die genau genommen keine Entscheidung war, sondern eher ein „sich-den-Umständen-fügen“. Ich (Olaf) kann mich gut an den traurigen Moment erinnern, als ich den Termin von unserer Website genommen habe. Brrrrr….

Heute sitze ich mit Freude wieder vor der Website und aktualisiere sie mit einem besonderen Hohgant-Termin. Ich hadere nicht mehr mit dem Ausfall, sondern freue mich auf etwas Neues.

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Information: In einer Ausbildung, an der ich vor etwa 25 Jahren teilnahm, lernte ich etwas, dass mich seitdem die andere Hälfte meines Lebens begleitet. Es war keine dieser riesigen Erkenntnisse, die schlagartig und vollständig mein Leben verändert haben, doch immerhin so wichtig und hilfreich für mich, dass ich mich in frustrierenden Situationen gedanklich immer wieder in dem damals kennengelernten Modell wiederfinde.

Im Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen R. Covey entdeckte ich es Jahres später in ähnlicher Form wieder als „Circles of Concern and Influence“ – als „die Kreise von Betroffenheit und Einfluss“. Der damalige Dozent erklärte es in etwa so:

„Stell Dir vor, dort wo Du gerade stehst, ziehst Du mit Kreide auf dem Boden einen Kreis um Dich herum. Radius etwa ein Meter. Diesen Kreis, in dem Du jetzt mittig stehst, den nennen wir Deinen Kontrollbereich. In ihm kannst Du alles kontrollieren und Du allein entscheidest, ob es geschieht oder nicht. Z. B. wann Du am Morgen aufstehst, was Du frühstückst und welchen Weg Du zur Arbeit nimmst. Es gibt auch viele größere Entscheidungen, über die nur Du bestimmst: Ob Du täglich ein paar Zigaretten rauchen oder regelmäßig Sport machen wirst; ob Du an einer Fortbildung teilnimmst oder in den Urlaub fährst. Entscheidend für den Kontrollbereich ist: Es liegt allein in Deiner Macht, dass Du es umsetzen kannst.

Dann ziehst Du mit der Kreide einen weiteren Kreis rund um Deinen Kontrollbereich. Dieser größere Kreis außen herum ist Dein Einflussbereich. In diesem Bereich kannst Du das, was geschieht nicht mehr kontrollieren, jedoch immer noch beeinflussen. Im Einflussbereich befinden wir uns oft, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben. Du kannst weder kontrollieren, ob sie zustimmen, noch ob sie so handeln wie Du möchtest. Du kannst das von Dir angestrebte Ergebnis jedoch beeinflussen. Mehr oder weniger intensiv. Lade Dein Kind, das lieber vor dem Bildschirm sitzen möchte, als mit Dir in der Sonne spazieren zu gehen, in die Eisdiele zu einem Eis auf die Hand ein. Oder sage Deinem Arbeitgeber, welche Vorteile es für ihn hat, wenn Du die Ausbildung machst, die er bezahlen soll. Entscheidend also für den Einflussbereich: Du kannst nicht bestimmen was passiert, aber Du kannst Wahrscheinlichkeiten verändern.

Und dann kannst Du noch einen dritten, noch größeren Kreis um den Einflussbereich ziehen, das ist Dein persönliches Universum. Hier kannst Du gar nicht oder nur minimal beeinflussen was geschieht. Z.B. welche Partei die nächste Wahl gewinnt und wie das Wetter in den nächsten Tagen wird. Es sind Restriktionen, mit denen es zu leben gilt. Zumindest dann, wenn Du keinerlei Möglichkeiten der Einflussnahme siehst und radikale Veränderungen vermeiden möchtest, denn Du könntest immerhin noch auswandern oder Dir das Leben nehmen.“

So – was haben diese drei Kreise nun mit einer Schneeschuhwanderung und den Zitronen zu tun?

Sie kennen das – das Leben serviert immer wieder auch mal Zitronen und der Geschmack der Frucht liegt nicht in unserem Kontrollbereich. Ich kann nicht darüber entscheiden, ob im Februar 2021 ein Hüttenaufenthalt mit 10 Personen in der Schweiz möglich ist oder nicht. Einflussbereich? Ich kann keine Verordnungen und Gesetze verändern. Persönliches Universum? Ja. Wir leben gerade in gesellschaftlichen und politischen Umständen, die wir nicht kontrollieren und teilweise auch nur sehr wenig beeinflussen können.

Was bleibt? Bedauern, klagen und hadern? Das wäre nach dem Covey-Verständnis des Modells die passive Variante des Umgangs mit einer unerwünschten Situation. Kann man machen. Erfüllen diese Strategien Bedürfnisse? Unter Umständen. Eventuell entlastet man sich oder bekommt vielleicht Verständnis und Empathie. Das ist wie eine „Erste-Hilfe-Maßnahme“ und ein erster Schritt. Darauf aufbauend kann man sich vorstellen und in klaren Bildern ausmalen, wie es wäre, wenn man dürfte. Ich vergegenwärtige mir die Bedürfnisse, aufgrund derer wir die Schneeschuhtour seit über 10 Jahren anbieten und spüre intensiv hinein. Bedürfnisse wollen in erster Linie wahrgenommen und gehört werden, erst in zweiter Linie erfüllt.

„Schön und gut,…“, werden Sie vielleicht sagen, „…aber allein das Vorstellen macht ja auch nicht wirklich glücklich.“

„Ein wenig schon,…“ würden wir Ihnen dann antworten, „…denn unser Gehirn ist bei aller Komplexität in dieser Beziehung doch recht einfach gestrickt: Wenn wir intensiv imaginieren und visualisieren, kann es nicht mehr so gut unterscheiden zwischen tatsächlich erlebten und nur vorgestellten Situationen. Ihre inneren Bilder und die Konzentration auf Ihre Bedürfnisse können mit etwas Übung dafür sorgen, dass in Ihrem Gehirn vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird und das steigert bekanntlich das Glücksgefühl.

Und wenn das geschieht und Sie eine gewisse emotionale Erleichterung wahrnehmen, dann lässt sich zumindest mit höherer Wahrscheinlichkeit auch ein Fokuswechsel vollziehen. Dergestalt, dass Sie sich fragen: „OK, will ich meinen Fokus noch auf unerfüllte Bedürfnisse legen? – Oder will ich schauen, wie ich diese Bedürfnisse in meinem Kontroll- und Einflussbereich erfüllt bekommen kann?“

Mit dieser Überlegung entstand bei Anja und mir die Idee vom „Hohgant im Sommer“. Den Termin auszuwählen, die Hütte zu buchen, hier dafür zu werben – all das ist mein Kontrollbereich. Ich entscheide und setze um.

Mein Einflussbereich: Anderen davon erzählen, dass wir im Sommer auf die Hohgant-Hütte gehen. Sechs regelmäßige Hohgant-Teilnehmer haben sich bereits angemeldet. Es kann stattfinden.

Persönliches Universum: Die Corona-Lage im August. Doch da sind wir optimistisch.

Nochmal zurück zum Einflussbereich – in dem möchte ich mich noch ein wenig betätigen. J

Wir hörten in den letzten Jahren immer wieder mal von Kunden, dass sie ein Besuch der Hohgant-Hütte reizt. Aber diese Kälte,… und der viele Schnee… Nein, besser nicht. Corona sorgt dafür, dass der vielfache Aufruf, „Macht das doch mal im Sommer.“, nun zur Umsetzung findet. Und wenn Sie eine sommerliche Wanderung zu einer der schönsten Selbstversorger-Hütten im Naturpark Berner Oberland reizt, dann können Sie jetzt eine Visualisierungsübung starten. Stellen Sie sich diese Fotos ohne Schnee und mit Menschen in Sommerkleidung vor:

https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_hohgant2016.php

Und hier finden Sie weitere Infos:

https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant_sommer.php

Zum „Sofort-Üben“: Wenn man sich die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation genauer anschaut, dann kann man darin eine Problemorientierung und eine Lösungsorientierung entdecken. Ausgehend von einem Wunsch nach Veränderung machen Schritt eins (Beobachtung) und Schritt zwei (Gefühl) die aktuelle Situation und in der Regel auch das Problem deutlich.

Und dann entscheidet sich, ob man in der Problemorientierung verweilt (was auch nicht „falsch“ ist, sondern lediglich eine von zwei Möglichkeiten) oder ob man sich der Lösungsorientierung zuwendet. Wie fällt diese Entscheidung genau?

Wenn man das Bedürfnis so ausdrückt, dass sich gerade etwas nicht erfüllt, ist man problemorientiert. Man weiß, was fehlt, man fühlt den Schmerz und man kann bedauern oder sogar Abschied nehmen. Manchmal ist das sinnvoll.

Über die andere Möglichkeit – sich das Bedürfnis als erfüllt vorzustellen und dazu Bilder zu imaginieren – entsteht eine Art „Sehnsuchts-Energie“ und es fällt vielen Menschen dann leichter, Bitten zu formulieren, die das Problem lösen könnten.

(Unser Beispiel und unsere Gedanken finden Sie am Ende des Coachingbriefes)

Wochenaufgabe: Beobachten Sie sich einmal: Wie gehen Sie mit vermeintlich nicht zu ändernden Bedingungen um? Hadern Sie eher, lenken Sie sich ab oder sind Sie jemand, der sich seine dahinterliegenden Bedürfnisse bewusst macht und nach neuen Wegen für diese Bedürfnisse im Einfluss- und Kontrollbereich sucht?

Aktuelles

Wandeltage 2021
Die Gruppe wächst weiter!!! Zwölf Teilnehmende haben sich bereits für unsere Jahresausbildung angemeldet. Gesellen Sie sich dazu und machen Sie das Jahr 2021 zu Ihrem Wandeljahr.
Start ist nach erneuter Lockdown-Verlängerung nun am Wochenende 07.-09. Mai 2021 im Kloster Donndorf.
(Wird vermutlich nicht möglich sein. Infos folgen.)
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m10_jahresausbildung_gfk.php

Weitere Seminare
24.10.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK auf der Nordseeinsel Spiekeroog            5 Tage
03.07.2021 GfK-Tage in Erfurt                                                                        2 Tage
17.07.2021 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                       2 Tage
09.10.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                       2 Tage
14.11.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK am Jadebusen bei Wilhelmshaven  5 Tage

Save the date: LeserInnen-Treffen an den Helfensteinen am 23. Juli 2021
Im Sommer feiern wir 11-jähriges Bestehen unserer Trainer-Zusammenarbeit. Diesen Tag wollen wir nicht im stillen Kämmerlein verbringen. Wir träumen mal… Ein großes Coachingbrief-LeserInnen-Treffen. Und wenn nur 1-2% von Ihnen dabei wären – dann wären wir mit etwa 20-40 Personen zusammen. Eine weitere alte Idee will umgesetzt werden: Die Helfensteine. Ein magischer Ort, nicht nur für uns. Und geographisch ziemlich zentral in Deutschland. Infos folgen…

Save the date: Hohgant im Sommer erleben – Vom 10.-14. August 2021
Da unsere Schneeschuhtour im Februar in der Schweiz nicht umsetzbar war, doch ein Jahr ohne Hohgant-Hütte bei uns zu schlimmen Entzugserscheinungen führen würde, haben wir den August-Termin geplant. Wir freuen uns schon riesig darauf. Es war schon immer ein Wunsch von uns, das Hohgant-Massiv mal im Sommer zu besteigen. Seien Sie dabei und verbinden Sie das Lernen Gewaltfreier Kommunikation mit Wandern in grandioser Kulisse im Naturpark Berner Oberland.
https://www.erfolgsschritte.de/seminare-trainings/m05_gewaltfrei_leben_hohgant_sommer.php

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Weiteres finden Sie auf unserer Website:
https://erfolgsschritte.de/seminare-trainings/termine.php

Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Gedanken zum Sofort üben:

Wir nehmen Sie mit auf die Metaebene von Olafs innerem Zwiegespräch.

Fokuswechsel einleiten mit der Frage:

„Will ich meinen Fokus weiterhin auf unerfüllte Bedürfnisse legen?“

Und dann wäre eine innere Stimme hilfreich, die antwortet. In meinem Fall:

„Nein, hast Du bereits. Reicht für den Moment. Oder macht Dich das glücklich?“

Ich: „Nur bedingt. Ich will mehr.“

Stimme: „Prima. Ich auch. Dann raus aus dem Kreide-Kreis des persönlichen Universums, hinein in den Einflussbereich.“

Ich: „Hä,… was?“

Stimme: „Willst Du passiv hinnehmen oder aktiv gestalten?“

Ich: „Ach so, ja. Aktiv gestalten. Stimmt, das geht im Einflussbereich besser.“

Stimme: „Was kannst Du beeinflussen?“

Ich: (Schweigen, Leere… begleitet von Ratlosigkeit.)

Stimme: „Ok, macht nichts. Dann noch einen Schritt zurück in den Kontrollbereich. Was kannst Du hier und heute ganz allein entscheiden? Was ist der nächste auf jeden Fall umsetzbare Schritt?“

Das Ergebnis meines inneren Dialoges – unterstützt von einem äußeren Dialog mit Anja – haben Sie oben bereits gelesen:

Mit dieser Überlegung entstand bei Anja und mir die Idee vom „Hohgant im Sommer“. Den Termin auszuwählen, die Hütte zu buchen, hier dafür zu werben – all das ist mein Kontrollbereich. Ich entscheide und setze um.

Mein Einflussbereich: Anderen davon erzählen, dass wir im Sommer auf die Hohgant-Hütte gehen. Sechs regelmäßige Hohgant-Teilnehmer haben sich bereits angemeldet. Es kann stattfinden.

Persönliches Universum: Die Corona-Lage im August. Doch da sind wir optimistisch.

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