358/2018 Bewertungen, die unsere Beziehungsqualität beeinträchtigen

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

hier ist der Coachingbrief für diese Woche.

Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus Bielefeld
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Bewertungen, die unsere Beziehungsqualität beeinträchtigen

Zitat: „Um über andere zu urteilen und sie zu verurteilen, musst du ein Heiliger sein.“ (ukrainisches Sprichwort)

Beispiel: Zwei Mütter, Anne und Mareike, sind mit ihren Kindern auf dem Spielplatz. Während die Kinder spielen unterhalten sich die Mütter:

Anne: „Mein Mann ist zu weich. Er schafft es einfach nicht, dass Aron ihn für voll nimmt. Immer lässt er sich auf der Nase herumtanzen.“

Mareike: „Ach Anne, sei doch nicht immer so genervt. So sind die Männer nun mal. Bei meinem ist es nicht anders.“

Anne: „Musst Du mich dauernd belehren? Das hilft mir überhaupt nicht weiter. Mich regt das nun mal so auf.“

Mareike: „Ich belehre Dich doch nicht dauernd. Anne, was soll denn der Vorwurf jetzt.“

Anne: „Ach lass mich. Ich will mich nicht jedes Mal mit Dir streiten. Ich bin einfach nicht gut drauf heute.“

Beide schweigen.

Information: Die Trennung von Beobachtung und Bewertung ist ein wesentliches Element in der Gewaltfreien Kommunikation. Denn vermischen wir beides, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass andere in dem was wir sagen, eine Kritik hören und nicht mehr offen für unser eigentliches Anliegen sind.

Unter Beobachtungen verstehen wir all das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Hilfreich ist für uns der Vergleich mit einer Kamera. Beobachtungen sind das, was eine Kamera aufzeichnen könnte. Und Bewertungen sind für uns die Schlussfolgerungen, Annahmen, Urteile und Interpretationen, die wir auf eine Beobachtung hin haben, bzw. machen. Und die teilen die Anderen manchmal nicht, sondern sie haben oft ganz eigene und andere Bewertungen.

Bewertungen sind oft sehr statische Aussagen und vergleichbar mit Schubladen, in die wir den Menschen stecken. Dabei werden wir jedoch der Gesamtheit des Menschen und dem stetigen Wandel, dem wir als Mensch unterliegen nicht gerecht.

Die Gewaltfreie Kommunikation versteht sich als eine prozessorientierte Sprache; wir sind bemüht, auf statische Verallgemeinerungen zu verzichten und fokussieren uns auf die Gefühle und Bedürfnisse unseres Gesprächspartners. Und wenn wir Bewertungen äußern, dann geben wir zu erkennen, dass dies gerade „unsere Idee“ oder „unser Eindruck“ ist – und es sich nicht um „die Wahrheit“ handelt.

Zum „Sofort-Üben“: Was sind in unserem Beispiel die statischen Verallgemeinerungen? Wie kann man als Zuhörer auf solche ausgesprochenen Verallgemeinerungen reagieren? (Unsere Idee dazu finden Sie am Ende des Coachingbriefes.)

Wochenaufgabe: Beobachten Sie sich einmal selbst. Wann verwenden Sie statische Verallgemeinerungen? Üben Sie, die zugrundeliegenden Beobachtungen deutlich zu machen.

Aktuelles: Wir möchten Sie auf den Tag der Gewaltfreien Kommunikation in Weimar am 06. Oktober 2018 aufmerksam machen. An diesem Tag werden Workshops zu verschiedensten Bereichen wie z.B. Familie, Beruf, Kinder angeboten. Detailinformationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie unter:https://www.gfk-info.de/seminar/gfk-tag-weimar/

Wenn Sie aus alten behindernden Handlungsmustern aussteigen möchte, dann kommen Sie zu unserem Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation vom 19.-21. Oktober 2018 in Berlin. Beginnen Sie bewusster zu leben und lernen Sie, wie Sie schneller zu sich und anderen eine Verbindung aufbauen können.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Unsere Vorschläge:

Anne: „Mein Mann ist zu weich. Er schafft es einfach nicht, dass Aron ihn für voll nimmt. Immer lässt er sich auf der Nase herumtanzen.“

Mareike: „Ach Anne, sei doch nicht immer so genervt. So sind die Männer nun mal. Bei meinem ist es nicht anders.“

Anne: „Musst Du mich dauernd belehren? Das hilft mir überhaupt nicht weiter. Mich regt es das nun mal so auf.“

Mareike: „Ich belehre Dich doch nicht dauernd. Anne, was soll denn der Vorwurf jetzt.“

Anne: „Ach lass mich. Ich will mich nicht jedes Mal mit Dir streiten. Ich bin einfach nicht gut drauf heute.“

Statische Verallgemeinerungen sind: …ist zu weich; Er schafft es einfach nicht…; Immer lässt er sich auf der Nase herumtanzen; So sind die Männer nun mal; … dauernd belehren; …was soll der Vorwurf; …nicht jedes Mal mit Dir streiten.

Das Gespräch könnte auch diesen Verlauf haben:

Anne: „Mein Mann ist zu weich. Er schafft es einfach nicht, dass Aron ihn für voll nimmt. Immer lässt er sich auf der Nase herumtanzen.“

Mareike: „Du scheinst ganz schön genervt zu sein? Erzähl, wie kommst Du darauf?“

Anne: „Mehr als genervt. Es macht mich schon ganz wütend, dass er Aron immer nachgibt.

Mareike: „Aha, und was meinst Du mit nachgeben?“

Anne: „Na, ich sage z.B. zu Aron und meinem Mann, dass Aron sein Auto nicht bekommt, bevor er aufräumt hat. Und dann sehe ich das Aron mit dem Auto spielt und in seinem Zimmer ist immer noch Chaos. Und mein Mann schaut mich dann schulterzuckend an und sagt: Er hat nicht auf mich gehört. Er hat es sich einfach genommen. Und das geht ständig so.“

Mareike: Mit ständig meinst Du, dass Du es in den letzten Wochen öfters beobachtet hast?“

Anne: „Na ich kann mich jedenfalls nicht mehr erinnern, wann es mal anders war.“

Ein Moment des Schweigens entsteht.

Anne: „Doch früher war das anders. Da haben wir mehr…

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