124/2014 Trainer, red Klartext!

Liebe Leserin und lieber Leser,

hier ist der aktuelle Coachingbrief für diese Woche.

Wir wünschen Ihnen eine gewaltfreie Woche. Herzliche Grüße, diese Woche von uns beiden aus Jena
Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Trainer, red Klartext!

Zitat: „Wer gekratzt werden will, der muss schon sagen, wo es ihn juckt.“ (Aus Indochina)

Beispiel: Die Jugendmannschaft des Fußballclubs Jena liegt zu Beginn der zweiten Halbzeit mit 0:1 zurück. Die gegnerische Mannschaft an diesem Sonntagvormittag ist der derzeitige Tabellenführer und die Spieler wirken körperlich älter, größer und kräftiger. Die etwa 14-jährigen Jungs aus Jena schwitzen, laufen jedem Ball nach, doch es gelingt nur selten die Viererkette der Gegner zu durchbrechen und in Tornähe zu gelangen.

Aus dem mit wenigen Eltern besuchten Zuschauerbereich hört man Rufe wie: „Klasse, Luca.“, „Ja, weiter so, Dennis!“ und „Gut gemacht, Finn!“.

Von der gegenüber liegenden Seite hört man den Trainer rufen: „Steh nicht rum, schlaf nicht ein!“, „Pass doch auf, wo stehst Du denn?“, „Du spielst nicht mit, Du stehst da rum wie ein Zuschauer.“, „Ihr spielt ja ein Angstspiel, das kotzt mich an!“ und „Wenn Du da weiter so herumstolperst, kriegst Du den nächsten Ball auch nicht!“.

Information: Die Elternzurufe unterscheiden sich in ihrer Art ganz deutlich von den Trainerzurufen. Die Eltern fokussieren sich auf die Momente, in denen ihren Sprösslingen etwas gelingt. Spielstrategisch verhilft ein Lob auch nicht zu besseren Spielzügen, doch es könnte zumindest helfen, das Engagement aufrechtzuhalten.

Der Trainer scheint nur zu sehen, was die Kinder anders machen sollten. Unterstellt man, dass die Zurufe des Trainers Bitten an die Kinder sind, ihr Spielverhalten zu ändern, dann sind diese Bitten nach dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation nicht sehr erfolgversprechend, da sie a) unkonkret sind, b) Gefühle erbeten werden und c) keine positive Handlungssprache angewendet wird.

Zum „Sofort-Üben“: Welche Zurufe könnte der Trainer machen, die für die Kinder unterstützender sein könnten? (Unser Vorschlag steht am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Achten Sie auf erfolgversprechende Bitten. Konkret, ohne Vergleiche zu ziehen und ohne Gefühle zu erbitten und in positiver Handlungssprache ausgedrückt.

Herausgeber: Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke
Unser Vorschlag:

„Steh nicht rum, schlaf nicht ein!“

Wenig konkret. Was genau soll der Spieler tun, statt zu stehen? Wenn jemand müde ist, hilft es meistens wenig ihn zu bitten, wach zu sein.

Unsere Alternative: „Hey, lauf zur 14, bleib dicht bei ihm!“

„Pass doch auf, wo stehst Du denn?“

Worauf soll der Spieler aufpassen? Was soll er tun? (Wir haben uns gefragt, was der Trainer sagen würde, wenn der Spieler antworten würde: „Hier stehe ich Trainer, sehen Sie mich jetzt?“)

Unsere Alternative (ähnlich): „Lauf zur 7 rüber und deck ihn!“

„Du spielst nicht mit, Du stehst da rum wie ein Zuschauer.“

Klar spielt er mit. Nur nicht so, wieder Trainer sich das vorstellt. Der Vergleich mit den Zuschauern ist auch wenig hilfreich.

Unsere Alternativen: „Greif an, wenn sie in Deinen Bereich kommen, nimm ihnen den Ball ab.“

„Ihr spielt ja ein Angstspiel, das kotzt mich an!“

Wahrscheinlich möchte er, dass „seine Jungs“ mutiger gegen den Tabellenführer antreten. Aber das sagt er nicht. Er urteilt und drückt aus, wie es ihm damit geht. Allerdings wäre es hier auch wenig sinnvoll, um das gegenteilige Gefühl zu bitten („Seid mutiger…). Das ist ähnlich wie dieser immer wieder zu hörende Hinweis an Kinder, die vor einem Hund zurückschrecken: „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Verschwindet davon die Angst?

Unsere Alternative: „Setzt Euren Körper ein, geht auf den Gegner zu.“

„Wenn Du da weiter so herumstolperst, kriegst Du den nächsten Ball auch nicht!“

Das „herumstolpern“ ist das bewertende Urteil des Trainers über den Laufstil des Spielers. Und die negative Prognose ist auch nicht hilfreich.

Unsere Alternative: „Konzentrier Dich bei der Ballannahme, schau auf den Ball!“

 

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