„Gewaltfrei leben“ 766 / 2026
Liebe Leserin und lieber Leser,
ein Beitrag bei LinkedIn über ein Ampelsystem in einer Schule hat mich (Anja) in den vergangenen Tagen besonders bewegt. Es ging darin um ein System, bei dem Kinder einer grünen, gelben oder roten Kategorie zugeordnet werden, je nach gezeigtem Verhalten:
- Grün – das Verhalten war gut
- Gelb – das Verhalten ist grenzwertig und es gab schon Verwarnungen
- Rot- das Verhalten des Kindes geht gar nicht
Dahinter werden die Namen der Kinder aufgelistet; diese Liste hängt dann sichtbar im Klassenzimmer aus.
Die Absicht dahinter mag sein, Orientierung zu geben und Kindern eine Rückmeldung über ihr Verhalten zu ermöglichen. Gleichzeitig frage ich mich: Was geschieht in einem Kind, wenn sein Name öffentlich mit einer negativen Bewertung verknüpft wird? Wie leicht wird aus der Botschaft „Dein Verhalten war nicht in Ordnung“ die innere Überzeugung „Mit mir stimmt etwas nicht“?
Mich berührt das Thema tief, weil ich als Kind selbst erlebte, wie schmerzhaft Ablehnung ohne das Eingreifen Erwachsener sein kann. Ab der fünften Klasse wurde ich eine Zeitlang von Mitschüler:innen beleidigt und manchmal auch körperlich angegangen. Es veränderte sich später in ein konsequentes, stilles Ausgrenzen. An Unterrichtsmomente kann ich mich nur wenig erinnern, wohl aber an die damalige Angst, Einsamkeit und Ohnmacht. Ob die Lehrkräfte wissend wegsahen oder ratlos bezüglich Maßnahmen waren, blieb während und auch nach dieser Zeit für mich offen. Zurück blieb die Erfahrung, dass man auch unter Menschen, die einen Schutzauftrag haben, mit seiner Not allein sein kann – und die Idee entwickeln kann, nicht schützenswert zu sein.
Genau deshalb lässt mich das Thema nicht los, wenn in Systemen, Kinder öffentlich bewertet werden. Nicht, weil ich glaube, dass Lehrkräfte Kindern schaden möchten. Ich kenne viele engagierte Pädagog:innen, die jeden Tag ihr Bestes geben und Kinder begleiten möchten.
Vielmehr frage ich mich: Was bringt Menschen dazu, solche Instrumente einzusetzen, und welche Unterstützung brauchen Pädagog:innen, um auch in herausfordernden Situationen andere Wege zu finden? Darum soll es in diesem heutigen Coachingbrief gehen.
Herzliche Grüße von uns beiden aus Jena und Bielefeld,
Anja Palitza & Olaf Hartke
Thema: Was bleibt, wenn niemand schützt – ein persönlicher Coachingbrief über Kinder, Bewertungen und das Bedürfnis nach Verbundenheit
Zitat: „Wenn du ein Kind kritisierst, hört es nicht auf, dich zu lieben. Es hört auf, sich selbst zu lieben.“ (Unbekannt)
„Ein Kind braucht deine Liebe am meisten, wenn es sie am wenigsten verdient.“ (Erma Bombeck)
Beispiel: Vor einigen Tagen beobachtete ich auf einem Spielplatz einen kleinen Jungen. Er versuchte immer wieder, die Rutsche von unten hinaufzulaufen. Jedes Mal rutschte er wieder herunter. Irgendwann setzte er sich ans Ende der Rutsche, zog die Beine an und weinte bitterlich.
Ein älteres Kind, vermutlich sein Bruder, stand ein paar Meter entfernt und lachte.
Ein Erwachsener, vielleicht der Vater, ging zunächst zu dem älteren Jungen, nahm ihn an die Hand und kam dann zu dem Jüngeren. Er setzte sich neben ihn, sagte zunächst gar nichts und wartete einfach. Erst als das Schluchzen etwas ruhiger wurde, legte er ihm eine Hand auf den Rücken und fragte: „Du wärst gern schon so groß wie Dein Bruder und möchtest das auch können?“ Der kleine Junge nickte unter Tränen. Der Vater schaute den Älteren an. Dieser trat näher und sagte leise: „Komm, wir schaffen das zusammen.“
Nach einer Weile stand der Kleine wieder auf und versuchte es noch einmal. Diesmal gelang es ihm.
Information: Immer dann, wenn man herausforderndes Verhalten von Kindern begegnet, lohnt es sich, einen Moment vor einer Reaktion innezuhalten und sich zu fragen, welches Ziel will ich verfolgen. Möchte ich, dass ein Kind sich kurzfristig anpasst? Oder wünsche ich mir, dass es versteht, welche Auswirkungen sein Verhalten auf andere hat und zunehmend Verantwortung dafür übernimmt? Diese Unterscheidung erscheint uns bedeutsam, weil sie den Blick darauf verändert, welche pädagogischen Mittel man wählen wird.
Viele Maßnahmen, die wir heute in Schulen oder Kindergärten beobachten, entstehen aus einem nachvollziehbaren Bedürfnis nach Orientierung und Entlastung. Lehrkräfte tragen eine große Verantwortung. Sie begleiten viele Kinder gleichzeitig, begegnen sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und stehen oft unter erheblichem Zeitdruck. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass in Schulen nach Instrumenten gesucht wird, die schnell für Ruhe und Übersicht sorgen. Ein Ampelsystem kann Lehrkräften deshalb zunächst durchaus sinnvoll erscheinen.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Botschaft bei den Kindern ankommt. Erlebt ein Kind, dass sein Verhalten besprochen wird, oder erlebt es, dass es selbst als Mensch bewertet wird? Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick klein wirken, für die Entwicklung eines Kindes ist er jedoch von großer Bedeutung.
Verhalten und Person konsequent trennen
Die Gewaltfreie Kommunikation lädt uns dazu ein, Verhalten und Person konsequent voneinander zu unterscheiden. Ein Verhalten kann andere verletzen, den Unterricht stören oder Grenzen überschreiten. Dann braucht es eine klare Rückmeldung und auch eine Entscheidung, wie man darauf reagieren möchte. Daraus folgt jedoch nicht, dass mit dem Menschen selbst etwas nicht stimmt. Seine Würde bleibt unberührt – unabhängig davon, wie man das Verhalten in diesem Moment einschätzt.
Genau an dieser Stelle können Kinder eine wichtige Unterscheidung lernen; die Unterschiedlichkeit zweier von Erwachsenen häufig angewendeten Konzepte zur Beeinflussung des Verhaltens von Kindern:
- Durch Beschämung oder Bestrafung angestrebte Verhaltensveränderung
Kinder erleben sich als falsch und/oder nicht zugehörig und Verändern ihr Verhalten (solange sie unter Aufsicht stehen), weil sie die begleitenden Gefühle während dieser Maßnahmen nicht gut aushalten können. Sie lernen auch, besser aufzupassen nicht erwischt zu werden und das größere und stärkere Menschen über kleinere und schwächere bestimmen können.
- Durch Verständnis und Einsicht eintretende selbstverantwortliche Verhaltensänderung
Kinder erkennen die Folgen ihres Handelns und entwickeln einen inneren Gradmesser dafür, welche Verhaltensweisen innerhalb einer Gemeinschaft dienlich sind und welche weniger. Sie lernen sozialkompetentes Verhalten durch die „nichtstrafende“ und „nichtbewertende“ Orientierungsgabe anderer und übernehmen Verantwortung für ihr Verhalten.
Verantwortungsübernahme entsteht also eher dann, wenn ein Mensch erkennen kann, welche Folgen sein Handeln hatte und welche Möglichkeiten er hat, künftig anders zu handeln.
Beschämung dagegen richtet den Blick nicht auf das Verhalten, sondern auf die Person. Aus einem „Das Verhalten war nicht in Ordnung.“, wird innerlich leicht ein „Ich bin nicht in Ordnung.“. Diese Verschiebung geschieht im Empfinden und Denken von Kindern oft unbemerkt und kann doch weitreichende Folgen haben.
Warum Scham das Lernen blockiert
Die Schamforschung beschreibt, dass Menschen unter starkem Schamerleben nur eingeschränkt lernen können. Ein Kind, das sich schämt, beschäftigt sich innerlich deutlich weniger mit der Frage, was sein Verhalten beim Gegenüber ausgelöst haben könnte. Seine Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr darauf, sich selbst zu schützen. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere reagieren mit Wut oder Trotz und wieder andere versuchen, möglichst unauffällig zu werden und passen sich an. Die Reaktionen unterscheiden sich, der innere Prozess ähnelt sich jedoch häufig: Die Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Erhalt von Selbstwert gilt es zu schützen.
Sicherheit als Grundlage für Entwicklung
Deshalb glauben wir, dass nachhaltiges Lernen dort beginnt, wo Menschen sich sicher fühlen. Sicherheit bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist oder Grenzen fehlen. Im Gegenteil: Kinder brauchen verlässliche Erwachsene, die Orientierung geben und Konflikte ansprechen. Entscheidend ist jedoch die Haltung, aus der heraus dies geschieht. Spürt ein Kind: „Ich werde als Mensch weiterhin geachtet, auch wenn mein Verhalten heute als problematisch gesehen wird“, dann entsteht ein Raum, in dem Entwicklung möglich wird.
Vielleicht liegt genau darin eine der größten Chancen der Gewaltfreien Kommunikation. Sie fordert uns heraus, weder schwieriges Verhalten zu verharmlosen, wegzuschauen noch Menschen aufgrund ihres Verhaltens zu bewerten. Sie erinnert uns immer wieder daran, dass hinter jedem Verhalten ein Mensch mit Bedürfnissen, Hoffnungen und Verletzlichkeiten steht. Diesen Menschen im Blick zu behalten, ist manchmal anspruchsvoll.
Aus unserer Erfahrung lohnt sich genau dieser Weg, weil er Beziehung erhält und gleichzeitig die Grundlage dafür schafft, dass Verantwortung wachsen kann. Das ist schwer, werden Sie sagen. Ja, da stimmen wir Ihnen zu. Schwer und trotzdem erlernbar und machbar.
Zum Sofort-Üben: Auf welche Person hat der Vater in unserem Coachingbriefbeispiel reagiert? (Unsere Gedanken dazu und ein Beispiel von Olaf finden Sie am Ende des Coachingbriefes.)
Wochenaufgabe: Nehmen Sie sich einmal Zeit und denken Sie an Ihre eigene Schulzeit zurück. Welche Erinnerung taucht als Erstes auf? War es eine Situation, in der Sie sich gesehen, ermutigt oder geschützt erlebt haben? Oder erinnert Sie etwas daran, wie es war, sich ängstlich, traurig, hilflos oder einsam gefühlt zu haben?
Fragen Sie sich anschließend:
Was hat ein Erwachsener damals getan – oder vielleicht auch nicht getan –, das Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist? Was hätten Sie sich unter Umständen für ein Verhalten gewünscht?
Nehmen Sie sich in den nächsten Tagen bewusst vor, einem Menschen zu zeigen, dass er gesehen wird. Vielleicht durch aufmerksames Zuhören, durch empathische Vermutungen oder durch interessiertes Nachfragen, bevor Sie kritisieren? Überlegen Sie einmal, wie können Sie einem Kind, einer Kollegin oder einem Partner vermitteln: „Unsere Verbindung ist mir wichtig – auch wenn ich mich gerade an Deinen Verhaltensweisen reibe.“
Aktuelles
Besonderer Hinweis: Wandeltage 2026 – Beziehungspflege, die tiefer geht
Beziehungen entstehen nicht allein durch gemeinsame Zeit. Sie wachsen dort, wo Menschen sich ehrlich begegnen, aufmerksam zuhören und auch für das offen bleiben, was im Alltag oft keinen Raum findet. Genau darin sehen wir eine der wertvollsten Formen von „Beziehungspflege“.
Unsere Jahresgruppe „Wandeltage 2026“ lädt dazu ein, sich über mehrere Monate hinweg gemeinsam auf diesen Weg zu machen. Zwischen den einzelnen Modulen entsteht Schritt für Schritt Vertrauen, Verbindung und eine besondere Offenheit füreinander. Viele Teilnehmende erleben es als wohltuend, einen Raum zu haben, in dem nicht Leistung oder Funktionieren im Vordergrund stehen, sondern echtes Miteinander.
Die Wandeltage verbinden persönliche Entwicklung, Gewaltfreie Kommunikation und gemeinsames Wachsen in einer festen Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, inspirieren und begleiten.
Start der Jahresgruppe: 28.08.2026 „Wandeltage 2026“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
Kleine Glücksmomente:
Im Alltag gehen freundliche Worte, kleine Gesten und persönliche Wertschätzung oft unter, obwohl genau sie die Beziehungen stärken und Menschen gut tun können. Mit unseren Gratis-Postkarten möchten wir Sie dabei unterstützen, sich selbst und anderen immer wieder kleine Glücksmomente zu schenken — unerwartet, herzlich und nährend.
Zu unseren Gratis-Postkarten
https://www.verbale-raumpflege.de/gratis/kleine-glücks-momente/
Online-Trainings 2026
09.09.2026 „Verbale Raumpfleger*Innen gesucht“
Beginn der kostenfreien 3-teiligen Onlinereihe
www.verbale-raumpflege.de
Gerade in Teams, Gruppen und Arbeitsgemeinschaften entscheidet oft nicht nur die fachliche Kompetenz darüber, ob Zusammenarbeit gelingt, sondern auch die Art, wie Menschen miteinander sprechen, Spannungen wahrnehmen und aufeinander eingehen.
Mit unserer kostenfreien Onlinereihe „Verbale Raumpfleger*Innen gesucht“ richten wir den Blick auf genau diese oft unterschätzte Form der Beziehungspflege. Wie kann Kommunikation dazu beitragen, dass Vertrauen erhalten bleibt? Wie lassen sich kleine Irritationen frühzeitig wahrnehmen, bevor sie sich festsetzen? Und wie können Menschen dazu beitragen, dass Gespräche verbindender, klarer und zielorientierter werden?
Aus unserer Sicht sind genau diese „kleinen Wartungsarbeiten“ auch ein wichtiger Beitrag für lebendige Zusammenarbeit und ein gutes Miteinander in Gruppen und Teams.
05.11.2026 Trainer(Innen)-Ausbildung online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
Präsenz-Seminare 2026/2027
28.08.2026 Start der „Wandeltage 2026“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
11.09.2026 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Herbst (1 Tag)
13.09.2026 Bildungsurlaub „Führungskräftetraining auf Basis GfK“ im Kunze-Hof (5 Tage)
05.10.2026 Neu Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Juist (5 Tage)
15.11.2026 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
11.12.2026 Auszeit für Unternehmer-Paare – Jahresplanung 2027 (2 Tage)
29.12.2026 Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Klang und Gesang (5 Tage)
08.01.2027 Ins neue Ja(hr) mit GFK – in Hünfeld (3 Tage)
16.02.2027 Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte bei Interlaken (CH 5 Tage)
11.04.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Juist (5 Tage)
21.05.2027 „Wandeltage unendlich“ – in Hünfeld (3 Tage)
06.06.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ im Kunzehof (5 Tage)
31.07.2027 GFK und Aqua-Wellness auf Lesbos (7 Tage)
17.10.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ in Bad Tölz (5 Tage)
21.11.2027 Bildungsurlaub „Führungskräftetraining auf Basis GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf unserer Website. http://www.erfolgsschritte.de
Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.erfolgsschritte.de
© Copyright Anja Palitza & Olaf Hartke
Unsere Anregungen zur Sofort-Üben-Aufgabe: Vielleicht mögen Sie das Beispiel mit der Rutsche noch einmal vor Ihrem inneren Auge entstehen lassen.
Der Vater bewertet keines der beiden Kinder. Er sagt dem älteren Bruder nicht: „Hör auf zu lachen. Das macht man nicht.“ Gleichzeitig versucht er auch nicht, den jüngeren Jungen möglichst schnell vom Weinen abzubringen. Er sagt weder: „Nun ist aber gut.“ noch: „Du schaffst das schon.“ Er nimmt ihm die Erfahrung auch nicht ab, indem er ihn einfach auf die Rutsche hebt.
Stattdessen interessiert er sich zunächst für das, was in beiden Kindern lebendig sein könnte. Er schenkt dem jüngeren Jungen Empathie und vermittelt ihm: „Ich bin da. Du musst mit Deinem Frust nicht allein sein.“ Gleichzeitig bezieht er den älteren Bruder mit ein und hilft ihm, sich in seinen Bruder hineinzuversetzen.
Bemerkenswert finden wir, dass er keines der beiden Kinder korrigierte oder bewertete. Stattdessen half er beiden, miteinander in Kontakt zu kommen.
Genau darin sehen wir einen wesentlichen Unterschied zwischen Bewertung und Empathie. Bewertungen sagen Menschen häufig, was sie falsch machen und wie sie sein sollten. Empathie interessiert sich zunächst dafür, was in einem Menschen gerade lebendig ist. Aus unserer Erfahrung entsteht genau dort die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht auf andere zu entwickeln – nicht aus Angst vor Strafe oder Beschämung, sondern weil wir den anderen als Menschen wahrnehmen.
Ergänzung von Olaf:
Ich habe vorhin im Stillen Anjas Wochenaufgabe umgesetzt. Eine der ersten Erinnerungen war eine Situation im Musikunterricht. Einzeln Vorsingen war angesagt und die Lehrerin (deren Namen ich tatsächlich vergessen habe; ihr Aussehen ist mir hingegen noch sehr präsent) gab anschließend Zensuren. Als ich mich weigerte, sagte sie sinngemäß, Leistungsverweigerung sei eine Sechs, jedes Singen mindestens eine Fünf oder besser. Aufgrund meiner Vorerfahrungen mit ihr lieferte ich – bedingt durch Angst und den damaligen Stimmbruch – etwas ab, dass sicherlich nicht besonders schön klang. An ihren Satz darauf kann ich mich heute noch erinnern; an das Gelächter in der Klasse auch: „Das ist ja blöd, dass ich Dir vorher gesagt habe, jedes Singen sei wenigstens eine Fünf. Du kriegst sie, aber verdient hast Du sie nicht.“
Es gibt 45 Jahre später daneben auch noch eine Menge Erinnerungen an Lehrer:innen, denen gegenüber ich Augenhöhe empfand, obwohl sie sehr klar damalige Verhaltensweisen von mir kritisiert und unterbunden haben. Pädagogen von denen ich damals gelernt habe, das Gemeinschaft toll ist, wenn eine Person die natürliche Autorität hat (Autorität wird „gegeben“) zu führen und Orientierung und Klarheit zu geben, ohne zu bestrafen oder zu beschämen.
Posthum vermutlich – Danke an Roswitha Kreidel (später Roswitha Preckel), Jürgen Greger und Volker Bussmeyer. Eure Namen weiß ich heute noch…