Liebe Leserin und lieber Leser,
wir gehen in dieser Ausgabe einer Frage nach, die uns immer wieder begegnet:
„Wie entsteht eine neue Haltung – sich selbst und anderen Menschen gegenüber?“
Eine kurze Antwort vorab: Sie entsteht nicht allein in unserem Denken. Sie benötigt zur Entwicklung auch eine neue Art, mit Gefühlen umzugehen, bedarf neuer Reaktionsmuster und wiederkehrende Erlebnisse und Erfahrungen im Umgang mit sich selbst und anderen. Erst dann kann sich eine neue Haltung entwickeln.
Diese Frage beschäftigt oft auch die Menschen, die an unserer GFK-Jahresgruppe „Wandeltage“ teilnehmen. Und genau dafür – für die Entwicklung einer neuen Haltung sich selbst und anderen gegenüber – haben wir das Format „Wandeltage“ als Jahreskurs entwickelt und über die letzten Jahre optimiert.
Herzliche Grüße, heute von uns beiden aus Bielefeld,
Anja Palitza & Olaf Hartke
Thema: Wenn neue Erfahrungen das verändern, was Worte allein nicht können
Zitat: „Alles, was Menschen ermutigt und inspiriert, eine neue, andere Erfahrung zu machen als bisher, ist gut für das Hirn und damit gut für die Gemeinschaft.“ (Gerald Hüther)
„Alte Denkmuster sind wie ausgetretene Pfade im Wald. Es ist viel bequemer, auf ihnen zu gehen, als sich mühsam einen neuen Weg durchs Unterholz zu schlagen.“ (Unbekannt)
„Der Verstand folgt dem Herzen, nicht umgekehrt. Es sind die Erfahrungen und Emotionen, die unser Denken steuern.“ (Antonio Damasio)
Beispiel: Vor einiger Zeit erzählte uns eine Teilnehmerin eines Einführungsseminars von ihrem Frust. Sie hatte mehrere Bücher zur Gewaltfreien Kommunikation gelesen, Podcasts gehört und auch schon Seminare besucht. Die vier Schritte konnte sie problemlos erklären.
Und dennoch erlebte sie immer wieder etwas sehr Ähnliches: Sobald ihr Mann etwas sagte, das sie als Vorwurf oder Kritik verstand, reagierte sie wie gewohnt. Erst im Nachhinein und mit etwas Abstand bemerkte sie in solchen Situationen, dass sie eigentlich anders hatte reagieren wollen. Sie sagte zu uns:
„Ich weiß inzwischen so viel über Gewaltfreie Kommunikation. Aber in manchen Situationen komme ich einfach nicht an dieses Wissen heran.“
Vielleicht kennen Sie ähnliche Erfahrungen, auch aus anderen Bereichen Ihres Lebens. Wir wissen oft längst, was wir anders machen könnten. Trotzdem gelingt die Veränderung nur teilweise oder gar nicht.
Information: Doch weshalb ist das so?
Der Neurobiologe Gerald Hüther weist darauf hin, dass unser Gehirn nicht nur Informationen speichert. Es speichert vor allem Erfahrungen darüber, was sich bewährt hat, was Sicherheit gegeben hat und wie wir bisher durchs Leben gekommen sind.
Mit der Zeit entstehen aus sich wiederholenden Erfahrungen feste Überzeugungen. Und aus diesen Überzeugungen entwickelt sich nach und nach eine stabile Haltung.
Doch was meinen wir eigentlich mit „Haltung“?
Haltung zeigt sich häufig auch in unseren Gewohnheiten. Eine Haltung ist jedoch mehr, als nur feste Gewohnheiten.
Eine Gewohnheit beschreibt ein wiederkehrendes Verhalten. Beispielsweise reagieren manche Menschen auf Kritik sofort mit Rechtfertigungen. Andere ziehen sich zurück oder werden laut.
Eine Haltung liegt tiefer. Sie prägt, wie wir uns selbst, andere Menschen und die Welt wahrnehmen und interpretieren. Die Haltung beeinflusst, was wir in einer Situation denken, fühlen und schließlich tun werden.
Wer beispielsweise die Haltung gegenüber Konflikten entwickelt hat, dass Konflikte gefährlich sind, wird häufig anders reagieren als jemand, der Konflikte als Chance für Verständigung und genaueres Kennenlernen betrachtet.
Unsere Gewohnheiten sind deshalb oft sichtbare Ausdrucksformen zu verschiedenen Aspekten unserer Haltung.
Neue Erkenntnisse können unser kognitives Verständnis erweitern. Verändern können uns jedoch vor allem Erfahrungen und Erlebnisse, die für uns bedeutsam sind und die uns innerlich berühren.
Vielleicht kennen Sie das auch von sich selbst: Viele Menschen wissen sehr genau, was ihnen gut tun würde. Dennoch handeln sie nicht automatisch anders. Zwischen dem Verständnis für die Sinnhaftigkeit einer Veränderung und der praktisch im Alltag gelebten Veränderung liegt oft ein Weg neuer Erfahrungen.
Deshalb lässt sich eine andere Haltung weder verordnen noch durch gute Argumente herbeiführen. Menschen können eingeladen, ermutigt und inspiriert werden, Neues zu entdecken. Ob sich einer neuen Option eine Kette bestätigender Erfahrungen anschließt, bleibt zunächst mal offen. Die Art oder Qualität der neuen Erfahrungen entscheidet wesentlich mit darüber.
Wer zum Beispiel lernen möchte, Konflikte mit Hilfe Gewaltfreier Kommunikation anders zu führen, braucht vermutlich nicht nur ein Einführungsseminar, sondern eine Reihe von Gelegenheiten – vielleicht mit Begleitung, Feedback oder Unterstützung. Damit bestätigende Erfahrungen folgen, dass es geht und sich „gut anfühlt“. Darüber entsteht eine neue Überzeugung und irgendwann eine ganz unbewusste bejahende Haltung gegenüber Konflikten.
Auch wer lernen möchte, sich selbst mit mehr Mitgefühl zu begegnen, braucht Situationen, in denen diese Erfahrung möglich wird.
Die neuen Erfahrungen wirken selten sofort. Unser Gehirn speichert sie erstmal vorsichtig als „überraschende Ausnahmen“ ab. Sammelt man davon einige, beginnen sich Überzeugungen und Glaubenssätze zu destabilisieren. („Hm, vielleicht verändert die GFK ja doch etwas in meinem Leben.“)
Nach und nach beginnt unser Gehirn, neue Wege als vertraut und sicher zu erleben. Deshalb braucht Veränderung Zeit, Übung und Gelegenheiten, Neues immer wieder auszuprobieren.
Neue Erfahrungen entstehen selten dort, wo alles bleibt wie bisher. Deshalb suchen viele Menschen bewusst Orte auf, an denen sie Abstand vom Alltag gewinnen, neue Perspektiven entdecken und mit anderen Menschen in einen ehrlichen Austausch kommen.
Klöster gehören für uns zu solchen Orten. Stille, Zeit zur Reflexion und eine feste Lerngruppe schaffen einen Rahmen, in dem Menschen neue Erfahrungen machen können. Nicht als einmaliges Erlebnis, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg.
Denn: Veränderung braucht Wiederholung und neue Erfahrungen müssen sich festigen, bevor sie Teil unserer Haltung werden können.
Zum „Sofort-Üben“: Denken Sie an etwas, das Sie schon länger in Ihrem Leben verändern möchten. Was müsste geschehen, damit diese Veränderung für Sie tatsächlich möglich wird?
Und welche Erfahrungen könnten Sie dabei unterstützen?
Wochenaufgabe: Greifen Sie in dieser Woche eine Situation auf, in der Sie automatisch reagiert haben. Nehmen Sie sich anschließend einen Moment Zeit und fragen Sie sich:
Welche Erfahrung aus meinem bisherigen Leben könnte hinter dieser Reaktion stehen?
Und welche neue Erfahrung würde mich dabei unterstützen, künftig anders zu handeln?
Aktuelles: Jahresausbildung „Wandeltage 2026/2027“ – noch Plätze frei
In unseren Wandeltagen beschäftigen wir uns nicht nur theoretisch mit der Frage, wie Veränderung entsteht.
Über viele Jahre haben wir ein Konzept entwickelt, das Menschen einlädt, neue Erfahrungen zu machen. Erfahrungen mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit den Möglichkeiten der Gewaltfreien Kommunikation.
Dabei geht es nicht in erster Linie um die Vermittlung von Wissen. Natürlich gibt es fachliche Impulse und neue Perspektiven. Entscheidend ist jedoch, dass diese Inhalte auf Erfahrungen treffen, die sie mit Leben füllen können.
Die feste Gruppe, die besondere Atmosphäre der Klöster, die Übungen, die Reflexion und der Austausch miteinander schaffen einen Rahmen, in dem neue Erfahrungen möglich werden. Erfahrungen, die berühren, ermutigen und manchmal auch überraschen.
Denn erst wenn neue Erkenntnisse mit eigenen Erfahrungen verbunden werden, können sie nach und nach Teil unserer Haltung werden.
Aus diesem Grund erstrecken sich die Wandeltage auch über mehrere Module. Es geht nicht um ein intensives Wochenende, sondern um einen Lern- und Entwicklungsweg über viele Monate hinweg.
6 Module · 6 Klöster · August 2026 bis Mai 2027
Modul I – 28.–30. August 2026 | Bonifatiuskloster Hünfeld
Modul II – 02.–04. Oktober 2026 | Kloster Vierzehnheiligen bei Bamberg
Modul III – 04.–06. Dezember 2026 | Kloster Helfta Eisleben
Modul IV – 29.–31. Januar 2027 | Kloster Huysburg im Harz
Modul V – 19.–21. März 2027 | Marcel-Callo-Haus Heilbad Heiligenstadt
Modul VI – 30. April – 02. Mai 2027 | Kloster Drübeck im Harz
Die Themen der Ausbildung umfassen Selbstempathie, innere Klarheit, Konfliktfähigkeit, Dialogkompetenz, authentische Führung, Kommunikation in herausfordernden Situationen sowie persönliche Entwicklung und soziale Verantwortung.
Die Gruppe bleibt bewusst klein. Einige Plätze sind noch frei. Bei Interesse können Sie hier schauen.
29.06.2026 Schneller tragfähige Teamentscheidungen treffen
60-minütigen Grundlagen-Webinar: https://www.edudip.market/lp/312740
Die am häufigsten verwendeten Abstimmungs- und Entscheidungsverfahren sind der Mehrheitsentscheid und die Vorzugswahl. Doch beide führen oft nicht zu tragfähigen Gruppenentscheidungen.
Der Grund: Jede Abstimmung erzeugt Unterlegene, die sich nur wenig an die von anderen Menschen getroffene Entscheidung gebunden fühlen. Oft zeigen diese „überstimmten“ Teammitglieder nicht den vollen Einsatz. Bei Schwierigkeiten neigen sie dazu, die aus ihrer Sicht falsche Entscheidung zu kritisieren oder sogar zu boykottieren.
Systemisches Konsensieren ist ein besonderer Weg der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Als Konsensieren bezeichnet man den kreativen Prozess der Suche nach der bestmöglichen Näherung an den Konsens, also nach der größtmöglichen Akzeptanz unter den Beteiligten.
Das Ergebnis ist eine Entscheidung, die von allen Beteiligten getragen werden kann und für die sich alle engagieren können.
Jetzt kostenfrei anmelden zum 60-minütigen Grundlagen-Webinar:
https://www.edudip.market/lp/312740
05.11.2026 Trainer(Innen)-Ausbildung online (4 Module, 20 Tage, Trainerteam)
Präsenz-Seminare 2026/2027
27.06.2026 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena (2 Tage)
28.08.2026 Start der „Wandeltage 2026“ – GFK-Jahresgruppe (6 Module)
11.09.2026 Auszeit für Unternehmer-Paare – Ziele-Update im Herbst (1 Tag)
13.09.2026 Bildungsurlaub „Führungskräftetraining auf Basis GfK“ im Kunze-Hof (5 Tage)
05.10.2026 Neu Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Juist (5 Tage)
15.11.2026 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
11.12.2026 Auszeit für Unternehmer-Paare – Jahresplanung 2027 (2 Tage)
29.12.2026 Gewaltfreie Kommunikation in Verbindung mit Klang und Gesang (5 Tage)
08.01.2027 Ins neue Ja(hr) mit GFK – in Hünfeld (3 Tage)
16.02.2027 Schneeschuh-Tour zur Hohgant-Hütte bei Interlaken (CH 5 Tage)
11.04.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ auf Juist (5 Tage)
21.05.2027 „Wandeltage unendlich“ – in Hünfeld (3 Tage)
06.06.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ im Kunzehof (5 Tage)
31.07.2027 GFK und Aqua-Wellness auf Lesbos (7 Tage)
17.10.2027 Bildungsurlaub „Einführung GfK“ in Bad Tölz (5 Tage)
21.11.2027 Bildungsurlaub „Führungskräftetraining auf Basis GfK“ auf Spiekeroog (5 Tage)
Weitere Infos zu allen Terminen in unserer Übersicht auf unserer Website
Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
www.verbale-raumpflege.de
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