496/2021 Entschuldigen oder Bedauern

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nach unserem letzten Coachingbrief erhielten wir sehr zeitnah ungewohnt viele Rückmeldungen. Unsere Neugierde war schnell befriedigt: Einer der Textabsätze endete nach einem „B“ und der Rest des Wortes und der Rest des Satzes fehlten. Daher gab es einige Leser, die an der Fortsetzung des Gedankens interessiert waren.

Es fehlten lediglich drei Worte „Bestätigung der Überzeugung.“ – doch das konnte man ja nicht wissen. Die vollständige Version können Sie hier nachlesen:

Herzliche Grüße, heute von uns beiden aus dem Bonifatiuskloster in Hünfeld – dem Ort unseres erstes Präsenztrainings seit November 2020 (freu, freu, freu…)

Anja Palitza und Olaf Hartke

Zitat: „Manche wollen nur, daß, nicht wie, man sich entschuldige.“ (Johann Paul Friedrich Richter)

Beispiel: Wir versenden einen Coachingbrief und die letzten Worte eines Absatzes fehlen. Die Leser wissen nicht, wie der Gedankengang endet und es bleibt unklar, wieviel Text dort fehlt. Einige Leser fragen per Mail nach.

Information: Anhand dieses kleinen Beispiels aus dem Alltag möchten wir den Unterschied zwischen den beiden Konzepten „sich entschuldigen“ und „etwas bedauern“ verdeutlichen.

Manchmal stellt man im Nachhinein fest, dass man etwas getan hat, was man gern anders gemacht hätte, weil es nicht die Bedürfnisse aller Beteiligten befriedigt hat. Man löst damit unter Umständen auch starke Gefühle bei anderen Menschen aus. Man sprich dann häufig von einem Fehler und man bekommt je nach Größe des Fehlers und Auswirkung auf die Beteiligten eine Schuld zugesprochen, die man dann hat und die man gern wieder loswerden möchte, weil sie sich unbequem anfühlt.

Im Rahmen des Konzeptes von „sich entschuldigen“ äußern wir dann etwas und die Menschen, deren Bedürfnisse durch unser Handeln nicht erfüllt wurden, entscheiden dann, ob unsere Entschuldigung von ausreichender Intensität oder Qualität ist, um uns die Schuld zu vergeben. Dann hat die „Ent-Schuldigung“ funktioniert, ihren Zweck erfüllt und die Person, die den Fehler gemacht hat, ist „ent-schuldet“; wieder von der Schuld freigesprochen. Häufig wirkt dies im Alltag wie ein recht formaler Vorgang und es gehört zu einem automatisierten „guten Benehmen“.

Etwas anders ist es beim GFK-Konzept des „Bedauerns“. Wir sprechen nicht von einem Fehler, sondern wir erkennen an, dass wir zur Erfüllung unserer Bedürfnisse etwas getan haben, das gleichzeitig die Bedürfnisse anderer in einem bestimmten Ausmaß in eine „Nicht-Erfüllung“ gebracht hat.

Wenn wir die Haltung des Modells Gewaltfreie Kommunikation authentisch leben wollen, dann hat die GFK-Grundlage „Die Bedürfnisse aller an einer Interaktion beteiligten Menschen sind gleichwertig.“, für uns eine Bedeutung. Es ist unser Anliegen, dass die Bedürfnisse aller gleich wichtig sind und wir spüren unter Umständen ein Bedauern dafür, dass wir durch unser Wirken nicht alle Bedürfnisse bedacht und berücksichtigt waren.

Diese Wahrnehmung auszusprechen nennen wir „etwas bedauern“ und es ist für uns die „gewaltfreie Alternative“ zum „sich entschuldigen“.

Dabei nutzen wir den 1. Schritt des Modells (Beobachtung), fügen eventuell die möglichen Folgen für die Beteiligten hinzu und teilen mit, dass wir diese Sache bedauern. Je nach Intensität der beim Gegenüber ausgelösten Gefühle, zeigen wir ergänzend durch eine empathische Vermutung auch, was wir vom Gegenüber verstanden haben.

Zum „Sofort-Üben“: In Anlehnung an den im Coachingbrief nicht gesendeten Text – wie klänge eine Entschuldung und was vermuten Sie, wie klingt unser aufrichtiges Bedauern? (Unsere Gedanken dazu finden Sie am Ende der Mail.)

Wochenaufgabe: Achten Sie im Alltag einmal eine Woche lang auf die unterschiedlichen Formulierungen beim „sich entschuldigen“ und „etwas bedauern“ und prüfen Sie, welchen Unterschied diese beiden Konzepte und für Sie und Ihre jeweiligen Gegenüber machen.

Aktuelles
Wandeltage 2021
Die Gruppe wächst weiter!!! Ein Platz für die Jahresausbildung ist noch frei. Gesellen Sie sich dazu und machen Sie das Jahr 2021 zu Ihrem Wandeljahr.

Start ist nach erneuter Lockdown-Verlängerung nun am Wochenende 18.-20. Juni. Weitere Infos gern auf Anfrage.

Weitere Seminare
03.07.2021 GfK-Tage in Erfurt                                                                              2 Tage
17.07.2021 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                       2 Tage
09.10.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena                        2 Tage
24.10.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK auf der Nordseeinsel Spiekeroog          5 Tage
14.11.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK am Jadebusen bei Wilhelmshaven        5 Tage

Save the date: LeserInnen-Treffen an den Helfensteinen am 23. Juli 2021
Im Sommer feiern wir 11-jähriges Bestehen unserer Trainer-Zusammenarbeit. Diesen Tag wollen wir nicht im stillen Kämmerlein verbringen. Wir träumen mal… Ein großes Coachingbrief-LeserInnen-Treffen. Und wenn nur 1-2% von Ihnen dabei wären – dann wären wir mit etwa 20-40 Personen zusammen. Eine weitere alte Idee will umgesetzt werden: Die Helfensteine. Ein magischer Ort, nicht nur für uns. Und geographisch ziemlich zentral in Deutschland. Infos folgen, sobald uns die Corona-Bedingungen für solche Veranstaltungen klar sind.

Ausgebucht Hohgant im Sommer erleben
Da unsere Schneeschuhtour im Februar in der Schweiz nicht umsetzbar war, doch ein Jahr ohne Hohgant-Hütte bei uns zu schlimmen Entzugserscheinungen führen würde, haben wir den August-Termin geplant. Wir freuen uns schon riesig darauf. Es war schon immer ein Wunsch von uns, das Hohgant-Massiv mal im Sommer zu besteigen. Seien Sie dabei und verbinden Sie das Lernen Gewaltfreier Kommunikation mit Wandern in grandioser Kulisse im Naturpark Berner Oberland. Vom 10.-14. August 2021

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Weiteres finden Sie auf unserer Website:
Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Unsere Vorschläge:

Eine Entschuldigungs-Formulierung:

„Für die im letzten Coaching-Brief fehlenden Worte am Ende eines Absatzes bitten wir um Entschuldigung.“

Die Alternative des Bedauerns:

„In unserem letzten Coaching-Brief fehlten am Ende eines Absatzes ein paar Worte.
Dadurch konnten Sie den Gedanken nicht vollständig erfassen und es sind vermutlich Fragen offen geblieben, das bedauern wir sehr.“

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