469/2020 Was die Sprache über uns verrät

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

unsere Seminare sind weitestgehend abgesagt und wir haben wieder mal etwas mehr Zeit, uns den aufgeschobenen Aufgaben zuzuwenden. Und so ist auch dieser Coachingbrief entstanden, der schon längere Zeit auf Vollendung gewartet hat.

Herzliche Grüße aus unseren jeweiligen „Corona-Lockdown-Aufenthaltsorten“ Jena und Bielefeld

Anja Palitza & Olaf Hartke

Zitat: „Die Wirkung unserer Sprache kann eine gute Wirklichkeit für uns selbst und andere kreieren.“ (Joachim Schaffer-Suchomel)

Beispiel: Martina trifft im Supermarkt ihre Freundin Susann. Beide winken sich zu. Susann freut sich und entschließt sich ein Schwätzchen zu halten. Beschwingt geht sie auf Martina zu und fragt die Freundin: „Na wie geht es?“

Da leg Martina auch schon los: „Wenn Du wüsstest. Ich bin total im Stress. Ich muss gleich noch kochen, dann muss ich für meine Eltern noch ein Geschenk besorgen, ich muss auch noch die Kinder zum Training bringen und die Wäsche muss ich auch noch waschen. Ich krieg das bald nicht mehr gestemmt. Keiner hilft mir. Und mein Mann fährt einfach mit seinen Kumpels in den Urlaub. Ich bin sauer. Der macht es sich immer leicht. Hätte ich den mal nur nicht geheiratet. Na ja, irgendwie wird es schon werden. Du, nun muss ich aber weiter. Irgendwann müssen wir uns mal wieder Zeit für einen Kaffee nehmen.“ Beide verabschieden sich.

Susann geht nachdenklich zu ihrem Einkaufswagen zurück. Von ihrer Beschwingtheit kann sie gerade nichts mehr spüren.    

Information: „Worte sind Fenster oder Mauern“- so heißt ein Gedicht von Ruth Bebermeyer. Eine Metapher, die ausdrücken möchte, dass in der Wahl unserer Worte eine Kraft liegt, die dazu beiträgt, dass sich Menschen füreinander öffnen oder auch verschließen. Mit unserer Sprache können wir andere einladen oder auch ausladen. Und die individuelle Wahl der Worte lässt unsere Sichtweise über die Welt und unsere Emotionen, Bedürfnisse und Wünsche erahnen. Sie sind ein Ausdruck unseres Selbst.

Im Gebrauch unserer Worte stecken so viele Botschaften. Joachim Schaffer-Suchomel hat sich intensiv damit auseinandergesetzt und viele Gedanken dazu – auch ganz offensichtliche – in seinem Buch niedergeschrieben.

Klar, im Wort „besorgen“ stecken die Sorgen, da sorgt sich jemand um etwas und für etwas. Hinter dem Wort „kriegen“, so Schaffer-Suchomel verbirgt sich womöglich ein empfundener Kampfzustand.

Wenn Menschen das Wort „müssen“ häufiger nutzen dann empfinden sie oftmals Stress oder Druck. Vielleicht sehen sie auch keine Wahlmöglichkeiten und Alternativen mehr. Auch die Wortewahl von „hätte“, „würde“, „wäre“ gibt einen Hinweis, dass weniger an Möglichkeiten und deren Realisierung geglaubt wird.

„Ärger ist eine Steigerungsform von arg“, so schreibt Schaffer-Suchomel und weiter: „Mit Ärger wird es immer ärger. Dennoch bleiben viele Menschen lange in ihrem Ärger hängen.“.

Das „sich beschweren“ ist vielleicht ein unbewusster Versuch nicht selbst tätig zu werden. Die „Schwere“ steckt in der Beschwerde und geht mit dem Wunsch einher, dass andere einem die Schwere abnehmen.

Wer sich empört geht auf die Empore, um besser gesehen zu werden. Dies macht auf ein zentrales Bedürfnis aufmerksam: Das Bedürfnis von gesehen und gehört werden wollen.

Im „lästern“ taucht das Wort Last auf. Lästernde Menschen scheinen be- und geladen zu sein und suchen Entastung.

Wer „man“, „irgendwer“, „irgendwie“, „irgendwo“ verwendet lenkt von der eigenen Person ab. Eine klare Positionierung wird vermieden und die Verantwortung vielleicht abgelehnt.

Wer tiefer in dieses Thema einsteigen will, dem empfehlen wir das Buch: „Du bist, was du sagst.“ von Joachim Schaffer-Suchomel. Wer schon mal ein klein wenig eintauchen möchte in diese Thematik wird hier fündig:

Sofort-Üben: Für uns ist es spannend zu forschen, was in den Gebrauch der Worte bei Martina so an Gefühlen und Bedürfnissen und möglichen Bitten zu finden ist. (Unsere Forschungsgedanken finden Sie am Ende des Coachingbriefes.)

Wochenaufgabe: Hören Sie sich doch diese Woche einmal intensiver zu. Welche Worte nutzen Sie häufiger und was sagen diese womöglich über Ihre Sichtweisen, Gefühle, Bedürfnisse aus? Und könnten Sie daraus Bitten an sich selbst ableiten?

Aktuelles: Wir hoffen, dass es 2021 trotz Corona Trainings und Seminare geben wird. Wir haben jedenfalls Vieles geplant und vororganisiert und eine ganze Reihe interessanter Seminare und Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Wir laden Sie herzlich ein, Folgende Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website:

Es sind noch nicht alle Informationen zu den Seminaren aktualisiert; fragen Sie direkt bei uns nach, wenn Sie konkrete Fragen dazu haben.

Wandeltage 2021
Acht Teilnehmer haben sich bereits für unsere Jahresausbildung angemeldet. Gesellen Sie sich dazu und machen Sie das Jahr 2021 zu Ihrem Wandeljahr. Start ist am 19. März 2021 im Kloster Drübeck.

Vertiefungsseminar
Wir haben ein neues Vertiefungsseminar entwickelt. Es geht darum, die vier Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation mehr zu verinnerlichen und bewusster in den Alltag zu integrieren.

30./31.01.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation (II) in Arnsberg – 2 Tage

Wie gewohnt in 12-jähriger Tradition auf der Hohgant-Hütte
Das Leben lieben lernen – Gewaltfrei leben
Die Schneeschuhwanderung für Einzelpersonen und Paare mit allgemeinen Lebens-Themen im GFK-Seminar.

26.02.-02.03.2021 auf der Hohganthütte bei Interlaken im Naturpark Berner Oberland

Partnerschaft neu entdecken
Kennen Sie diese Herausforderungen in der Partnerschaft?

  • Das „Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühl“ geht innerhalb von 6-12 Monaten nach dem ersten „Verliebtsein“ verloren.
  • Die Partner entwickeln während ihrer Beziehung unterschiedliche Interessen und stellen die Weichen für veränderte Lebenswege.
  • Berufliche Veränderungen, eigene Kinder und möglicherweise noch Wohneigentum sorgen für neue Herausforderungen.
  • Zärtlichkeit und Sexualität bekommen für den Partner eine andere Bedeutung und einer von beiden „kommt zu kurz“.
  • Konflikte lassen sich nur noch schwer oder gar nicht mehr klären und belasten die Partnerschaft dauerhaft.
  • Im Spannungsfeld zwischen den Konfliktthemen und den veränderten persönlichen Interessen gelingt die Kommunikation nicht mehr wie früher und die Gespräche werden kürzer und schwieriger.

Vom 03.-07.03.2021 exklusiv für Paare – Die Schneeschuhwanderung mit Paar-Themen im GFK-Seminar.

Weitere Seminare
16.02.2021 Start der Trainerausbildung bei K-Training mit uns und 3 weiteren Trainern

11.04.2021 Bildungsurlaub GfK und Führung auf der Nordseeinsel Baltrum 5 Tage

24.10.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK auf der Nordseeinsel Spiekeroog 5 Tage

17.07.2021 Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena  2 Tage

09.10.2021 Vertiefungsseminar Gewaltfreie Kommunikation in Jena 2 Tage

14.11.2021 Bildungsurlaub Einführung GfK am Jadebusen bei Wilhelmshaven 5 Tage

In 2021 feiern wir 11-jähriges Bestehen unserer Trainer-Zusammenarbeit. Diesen Tag wollen wir nicht im stillen Kämmerlein verbringen. Wir träumen mal… Ein großes Coachingbrief-LeserInnen-Treffen. Wenn nur 1-2% von Ihnen dabei wären – dann wären wir mit etwa 20-40 Personen zusammen. Eine weitere alte Idee will umgesetzt werden: Die Helfensteine. Ein magischer Ort, nicht nur für uns. Und geographisch ziemlich zentral in Deutschland. Wann und wie genau ist noch in der Planung – lassen Sie sich überraschen.

Herausgeber:
Hartke Unternehmensentwicklung GmbH
Dunlopstraße 9, 33689 Bielefeld
on: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527
http://www.ab-ins-kloster.de
© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

Gedanken zum Sofort-Üben: „Wenn Du wüsstest. Ich bin total im Stress. Ich muss gleich noch kochen, dann muss ich für meine Eltern noch ein Geschenk besorgen, ich muss auch noch die Kinder zum Training bringen und die Wäsche muss ich auch noch waschen. Ich krieg das bald nicht mehr gestemmt. Keiner hilft mir. Und mein Mann fährt einfach mit seinen Kumpels in den Urlaub. Ich bin sauer. Der macht es sich immer leicht. Hätte ich den mal nur nicht geheiratet. Na ja, irgendwie wird es schon werden. Du, nun muss ich aber weiter. Irgendwann müssen wir uns mal wieder Zeit für einen Kaffee nehmen.“

Wir vermuten, dass Martina unruhig ist, ärgerlich, empört, erschöpft und auch gestresst. Sie hat Sehnsucht nach Ruhe, Entspannung, Erholung. Genauso vermuten wir, dass sie verzweifelt ist und wirklich Unterstützung benötigt und Entlastung. Sie will gehört werden in ihrem SOS-Signal. Aber sie ist eventuell auch resigniert und ringt um Zuversicht, dass sie sich diese Bedürfnisse auch erfüllen kann. Und sie will die wohlwollende Verbindung und die Harmonie mit Freunden halten.

Wenn sie weiter forschen würde kämen eventuell Glaubenssätze zum Vorschein, die z.B. lauten könnten: „Das Leben besteht aus Druck und Abhängigkeiten.“ „Ich muss kämpfen, damit ich auch etwas bekomme.“; „Für mich sorgt keiner.“; „Was ich mir eingebrockt habe muss ich aus auslöffeln.“; „Veränderungen im Leben sind nur schwer möglich.“; „Aus dem Hamsterrad der Aufgaben kann man nicht aussteigen.“; „Ich darf nicht sagen, was ich wirklich will, sonst werde ich nicht geliebt.“

Wenn es ihr gelänge, sich selbst zu zuhören könnte Sie folgende Bitten an sich selbst stellen: Martina, ab jetzt gibt es kein „müssen“ mehr. Wenn Du das Wort „müssen“ verwendest, dann halte inne und verwandle das Wort in „ich entscheide mich…, weil mir wichtig…ist“. Und nur, wenn Du gute Gründe hast etwas zu tun, dann mache es. Wenn dein Mann von seiner Reise zurückgekehrt ist, dann sprich mit ihm über deine Gefühle und Bedürfnisse. Zeige deutlich, wie es dir geht. Stelle die Bitte, ob er nicht bereit wäre die Kinder zum Training zu bringen. Liebe Martina, aktiviere für das nächste halben Jahr einmal die Woche unsere Putzkraft. Nimm dir montags eine Auszeit von zwei Stunden. Lade deine Freundin zu einem Spaziergang ein oder telefoniere bei einem Spaziergang mit ihr. Und jetzt setzt du dich mit einer Tasse Tee auf die Couch und schaust für zehn Minuten Löcher in Luft.

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